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Neuer Qualitätstest: Wissenschaftsrat startet Forschungs-Ratings

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Elite-Uni FU Berlin: Der Wissenschaftsrat will raten, nicht ranken

Uni-Ranglisten sind ungerecht und ungenau, beklagen die Hochschulen schon lange. Jetzt will der Wissenschaftsrat alle Fächergruppen aufwendig von Gutachtern bewerten lassen. Ein Ranking soll es aber nicht geben.

Der Beginn des Wintersemesters ist alljährlich die Hochsaison für all die bunten Listen, die Anfängern den Studienstart erleichtern sollen. Rankings, zumeist von Medien oder anderen privaten Organisationen veröffentlicht, reihen Hochschulen nach jedem nur denkbaren Prinzip.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) etwa sucht nach besonders starken Fachbereichen und wertet neben Kennzahlen auch Meinungsäußerungen von Studenten aus. Das "Times Higher Education Ranking" bewertet die Reputation von gesamten Unis. Und die britische "University Sex League" erhebt gar die Zahl der Sexualpartner seit Studienstart, was der sonst eher unbekannten Roehampton University in London zuletzt einen Spitzenplatz verschaffte.

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Besonders die Initiatoren der seriösen Ranglisten werden demnächst gewichtige Konkurrenz bekommen. Der Wissenschaftsrat, das bedeutendste Beratergremium im deutschen Wissenschaftssystem, will nämlich sein Forschungsrating auf alle fünf Fächergruppen ausweiten: Geistes-, Sozial-, Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie Medizin. Bisher war das Rating in den vier Pilotfächern Chemie, Soziologie, Elektrotechnik und Anglistik getestet worden.

Nach den am Montag in Berlin vorgestellten Plänen sollen aus den einzelnen Fächergruppen im Wechsel jeweils bis zu drei Fächer von einer Wissenschaftlerkommission begutachtet werden. Ein gesamter Rating-Zyklus wird demnach sechseinhalb Jahre dauern und kann Fachhochschulen sowie außeruniversitäre Institutionen einschließen.

Eine solche "wissenschaftsgeleitete, methodisch anspruchsvolle und aussagekräftige Bewertung von Forschungsleistungen", so heißt es in den Empfehlungen des Wissenschaftsrates, könne "erheblichen Nutzen" stiften und "bei einer Vielzahl von Akteuren Akzeptanz" finden.

Keine Gesamtnoten, keine Ranglisten

Die Initiative ist ein großer Schritt in Richtung eines umfassenden staatlich initiierten Bewertungssystems von Forschungsleistungen, der Wissenschaftsrat spricht von einem "flächendeckenden Vergleich" und einer "differenzierten Gesamtschau". Sie rührt auch aus dem Empfinden, dass viele Hochschulen inzwischen die Anfragen für diverse Rankings leid sind.

Sie verursachten, so ist vielerorts zu hören, erheblichen Aufwand in den Fachbereichen, die sowieso schon mit allerhand Evaluationen geschlagen seien, zum Beispiel für die Exzellenzinitiative. So boykottieren inzwischen mehrere Hochschulen, Institute und Fachvereinigungen die Teilnahme am CHE-Ranking.

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Stattdessen wünschen sie die meisten Hochschulverantwortlichen eine Leistungsanalyse, die sie intern besser verwenden können und die in der Wissenschaftsgemeinde stärker akzeptiert ist. Deshalb dürfte das geplante Forschungsrating die Bereitschaft vieler Hochschulen, an Rankings teilzunehmen, weiter verringern.

Zu den bestehenden Ranglisten grenzen sich die Vertreter des Wissenschaftsrates ab: "Die Bewertungen der Kriterien werden differenziert ausgewiesen und nicht zu einer Gesamtnote verrechnet", heißt es in dem Papier (hier als pdf) unter der Definition des Begriffes "Rating". "Es werden keine Ranglisten gebildet." Die meisten gängigen Rankingverfahren, so kritisieren die Wissenschaftler, wiesen "eine Reihe methodischer Schwächen auf", sie seien "nicht geeignet, Steuerungsentscheidungen zu unterstützen".

