Frauen in Top-Positionen: Einmal Karriere, einmal Kind, einmal alles

Von Miriam Olbrisch

In deutschen Chefetagen sind Frauen nach wie vor rar, denn: Für eine steile Karriere müssen weibliche Arbeitnehmer mehr leisten und oft männliches Revierverhalten nachahmen. Nur wenigen hilft der Zufall beim Aufstieg. Eine Quote nach skandinavischem Vorbild soll Abhilfe schaffen.

Sind es die Vorurteile? Ist es Diskriminierung? Oder sind sie einfach nur schüchtern? Wenn es um Führungspositionen geht, drängen Frauen selten in die erste Reihe. In den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen muss man sie mit der Lupe suchen. Gerade einmal zweieinhalb Prozent von ihnen sind weiblich, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ausgerechnet.

"Eine Monokultur von Männern", formuliert DIW-Forscherin Elke Holst. Und wenn es dann doch mal eine Frau nach oben schafft, dann häufig, weil sie aus der Unternehmerfamilie stammt wie Susanne Klatten (BMW) oder Simone Bagel-Trah (Henkel). Was die Karriere angeht, erwarten die Frauen nicht viel - und zwar schon von Anfang an, wie die Studentenspiegel-Umfrage des SPIEGEL von McKinsey und StudiVZ zeigt.

Woran das liegt? Glaubt man Forscherin Holst, fehlt es ihnen an Vorbildern. Es gibt nur wenige, an denen junge Frauen sich orientieren könnten.

Mit der Quote gegen "geschlossene Systeme"

Ina Schlie könnte so jemand sein. Die 43-Jährige ist Prokuristin beim Software-Konzern SAP. Ihr Büro liegt im vierten Stock der Walldorfer Zentrale, nur wenige Türen vom Finanzvorstand entfernt. In ihren Händen liegt die globale Steuerplanung des Unternehmens, genauso wie die Verantwortung für 50 Mitarbeiter. Dass sie heute hier sitzt, schreibt sie auch ihren Vorgesetzten zu. Sie habe Glück gehabt, erklärt die gebürtige Bielefelderin bescheiden, immer unter Männern zu arbeiten, die sie förderten.

"Ich habe die ganze Geschlechterthematik erst entdeckt, als ich schon oben war", sagt sie und streicht ihren weißen Hosenanzug glatt. Dass sie daneben auch ihren Wunsch nach einer großen Familie erfüllte, sei dabei kein Hindernis gewesen. Die Fotos ihrer drei Kinder hängen über dem Schreibtisch - und wenn ihr ältester Sohn mal während eines Meetings anruft, weil er die Stimme seiner Mama hören möchte, könnten die Kollegen das verstehen, sagt Schlie.

Schlies Karriereweg ist ein Vorzeigebeispiel, klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Auch die Telekom möchte sich mit solchen Biografien schmücken, verlässt sich dabei aber nicht auf wohlwollende Vorgesetzte. Das Rezept gegen die männliche Dominanz in den Chefetagen stammt ausgerechnet von einem Mann: Bei Thomas Sattelberger steht das Telefon in den letzten Monaten nicht mehr still.

Einzelne Frauen schätzen auch ihre besondere Sichtbarkeit

Seine Idee erregt Aufsehen. Als erster Dax-Konzern soll die Telekom auf Geheiß ihres Personalvorstands konzernweit mindestens 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzen. Eine Quote nach skandinavischem Vorbild. In Norwegen etwa müssen seit bald drei Jahren 40 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder weiblich sein.

Bei der Telekom soll die Quote dazu dienen, das "Revierverhalten" der Männer zu durchbrechen, wie Sattelberger sagt. Es seien "geschlossene Systeme entstanden", die verhinderten, dass Qualität sich letztlich durchsetzt.

Doch nicht nur die Männer sieht er hier in der Pflicht. "Frauen versäumen es oft, andere Frauen zu fördern", sagt Sattelberger. Vielleicht, weil sie möchten, dass "ihre besondere Sichtbarkeit als Rarität" erhalten bleibt. Vielleicht fühlten sie sich allein unter Männern handlungsunfähig.

Doch auch wenn Quotenregelungen und sensibilisierte Personalchefs den Frauen ein Treppchen zum Chefsessel bauen - hinaufsteigen müssen sie immer noch selbst. "Dazu braucht man eine gewisse Basis-Aggressivität, Teamfähigkeit und große Ausdauer", sagt eine, die es geschafft hat. Antonella Mei-Pochtler ist Seniorpartnerin bei der Boston Consulting Group. Gerade die Ausdauer sei eine typisch weibliche Eigenschaft - und auf die kommt es an.

"Frauen sollten damit leben können, dass sie nicht von allen gemocht werden"

Nur oben sein, reicht nämlich nicht. Dort fängt die Arbeit oft erst an. Genau wie männliche Vorgesetzte müssen Chefinnen ihre Mitarbeiter führen, Verantwortung tragen, sich immer wieder behaupten. Dabei hilft eine Quote nicht. Antonella Mei-Pochtler hat immer wieder beobachtet, dass sich ihre Geschlechtsgenossinnen damit schwertun. "Viele Frauen wollen immer Kompromisse erzielen", sagt die Managerin. Doch um voran zu kommen, müssten sie auch lernen, sich Konkurrenz und unangenehmen Entscheidungen zu stellen. "Frauen sollten damit leben können, dass sie nicht von allen gemocht werden", sagt die 51-Jährige.

