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Mythos und Wahrheit: Geisteswissenschaftler arbeiten als Taxifahrer, oder?

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Sitzen hinter dem Steuer von Taxis besonders viele Geisteswissenschaftler? Zur Großansicht
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Sitzen hinter dem Steuer von Taxis besonders viele Geisteswissenschaftler?

Geisteswissenschaftler finden keine passende Stelle - und müssen sich mit fachfremden Aushilfsjobs durchschlagen. Was ist dran an dem Klischee? Der Faktencheck.

"Literatur? Was willst du denn damit später machen?!" Geisteswissenschaftler, die solche Sprüche nie gehört haben, dürfen sich glücklich schätzen. Das gilt nicht nur für den Fachbereich Literatur, sondern auch für Germanistik und Geschichte, Sinologie und Niederlandistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte.

Das Klischee, dass Absolventen der Geisteswissenschaften schließlich nichts anderes übrig bleibt, als mit Taxifahren ihre Brötchen zu verdienen, ist alt. In den Siebzigerjahren soll die Legende entstanden sein. Sie hält sich hartnäckig bis heute.

Ein bisschen was ist dran am Gerücht. So fällt es fertig studierten Schöngeistern oft schwerer, in der Berufswelt Fuß zu fassen. Sie arbeiten nach dem Studium zunächst häufig auf Basis von Honorar- und Werkverträgen - wenn sie überhaupt einen Job in ihrem Bereich finden. Das ergab eine Umfrage des Hochschul-Informations-Systems HIS unter Absolventen des Jahrgangs 2001.

Auch zehn Jahre nach dem Hochschulabschluss lag der Anteil der regulär angestellten Geisteswissenschaftler unter dem Durchschnitt aller fest angestellten Absolventen. Außerdem verdienten Magisterabsolventen der Umfrage zufolge auch zehn Jahre später noch deutlich weniger als ihre ehemaligen Kommilitonen aus den Fachbereichen Medizin, Mathematik oder Biologie.

Große Konkurrenz, wenige Jobs

Ein Problem: Unter Geisteswissenschaftlern ist die Konkurrenz besonders groß. Etwa jeder fünfte Student an deutschen Hochschulen ist in der Fächergruppe der Sprach- und Kulturwissenschaften eingeschrieben. Gleichzeitig gibt es wenige Jobs, die sich ausdrücklich an Geisteswissenschaftler richten. Im Jahr 2014 wurden der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur knapp 800 solcher Stellen gemeldet - von insgesamt fast 500.000 offenen Jobs.

Man darf also nicht den Fehler machen, sich auf diese Stellen zu versteifen. So suchten arbeitslose Geisteswissenschaftler im vergangenen Jahr bei der BA denn auch nicht nur nach Jobs für Historiker, Archäologen oder Romanisten, sondern auch nach Arbeit zum Beispiel als Übersetzer, Lehrer, Journalist oder Pressesprecher. Oder nach Tätigkeiten in der Werbung, im Marketing, im Verkauf oder in der Unternehmensberatung.

Sie scheinen damit gut zu fahren: Wenn man diese alternativen Einsatzgebiete miteinbezieht, war die Arbeitslosenquote recht gering. 2013 habe sie bei unter drei Prozent gelegen, heißt es in einer Auswertung der BA.

Nur etwa die Hälfte derjenigen, die Geisteswissenschaften studiert haben, arbeitet später in Branchen, die für ein solches Studium typisch sind - also zum Beispiel in der Bildung, den Medien, in der Kunst- und Unterhaltungsbranche oder als Übersetzer. Die andere Hälfte kommt laut BA in der Produktion, im Handel und Gastgewerbe, in der öffentlichen Verwaltung oder in anderen sehr fachfremden Branchen unter.

