Gaststudenten in den USA: Ausgebeutet in der Schokoladenfabrik

Sie wollten die USA kennenlernen und erlebten den amerikanischen Alptraum: Ein Unternehmen vermittelte Hunderte Gaststudenten als Nachtarbeiter und Niedriglöhner an einen Schokoladenhersteller, berichtet die "New York Times". Jetzt hat das Außenministerium die Vermittlerfirma bestraft.

Hershey's Schokolade: Studenten protestierten gegen ihre Arbeitsbedingungen in den USAZur Großansicht
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Hershey's Schokolade: Studenten protestierten gegen ihre Arbeitsbedingungen in den USA

Beides sind Sehnsuchtsorte, die Schokoladenfabrik und die Vereinigten Staaten. Spätestens seit dem Klassiker "Charlie und die Schokoladenfabrik" träumen viele Kinder von einem Ausflug zur Produktionsstätte ihrer liebsten Süßigkeit. Und bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen gelten die USA noch immer als Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Für einige hundert Gaststudenten verwandelten sich die Sehnsuchtsorte jedoch zu Alptraumorten, wie die "New York Times" berichtet. Demnach kamen sie über das größte internationale Austauschprogramm der US-Regierung ins Land und wurden als billige Arbeitskräfte weitervermittelt. Sie mussten der Zeitung zufolge in einer Anlage in Pennsylvania Schokolade der Firma Hershey verpacken, Nachtschichten schieben, schwer heben, isoliert von den amerikanischen Kollegen. Sie hätten acht Dollar pro Stunde bekommen, allerdings sei bei vielen von ihrem Gehalt noch einiges abgezogen worden für Unterkunft, Nahverkehr, Versicherungen. Bei manchen habe es kaum zum Leben gereicht. Kurz: Sie seien dort zu Niedrigstlöhnen ausgebeutet worden.

Bereits im Herbst hatte die Zeitung über die Arbeitsbedingungen der Gaststudenten berichtet. Demnach bezahlten einige Studenten um die 6000 Dollar, um an dem Work-Travel-Programm teilzunehmen, das einen Job mit dem Herumreisen im Land kombiniert. Rund 400 wurden dem Bericht zufolge von der Firma Cetusa - kurz für Council for Educational Travel - weitervermittelt. Und als sie sich über die Arbeitsbedingungen beschwerten, soll Cetusa ihnen gedroht haben, sie nach Hause zu schicken. Rund 200 Studenten hätten eine Protestaktion organisiert, um auf die schlechte Bezahlung und die gefährliche Arbeit aufmerksam zu machen.

Strengere Regeln für Studentenvermittler

Nach den Protesten reagierte die Vermittlerfirma Cetusa versöhnlich und arrangierte für die Studenten eine Woche bezahlten Urlaub, wie die Zeitung berichtet. Die Firma Hershey wiederum lud die Studenten für einen Tag in den Unternehmenshauptsitz ein, schreibt die "New York Times".

Jetzt, so berichtet die "New York Times", habe das US-Außenministerium nach einer fünfmonatigen Untersuchung der Vorgänge die Firma Cetusa ausgeschlossen und damit die wichtigste Partnerfirma des Programms. Es habe so gut wie keine kulturellen Angebote für die Studenten gegeben, die Firma sei zu nachlässig gewesen, was Sicherheit und Gesundheit der jungen Leute betrifft. Die Zeitung schreibt, der Ausschluss des Unternehmens sei ein Signal an alle Partnerfirmen: Kümmert euch um die Gaststudenten und achtet darauf, dass sie nicht ausgebeutet werden.

Das Ministerium kündigte dem Bericht zufolge außerdem an, dass sich künftig nicht mehr nur 40 Mitarbeiter um die Aufsicht des Programms kümmern, sondern mehr als 50. Und es sollen künftig strengere Regeln gelten: Keine Jobs auf dem Bau, über die Idee, keine Industriejobs zu vergeben, werde nachgedacht.

Das Programm vermittele 130.000 junge Menschen in Jobs überall in den USA, schreibt die "New York Times". Es sei das größte und ambitionierteste seiner Art, geschaffen 1961, um auch ärmeren Studenten einen USA-Aufenthalt zu ermöglichen. Das Visum, mit dem sie einreisen, erlaubt bis zu vier Monate Arbeit und einen Monat reisen. Viele kommen aus Osteuropa und Asien.

Die Firma Cetusa ist eigentlich eine Nonprofit-Organisation, hat aber den Berichten zufolge neue Geschäftsfelder erschlossen, etwa indem sie Gesundheitsversicherungen an die Studenten verkauft. Auf Anfragen der "New York Times" reagierte Cetusa nicht.

Auf der Website von Cetusa bewirbt die Firma das Austausch-Programm so: "Du wirst aus erster Hand erfahren, wie das Leben eines typischen jungen erwachsenen Amerikaners ist." Das ist in Zeiten der Wirtschaftskrise zumindest nicht gelogen.

otr

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