Um Studienbedingungen und Lehrqualität zu verbessern, erhalten weitere 102 Hochschulen aus ganz Deutschland bis 2016 insgesamt rund 400 Millionen Euro Fördermittel des Bundes. Diese zweite Juryentscheidung des "Qualitätspakts Lehre" gaben Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und ihre rheinland-pfälzische Kollegin Doris Ahnen (SPD) am Dienstag in Berlin bekannt.
Unter den jetzt ausgewählten Hochschulen sind 40 Universitäten, 43 Fachhochschulen sowie 19 Kunst- und Musikhochschulen. Mit dem Pakt will der Bund bis 2020 insgesamt zwei Milliarden Euro in die Qualität der Hochschullehre investieren. Die Länder ergänzen die Bundeshilfe mit eigenen Programmen.
Um die Förderung zu bekommen, hatten mehr als 90 Prozent der deutschen Hochschulen Konzepte für eine attraktivere Lehre eingereicht. Vor allem wurden Projekte gefördert, die Studienanfänger unterstützen. Beispielsweise biete die Universität Bremen eine Akademie für interessierte Schüler an, um sie über Studiengänge zu informieren, sagte die Vorsitzende des Auswahlgremiums, Professorin Karin Donhauser von der Berliner Humboldt-Universität. Ebenfalls würden Studienanfänger durch Mentoren- und Tutorenprogramme unterstützt. Daneben gebe es Brückenkurse, um unterschiedliches Vorwissen von Studenten auszugleichen, oder Schreibkurse in den Geisteswissenschaften.
In einer ersten Förderrunde im Mai hatten bereits 111 Hochschulen insgesamt 600 Millionen Euro erhalten. Nach Angaben Schavans werden allein durch die erste Förderrunde mehr als tausend neue Stellen an den Hochschulen geschaffen. Bundesweit werden nach den beiden Vergaberunden nun 186 Hochschulen gefördert. Sollten die Projekte erfolgreich sein und positiv bewertet werden, können die Hochschulen für die Jahre 2017 bis 2020 mit weiterer Unterstützung rechnen; für diesen Zeitraum sieht der "Qualitätspakt Lehre" eine weitere Milliarde Euro vor.
Alibi- und PR-Veranstaltung Schavans
Während das Bildungsministerium den Qualitätspakt auf seiner Homepage als "beispieloses Engagement für die Hochschullehre" lobt, kritisiert die Opposition diese Form der Förderung: Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, sprach von einer Alibi- und PR-Veranstaltung Schavans. Angesichts milliardenschwerer Unterfinanzierung der Hochschulen ließen sich mit 200 Millionen Euro pro Jahr Lehrqualität und Studienbedingungen nicht flächendeckend verbessern. Auch der SPD-Hochschulpolitiker Swen Schulz verwies darauf, dass der Wissenschaftsrat bereits vor Jahren eine Milliarde Euro zusätzlich für die Lehre gefordert hatte.
"Es ist ein Skandal, dass die Grundfinanzierung der Hochschulen mittlerweile so unzureichend ist, dass die Qualität der Lehre und gute Studienbedingungen nicht mehr gewährleistet werden können", sagte die hochschulpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, Nicole Gohlke. Anstatt allen Hochschulen endlich mehr Geld zur Verfügung zu stellen, müssten sich die Einrichtungen ständig an Wettbewerben wie der Exzellenzinitiative oder dem "Qualitätspakt Lehre" beteiligen, um ausreichend Mittel zu erhalten.
seh/dpa/dapd/AFP
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