Und sie müssen bereit sein, das Maximum zu leisten. Trotz dreier Kinder leistet Mei-Pochtler jede Menge Überstunden. Wie SAP-Prokuristin Ina Schlie ist auch sie der Meinung, dass die Familie der Karriere nicht schadet - wenn man es richtig anstellt. "Die Babypausen sind häufig zu lang", beklagt die Unternehmensberaterin und sieht sich selbst als Musterbeispiel, dass es auch anders gehe: Sie setzte nach der Geburt ihrer beiden jüngeren Kinder jeweils nur vier Wochen aus.

Bei der ältesten Tochter habe sie sich noch drei Monate gegönnt. Und selbst in dieser Zeit sei sie für Kollegen und Vorgesetzte immer erreichbar geblieben, nahm an Telefonkonferenzen teil und ließ sich Berichte ans Wochenbett schicken. Wer ein Jahr aussteige, rutsche auf der Beförderungsliste unter Umständen nach hinten. Für Mei-Pochtler durchaus nachvollziehbar: "Führungskräfte riskieren, bei einer längeren Pause den Anschluss zu verlieren."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 705 Beiträge
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1. kwt
realburb 12.10.2010
Frauen in den Vorstand! Ob sie wollen, oder nicht!
2. logische Fortsetzung
Lokin 12.10.2010
des Artikels zu den Frauenstudiengängen. So wie man statt Elternstudiengängen, die ein Problem geschlechterunspezifisch lösen würden, Frauenstudiengänge einrichtet, da diese armen, überforderten Wesen sonst keinen Zugang zu technishem Wissen bekommen, so richtet man später geschützte Bereiche in den Firmen ein. Es ist zwar nicht so, dass Revierverhalten männlicher Vorgesetzter nur weibliche Nachwuchskräfte behindert, aber wenn frau dringend eine kuschelige Nische in der Frauenförderung braucht, sind tatsächliche Probleme verständlicherweise irrelevant.
3. Ich bin dafür
rocknruelps 12.10.2010
Zitat: "Frauen versäumen es oft, andere Frauen zu fördern", sagt Sattelberger. Vielleicht, weil sie möchten, dass "ihre besondere Sichtbarkeit als Rarität" erhalten bleibt. Meine Erfahrung: Chefinnen verübeln es dem sichtbar attraktiveren weiblichen Nachwuchs, dass der bei den Männern gefragter ist. Ergo: Stutenbiss & Zickenterror. Deshalb fühlen sich die Mädels von einem männlichen Chef besser betreut ;-) Der ist wiederum für Männer nicht unbedingt vorteilhafter. Wer clever mit einer Chefin flirtet, hat ein duftes Arbeitsleben. Frauen in die Chefetagen ! Jedenfalls solange sie ihre Gören nicht mit in die Konferenz bringen.
4. Hauptsache von oben dirigiert?
Graphite 12.10.2010
ich verstehe die ganze Diskussion nicht. auf der einen Seite wollen Firmen und Regierung Frauen in der führungsrolle sehen, andererseits wird ein massiver Geburtenrückgang beklagt! Mutterschaftsurlaub von 4 Wochen? das reicht nicht mal zum vernünfitgen Stillen der Babys mit allen konsequenzen. von der Erziehung mal ganz abgesehen, aber dafür gibt es ja Kindermädchen Playstation und Co.! Eine äusterst fragwürdige Entwicklung? Wann wird eigentlich was gegen die von Frauen dominierten Berufe unternommen? gibts da Männerquoten?
5. ...
Patricia83 12.10.2010
Vier Wochen Mutterschaftsurlaub und auch noch stolz drauf... Na Prost Mahlzeit! Schon mal dran gedacht, dass da nicht alle Frauen Lust drauf haben? Es haben auch nicht alle Frauen Lust ne 80 Stunden Woche zu schieben... Da sollte man auch mal was dran tun. Was ist daran so erstrebenswert, jede Menge Überstunden zu schieben? Das ist doch nur wieder die typisch männliche Ansicht, man arbeite nicht wirklich, wenn man "nur" während der normalen Arbeitszeiten anwesend ist. Genauso hab ich kein Verständnis dafür, dass man dann auch noch in seiner freien Zeit oder wie hier im Wochenbett erreichbar sein muss. Da wundert man sich noch über Phänomene wie Burn Out? Die Dame dürfte mit solchen Aussagen anderen Frauen auch nur bedingt einen Dienst erweisen - der Druck lässt grüßen. Mir ists im Grunde ganz Recht, dass sich die Herren der Schöpfung an den Spitzen großer Konzerne tummeln, sollen sie sich selber aufreiben mit ihren dummen Macho-Machtspielchen ;-) Inhaltlich wird doch in großen Firmen sowieso kaum was getan, es geht nur um Revier- und Machtkämpfe und wer wem was zu sagen hat. Ne danke. Macht ma alleine weiter.
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