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Flüchtlinge an Unis: "Viele müssen das Lernen erst wieder lernen"

Studenten der Uni Freiburg Zur Großansicht
DPA

Studenten der Uni Freiburg

Sie kommen ohne Zeugnisse oder nur mit Fotos ihrer Dokumente: Viele Flüchtlinge träumen von einem Studium in Deutschland. Christian Müller vom Deutschen Akademischen Austauschdienst erklärt, wie Unis ihnen helfen können.

Zur Person
  • Michael Jordan/DAAD
    Christian Müller, ist Leiter der Abteilung Strategie beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).
UNI SPIEGEL: Herr Müller, viele Universitäten bieten Flüchtlingen gerade an, als Gasthörer Vorlesungen zu besuchen oder ein Probestudium zu starten. Eine gute Idee?

Müller: Für Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland studiert haben, ist das ein guter Start in die deutsche akademische Welt. Schließlich waren viele monatelang auf der Flucht und müssen das Lernen erst wieder lernen. Dabei helfen diese Angebote. Aber um einen Abschluss zu bekommen, der in Deutschland anerkannt ist, müssen sie hier ein reguläres Studium absolvieren.

UNI SPIEGEL: Geht das denn so einfach?

Müller: Um sich einschreiben zu können, muss man sich mit seiner Hochschulzugangsberechtigung und einem Sprachnachweis an der Universität bewerben. Viele Flüchtlinge haben aber keine Originaldokumente bei sich, sondern digitale Kopien auf dem Smartphone oder auf einem USB-Stick. Die müssen erst auf Richtigkeit geprüft werden, und das geht nur im direkten Gespräch. Der Bewerber muss plausibel belegen können, dass er im Heimatland das Abitur oder einen gleichwertigen Abschluss gemacht oder studiert hat. So wird er zum Beispiel gefragt, was er gelernt hat und wer die Dozenten waren. Das wird dann - soweit es geht - abgeglichen.

UNI SPIEGEL: Manche Flüchtlinge haben gar keine Nachweise bei sich. Was dann?

Müller: Es sind nur sehr wenige, die versuchen, sich komplett ohne Dokumente einzuschreiben. Für sie gibt es standardisierte Tests, die die Studierfähigkeit feststellen. Dabei wird aber kein Fachwissen abgefragt, sondern es geht um den Nachweis von logischen und intellektuellen Fähigkeiten. Es ist auf jeden Fall komplex, herauszufinden, ob jemand ein Studium bestreiten kann oder nicht. Wir sollten verhindern, dass Menschen an die Unis kommen, die den Anforderungen nicht gewachsen sind. Das gilt auch für Flüchtlinge.

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© UNI SPIEGEL 1/2016
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Heft 1/2016 Die skurrile Angst vor Spoilern


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