Entscheidung im Sprachstreit: Franzosen erlauben Englisch an Unis

Nun kann es auch in Frankreichs Uni-Seminarräumen heißen: "In english, please!" Nach hitziger Debatte hat die Nationalversammlung beschlossen, englischsprachigen Unterricht an den staatlichen Universitäten zuzulassen. Kritiker warnen vor einem Identitätsverlust.

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Ministerin Geneviève Fioraso: "Nur der Sklave sagt ja."

An Frankreichs Unis spricht man Französisch! Zum Schrecken vieler überzeugter Frankophonen ist das nun passé. Die französische Nationalversammlung hat am Donnerstag für das umstrittene Vorhaben gestimmt, mehr englischsprachige Kurse an den staatlichen Hochschulen des Landes zuzulassen.

Zuvor debattierten die Abgeordneten zwei Stunden lang teils heftig. Hochschul- und Forschungsministerin Geneviève Fioraso verteidigte ihren Vorstoß, mit dem sie einerseits mehr ausländische Studenten nach Frankreich locken will und andererseits die französischen Studenten besser auf eine globalisierte Wissenschafts- und Arbeitswelt vorbereiten will.

Der konservative Abgeordnete Jacques Myard warnte während der Debatte: "Ein Volk, das immer mehr eine Fremdsprache spricht, wird Schritt für Schritt seine Identität verlieren." Man müsse auch nein sagen können: "Nur der Sklave sagt ja." Fiorasos Parteifreund Thierry Mandon bezeichnete die Debatte als "Wirbelsturm im Wasserglas" und reine Entertainmentdebatte.

Nur bei "pädagogischer Notwendigkeit"

Die Pläne von Sozialistin Fioraso hatten in Frankreich schon in den vergangenen Tagen erheblichen Wirbel ausgelöst. Kritiker - auch aus ihrer eigenen Partei - befürchten eine Schwächung der französischen Sprache und eine "Gefährdung des kulturellen Reichtums".

Faktisch wird mit der Änderung das Gesetz lediglich der Realität angepasst. Denn auch wenn den staatlichen Universitäten Französisch als Unterrichtssprache vorgeschrieben ist, wird dort unter Berufung auf Ausnahmen im Gesetz schon jetzt auf Englisch gelehrt. Mit dem neuen Gesetz wurden die Möglichkeiten dazu nun erweitert. Es wurde aber auch festgehalten, dass Kurse künftig nur dann in einer Fremdsprache angeboten werden können, wenn dafür "pädagogische Notwendigkeiten" bestehe.

Noch ist das letzte Wort allerdings nicht gesprochen. Der englischsprachige Unterricht ist nur ein Teil eines neuen Hochschulgesetzes. Und das muss das Parlament noch in seiner Gesamtheit verabschieden.

seh/AFP

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