Gefängnis für Prüfungsschummler: Englisch-Examen unter falschem Namen

Weil ein junger Chinese mit einem fremden Pass zum Englischtest an einer britischen Uni antrat, muss er für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Mogeleien mit falschen Papieren haben in England offenbar Methode. Die Hochschulen sorgen sich: Organisieren Profis den Prüfungsbetrug?

Aufnahmetest bestanden: Internationale Studenten und ihre Tutoren an der Warwick-Uni
University of Warwick

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Jiaweng F., 24, versuchte gar nicht mehr, sich herauszureden. Anfang Februar war der Chinese mit dem Pass eines anderen jungen Mannes in einem Prüfungssaal der University of Warwick südwestlich von Coventry erschienen und hatte versucht, für seinen Landsmann eine Englischprüfung zu schreiben.

F. gab den Betrug am Freitag vor einem Gericht in der englischen Stadt Coventry zu. Der Test ist für die Zulassung von ausländischen Studenten an der Universität verpflichtend. Der junge Chinese legte sein umfassendes Geständnis ab: Bereits im vergangenen Juli habe er auf die gleiche Weise bei einem Prüfungsbetrug geholfen und für einen nicht anwesenden Bewerber den Sprachtest abgelegt.

Das Urteil des Gerichts fiel hart aus, F. muss für sechs Monate ins Gefängnis. Der Richter befand ihn des Besitzes falscher Ausweispapiere für schuldig. F. habe Anfang Februar einen chinesischen Pass bei sich gehabt, der nicht sein eigener war, und er sei gewillt gewesen, den auch zu benutzen, sagte Richter Peter Andrews in der Urteilsbegründung. Das sei eine kriminelle Handlung gewesen, die der Angeklagte auch noch genau durchdacht habe.

Aufgeflogen war der Betrugsversuch laut Tageszeitung "Daily Telegraph", weil das Sicherheitspersonal die Tasche von F. durchsuchte und dabei Dokumente fand, auf denen sein richtiger Name stand. F. sagte aus, er haben von einem Birminghamer Bildungsunternehmen 400 Pfund für das Examen unter fremdem Namen erhalten.

Schummlern droht erst Knast, dann Abschiebung

Der Englischtest ist für Ausländer verpflichtend, die sich an der University of Warwick einschreiben wollen. Anfang Februar war ein Urteil in einem sehr ähnlichen Fall ergangen. Die chinesischen Staatsbürger Jian L. und Minzheng D. wurden für das gleiche Vergehen ebenfalls zu sechs Monaten Haft verurteilt. Nach Ende ihrer Haftstrafe sollen sie unverzüglich abgeschoben werden, berichtete die Zeitung "Conventry Telegraph" im Februar. Die beiden Chinesen hätten Anfang Dezember versucht, mit fremden Pässen den Englisch-Aufnahmetest an der University of Warwick zu schreiben.

Der Auftraggeber von Jian L. war laut "Coventry Telegraph" der chinesische Student Baiyu Q. Weil dessen Studium an der Brunel University nahe London nach einem verpatzten Examen auf der Kippe stand, habe er an die University of Warwick wechseln wollen. Doch den notwendigen Englischtest traute sich Q. offenbar nicht zu und schickte L. mit seinem Pass in die Prüfung. Als er von L.s Verhaftung in Conventry erfuhr, habe sich Q. in London der Polizei gestellt.

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Anklägerin Katrhyn Roughton sagte dem "Telegraph", weil sich Fälle wie der von F. häuften, besuchten nun immer öfter Ermittler der Einwanderungsbehörden die Eingangsexamen britischer Hochschulen. Ein Sprecher der University of Warwick verwies gegenüber dem "Telegraph" auf die strengen Kontrollen der Uni und sagte, man sei erfreut, dass der junge Mann nun bestraft werde.

cht

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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1. auch in Deutschland
ralphofffm 03.05.2010
durchaus gängig. Landsleute organisieren den Grenzübertritt und den Aufenthalt und die Eingeschleusten arbeiten die Schulden die dabei entstehen schwarz wieder ab. Naturgemäss ist es schwierig festzustellen welche Leute da wirklich vor einem stehen. Auch in diesem Fall ist es ja nur wegen der Durchsuchung aufgefallen.
2. Dunkelziffer
Rubeanus 03.05.2010
Man darf davon ausgehen, dass es ähnliche Betrugsversuche auch in Deutschland gibt. Man muss sich vergegenwärtigen, welche Bedeutung Examensprüfungen an Universitäten oder Staatsprüfungen (wie bei den Juristen) für das Leben der Prüflinge haben. Der Gedanke, einen (fachlich versierten) Strohmann in die Prüfung zu schicken, ist so fernliegend nicht: Angenommen, wir haben einen Prüfungssaal mit 80 Examenskandidaten. Die Kandidaten melden sich am Prüfungstag bei einer Aufsichtskraft und weisen sich durch Vorlage des Personalausweises aus. Wie genau ist die Prüfung der Identität? Vergleicht die Aufsichtskraft das Foto im vorgelegten Ausweis eingehend mit dem Kandidaten/der Kandidatin? Hat die Kandidatin vielleicht ihr Haar gefärbt? Wenn der Prüfungskandidat dann auch noch ein Asiate ist... Bekanntlich sehen für einen Chinesen alle westlichen Langnasen gleich aus, und umgekehrt gilt das auch für die Wahrnehmung von Chinesen durch Westler. Ein gewisser Filter ist dann die mündliche Prüfung. Aber wie oft sind sich Prüfer und Kandidat nie zuvor begegnet? Zumal in Prüfungsbetrieben, in denen regelmäßig Massen an Prüfungskandidaten durchgeschleust werden (Beispiel: juristische Staatsprüfungen).
3. Bestimmt kein Einzelfall
tomac_stamp 04.05.2010
Zitat von RubeanusMan darf davon ausgehen, dass es ähnliche Betrugsversuche auch in Deutschland gibt. Man muss sich vergegenwärtigen, welche Bedeutung Examensprüfungen an Universitäten oder Staatsprüfungen (wie bei den Juristen) für das Leben der Prüflinge haben. Der Gedanke, einen (fachlich versierten) Strohmann in die Prüfung zu schicken, ist so fernliegend nicht: Angenommen, wir haben einen Prüfungssaal mit 80 Examenskandidaten. Die Kandidaten melden sich am Prüfungstag bei einer Aufsichtskraft und weisen sich durch Vorlage des Personalausweises aus. .
Das denke ich auch. Ich habe als Tutor einige Jahre lang Physikklausuren an der Uni kontrolliert. Da mussten dann 200 Personalausweise kontrolliert und mit der vor einem sitzenden Person abgegelichen werden. Wie oft habe ich selbst bei deutschen Gesichtern denjenigen kaum wiedererkannt. Man stelle sich das vor, ein 5 Jahre alter Personalausweis. Mittlerweile sind die langen Haare ab, dafür ein Bart dran, vielleicht noch eine Brille dazu... da kann jeder vor einem Sitzen...
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