Wie teuer das Ansinnen der Wissenschaft werden wird, sich künftig selbst zu bewerten, steht noch nicht fest. Der Wissenschaftsrat veranschlagt 2,5 Millionen Euro pro Jahr an direkten Kosten. Die Finanzierung sei "zwischen Bund und Ländern zu beraten".


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Peter Searle

Unsere Rankings waren Quatsch!

Höchst selbstbewusst stellte das "Times"-Ranking Anfang der Nullerjahre die besten Unis der Welt vor. 2009 zeigt sich der Macher der Liste überraschend selbstkritisch: Die bisherigen Rankings seien beinahe wertlos gewesen, räumte Phil Batey ein. mehr...


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insgesamt 5 Beiträge
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1. Dass keine Gesamtnote ...
libebknofne 28.10.2013
... gebildet wird, ist löblich, denn das ist praktisch nicht seriös möglich, siehe: http://www.wissenschaftsmanagement-online.de/converis/artikel/2153
2. Nonsense, neue Auflage
nervmann 28.10.2013
"wissenschaftsgeleitete, methodisch anspruchsvolle und aussagekräftige Bewertung von Forschungsleistungen"; wieder alter Käse in neuen Tüten; sie können es wohl nicht anders. Universitäten sind Ausbildungsbetriebe!!! Also definiert sich eine gute Uni erstrangig über eine gute Ausbildung, d.h. pädagogisch und wissenschaftlich gute Vorlesungen, Seminare, Kurse etc.. Da braucht man keine Bewertungen. So etwas spricht sich sehr schnell herum, bei Studenten und bei Arbeitgebern. Dieses Herumgereite auf sogen. exzellenter Forschung hat keinen anderen Sinn als im Rennen um F&E-Mittel vorn zu stehen. Da wäre es hilfreicher, für F&E die Elfenbeintürmler in den MPIs, HZGs und Leibnitz-Instituten einzubeziehen.
3. Das Geld wäre anders besser investiert
strixaluco 28.10.2013
Forschung an der Universität soll - das sagt doch schon der Name! - eine möglichst große Bandbreite und Vielfalt haben; deswegen kann es auch nicht fair sein, alles vergleichen zu wollen. Nicht alles, das auf den ersten Blick unscheinbar aussieht, ist deswegen nichts wert! - Sinnvoll wäre das Geld, finde ich, in bessere, verständliche, öffentliche Forschungsdokumentation investiert, so dass ich jeder Interessierte möglichst gut selbst eine Meinung bilden kann - nach Geschmack und Ausrichtung, nicht nach Rangliste oder Wertung. Auch die Lehre ließe sich öffentlich dokumentieren und mit etwas Mut von den Studenten bewerten lassen... Die ganze Gutachten- und Bewertungsmanie ist ein entsetzlicher Bürokratischer Aufwand, der den unis jetzt schon kaum noch Luft zum Atmen lässt!
4. Unglückliche Anglizismen
tl-hd 29.10.2013
---Zitat von SPON--- Der Wissenschaftsrat will raten, nicht ranken ---Zitatende--- Die englischen Begriffe in der Bildunterschrift sind nicht sehr geschickt gewählt - beide Verben gibt es auch im Deutschen, aber mit anderer Bedeutung. Raten Sie z.B. mal, welche Gerüchte sich um obigen Satz ranken, wenn der wörtlich ins Englische übersetzt wird. ;-)
5. ...
Newspeak 30.10.2013
Wenn die deutschen Professoren irgendwann gar nicht mehr zum Forschen kommen, vor lauter Gremien, Administration und Evaluierungen (es fehlt nicht mehr viel)...ja dann sind wir wahrscheinlich Forschungsstandpunkt Nr. 1 weltweit. Komisch nur, daß niemand zu bemerken scheint, daß diese ganzen Evaluationen inzwischen den Charakter einer Planwirtschaft tragen. War ja auch nicht alles schlecht, in der DDR.
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