Erfindungsreich und flexibel

Nicht alle finden dabei eine Tätigkeit, die sie zufrieden macht. 17 Prozent der Geisteswissenschaftler fühlten sich zehn Jahre nach dem Studium weder fachlich angemessen beschäftigt noch arbeiteten sie ihrer Meinung nach auf einer adäquaten Position, wie die HIS-Umfrage zeigt. Diese Ansicht teilten im Schnitt nur 7 Prozent aller Absolventen mit Uni-Abschluss.

Wer sich trotzdem für ein geisteswissenschaftliches Studium entscheidet, sollte sich darauf einstellen, bei der Jobsuche erfindungsreich, flexibel und gegebenenfalls bescheiden vorzugehen. Denn das große Geld verdienen meistens die anderen, und eine Rutschbahn in den Beruf ist das Studium nicht.

Doch wenn man das verinnerlicht, stehen die Chancen auf ein erfülltes Berufsleben gut. Denn die Arbeitsmöglichkeiten sind enorm vielseitig. Es wird dabei auch immer Geisteswissenschaftler geben, die als Taxifahrer Geld verdienen. Doch wer sagt, dass das schlecht sein muss? Hier erzählen drei Akademiker, warum sie gern hinter dem Steuer sitzen.

Fazit: Geisteswissenschaftler sind Allrounder, doch konkrete Berufe gibt es nur wenige für sie. Viele von ihnen müssen mehr Energie und Kreativität bei der Qualifizierung und der Jobsuche entwickeln als Absolventen anderer Fächer. Einige von ihnen landen deshalb tatsächlich in fachfremden Aushilfsjobs.

Bildungsmythen im Faktencheck

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insgesamt 127 Beiträge
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1. Generation Praktikum
frank-thiele 03.12.2015
betrifft deswegen auch überwiegend Geisteswissenschaftler. Da diese jedoch überwiegend die öffentliche Meinung prägen, wurde dieses Phänomen überzeichnet. Leider damit auch der allgemeine Zorn auf "die Wirtschaft". Auch die Ungleichbezahlung von Frauen und Männern scheint dadurch stärker, denn Geisteswissenschaftler sind meist weiblich - anders als bei MINT.
2. Kenne ich persönlich einen Fall
double-U13 03.12.2015
Soziologiestudium, Abschluss der Promotion mit dem Prädikat "summa cum laude", 297 Bewerbungen ohne Erfolg, danach Taxifahrer.
3. Mit:Große Konkurrenz - wenige Jobs,ist schon viel erklärt
analyse 03.12.2015
All das sollten Abiturienten,vor Beginn des Studiums recherchieren,zumal es um jahrzehntelange Berufsausübung geht.Sehr viele wissen garnicht was sie studieren sollen,da hilft es,pragmatisch nach Chancen auszuwählen und interessante Fächer an der Uni zusätzlich belegen !
4. Geisteswissenschaftler als Taxifahrer
mimusch 03.12.2015
Kann diesem Artikel im Kern schon zustimmen. Wenn man sich wirklich für ein solches Studium entscheidet, sollte man es mit Leidenschaft für die jeweilige Richtung tun, sonst wird das nix. Mittelmaß ist hier nicht gefragt. Habe selbst zwei Beispiele in der Familie. Keiner ist arbeitslos oder ist in einem fachfremden Bereich beschäfigt. Voraussetzung war allerdings ein Superabschluss und was oft noch viel wichtiger ist ein sehr gutes Netzwerk.
5. Politikwissenschaften am schlimmsten
de.dimitrov 03.12.2015
Es gibt auch grosse Unterschiede zwischen den Fächern. Ich kenne persönlich mehrere Politikwissenschaftler in unterschiedlichen Städten und keiner davon hat einen Job in seinem Bereich. Alle sind entweder jahre lang arbeitslos oder mussten eine Weiterbildung machen, damit sie überhaupt mit grossen Schwierigkeiten einen Job finden. Soziologie ist besser - da kriegt man einen Job in Marktforschung.
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