Streit um Frauenbonus: Wiener Uni nominiert 60 Medizinstudenten nach

Wurden an der Medizinischen Universität Wien Männer diskriminiert? Damit es mehr Frauen ins Studium schaffen, hatte die Hochschule sie mit geringerer Punktzahl im Medizinertest aufgenommen. Studentenvertreter protestierten, jetzt lenkt die Uni offenbar ein.

Medizinische Uni Wien: Universitätsrat nominiert Studenten nach Zur Großansicht
MedUni Wien

Medizinische Uni Wien: Universitätsrat nominiert Studenten nach

Wochenlang hatte die Medizinische Universität Wien ihr neues Aufnahmeverfahren verteidigt. Über Jahre hinweg seien Frauen benachteiligt worden, nun habe man sich endlich um Gleichberechtigung bemüht, sagte Rektor Wolfgang Schütz der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" noch Anfang September.

Die Universität hatte bei ihrem Eignungstest für angehende Medizinstudenten im Juli erstmals geschlechterspezifisch bewertet. Damit erhielten weibliche Bewerber mit weniger Punkten einen Studienplatz als männliche. Mehr als die Hälfte der 740 Studienplätze ging daraufhin an Frauen. In den Jahren zuvor waren beim Wiener Medizinertest stets mehr Frauen angetreten, die Männer schnitten jedoch besser ab und wurden mehrheitlich angenommen.

Die Neuerung empörte Studentenvertreter beiderlei Geschlechts - und nun gab die Hochschulleitung nach. Der Universitätsrat habe beschlossen, weitere 60 Studienplätze anzubieten, sagte der Ratsvorsitzende Erhard Busek der "Presse am Sonntag". Der Universitätsrat ist neben Senat und Rektorat das oberste Leitungsgremium der Universität. Formal könne der Senat den Beschluss des Rats noch kippen, womit aber nicht zu rechnen sei, schreibt "Die Presse".

Die zusätzlichen Plätze könnten die Studenten besänftigen, die die Hochschule verklagen wollen. Mehrere abgewiesene Männer haben sich bereits mit Beschwerden an die Universität gewandt. Ihre Zahl liege im zweistelligen Bereich, teilte das Rektorat mit. Die 60 Nachrückerplätze sollten allerdings unabhängig davon verteilt werden, ob ein Student den Rechtsweg einschlagen wollte oder nicht, berichtet die "Presse am Sonntag". Wie die Plätze vergeben werden und ob nur Männer dafür in Frage kommen, erklärte der Vorsitzende des Uni-Rats nicht.

Vor zwei Wochen hatte Rektor Schütz noch verneint, dass die Uni weitere Bewerber zum Medizinstudium zulassen könnte. Die Zahl der Plätze sei ausreichend, hatte er gesagt. Das gehe auch aus der im Juli veröffentlichten Ärtzebedarfsstudie klar hervor.

Uni arbeitet neue Prüfung aus

Die Studentenvertretung ÖH Medizin Wien kann das Einlenken des Universitätsrats als Erfolg verbuchen, nachdem sie sich monatelang gegen die neue Prüfungsauswertung gewehrt hatte. Dass Frauen beim Medizinertest jahrelang so schlecht abgeschnitten haben, sei ein Problem, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Studentenverbands, Birgit Ludwig. Frauenförderung müsse sich jedoch im rechtlich abgesicherten Rahmen bewegen und dürfe keine Diskriminierung von Männern darstellen.

Die Universität fragt in ihrem fünfstündigen Eignungstest unter anderem das medizinisch-naturwissenschaftliche Grundverständnis, das räumliche Vorstellungsvermögen und den Umgang mit Zahlen ab. Künftig soll die Prüfung so gestaltet sein, dass weder Frauen noch Männer darin dauerhaft mehr Punkte holen: Die drei österreichischen Medizin-Unis in Wien, Innsbruck und Graz entwickeln gemeinsam ein neues Testverfahren, das nächstes Jahr erstmals an allen drei Hochschulen angewandt werden soll.

Was regt euch auf?
  • Corbis
    An Deiner Uni müssen Sportstudenten ihre Basketbälle selbst mitbringen? Leihbücher verstauben unter dem Vermerk "bis 2031 ausgeliehen" bei Professoren im Büro? Ein Dozent verteilt die immergleiche Note, ohne die Arbeiten gelesen zu haben? Der UniSPIEGEL sucht nach Idiotien und Schildbürgerstreichen an deutschen Hochschulen: skurrile Zustände und Regeln, die das Lehren und Lernen unnötig erschweren und trotzdem nicht geändert werden. Schickt Eure absurden Aufreger bitte in Kurzform an uni-aufreger@spiegel.de

son

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Der Test muss jetzt so lange
n+1 17.09.2012
umgebaut werden, bis auch die dümmsten Weiber einen Studienplatz ergattern können. Vorschläge: Vokabeln abfragen. Muster stricken. Kosmetisches Wissen abfragen. Vor allem aber: unbedingt einen Rotgrün-Unterscheidungstest machen lassen. Im Ernst: der (alte) Test bezieht sich wohl eher auf die MINT-Fächer als auf Medizin.
2. Frauenförderung ...
Tunt 17.09.2012
... ist in der Praxis eben nicht nur Abbau tatsächlich vorhandener Hindernisse, sondern mehr und zunehmend positive Diskriminierung. Solche Auswüchse lassen sich auch nicht mit dem Verweis auf umgekehrte Benachteiligung in früheren Zeiten rechtfertigen. Wer zweimal falsch liegt, liegt deshalb noch nicht richtig.
3. optional
sprücheklopferklopfer 17.09.2012
Jetzt muss dieses Gleichberechtigungs-Mumpitz mal ein Ende haben...ist schon zu lange zur Diskriminierung in allen Bereichen umgeschlagen!
4. Es ist ein Problem
johosl 18.09.2012
, dass Frauen so schlecht bei dem Test abschneiden.." Wieso das denn? Etwas objektiveres, als einen unabhängigen test gibt es doch nicht, und wenn dabei nur die durchkommen, die für geeignet gehalten werden, dann ist das gut so. Soll ich jetzt etwa auch einen besseren Abiturschnitt für Jungs verteilen, weil die in jungen Jahren geistig anscheinend noch nicht so reif sind, wie die Mädels? Manchmal kommt es mir so vor, dass unter dem Vorwand der Gleichberechtigung, alles getan wird, ohne sich über Konseuqnzen Gedanken zumachen. Bessere frauen, sollen einen Studienplatz bekommen, genauso wie bessere Männer!
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