Spenden-Seminar an der Uni: Wohin mit meinem Geld?

Sie bekamen über 1000 Euro und sollten üben, wie man richtig spendet: Die Studenten im bislang einzigartigen Seminar "Wenn Geld Gutes tut" von Julia Propp, 26, haben Hilfsorganisationen auf ihre Transparenz hin überprüft. Sie wollten herausfinden, wo sich Hilfsgeld sinnvoll investieren lässt.

Spenden: "Eine gute Hilfsorganisation erkennt man unter anderem an ihrer Transparenz" Zur Großansicht
DPA

Spenden: "Eine gute Hilfsorganisation erkennt man unter anderem an ihrer Transparenz"

Kurz vor Weihnachten werden die Deutschen mildtätig und spenden so viel Geld wie sonst nie im Jahr. Leider profitieren davon auch immer wieder dubiose Organisationen und Vereine, die die Hilfsgelder eher in neue Dienstfahrzeuge für den Vorstand als in den Kampf gegen Hunger oder anderes Leid investieren. Was muss man beachten, damit das nicht passiert?

Julia Propp, 26, aus Berlin kennt die Antwort. Die Master-Studentin in Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt-Universität leitete ehrenamtlich das bislang einzigartige Seminar "Wenn Geld Gutes tut - strategisches Spenden in Deutschland". "Eine gute Hilfsorganisation erkennt man unter anderem an ihrer Transparenz", sagt Propp. Lassen sich Jahresbericht und Finanzdaten auf der Homepage einsehen? Wirtschaftet die Organisation gut? Berichtet sie regelmäßig über Hilfsprojekte und erzielte Erfolge?

Wer nicht selbst recherchieren mag, kann sich auch auf die Qualitätssiegel von Phineo.org, Betterplace.org oder dem Deutschen Zentralinstitut (DZI.de) stützen.

Die 16 Studenten, die an Propps Seminar teilnahmen, bekamen zur Übung 1222 Euro zur Verfügung gestellt und mussten dann eine vertrauenswürdige Organisation finden. Die Studenten teilten das Geld schließlich auf: Ein Teil ging an einen Kinder- und Jugendverein in Berlin-Neukölln, der andere an eine Flüchtlingshilfe, die kostenlos medizinische Versorgung leistet. Für ihr Seminar und den Einsatz für eine bessere Spendenkultur wurde Propp vom Studentenwerk als eine der engagiertesten Studierenden Deutschlands ausgezeichnet.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. autsch und weia
mnbvc 12.12.2012
Es ist schon verwunderlich, dass jemand für ein Seminar ausgezeichent wird, dessen gesamter Inhalt mit dem einmaligen Besuch der Webseite des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (vgl. http://www.dzi.de/spenderberatung/) vermittelt ist. Richtig bitter wäre, wenn die 16 Studierenden auch nicht auf diese seit über 100 Jahren (!) erfolgreich aufklärende Institution gekommen sind. Wo bleibt da der internationale Leistungsvergleich der Studienabgänger? Scheint mir sinnvoller als Grundschülern auf die Finger zu schauen.
2. Augenwischerei vom Feinsten!
Niamey 12.12.2012
Quote: Wirtschaftet die Organisation gut? Berichtet sie regelmäßig über Hilfsprojekte und erzielte Erfolge? Wer nicht selbst recherchieren mag, kann sich auch auf die Qualitätssiegel von Phineo.org, Betterplace.org oder dem Deutschen Zentralinstitut (DZI.de) stützen." Jeder sogenannte gemeinnützige Verein, Hilfsorganissation etc., weiß genau was die Spender hören, lesen und sehen möchten. Es gibt nichts einfacher kreativ anzupassen als Berichte der Hilfsorganisationen. Wenn die aber dauernd dicke Wälzer mit Berichten rausbringen, dann wäre ich schon stutzig. Denn wer bezahlt die Arbeit der Armee an Berichterstattern, externer Prüfer und Schreiberlinge wenn nicht der Spender ;-) Es ist so ziemlich egal wohin man schaut. Es gibt so gut wie keine Organisation die in der Lage wäre das Spendergeld zu 90% an die Krisenherde zu schicken. Gütesiegel von slebsternannten Experten? Prust! Ich habe selten so gelacht.
3.
brazzy 12.12.2012
Zitat von NiameyEs gibt so gut wie keine Organisation die in der Lage wäre das Spendergeld zu 90% an die Krisenherde zu schicken.
Und das ist auch gut so. Die ach so bösen Verwaltungskosten sorgen schließlich auch dafür, dass das restliche Geld in den "Krisenherden" auch wirklich der Bevölkerung zugute kommt und nicht beim nächsten Posteninhaber auf dem Privatkonto landet. Wer unter 5% Verwaltungskosten hat kann im Prinzip das Geld vor Ort nur noch dem ersten, der Behaputet was Gutes zu tun, in die Hand drücken.
4. Dzi
dr_payness 13.12.2012
Es wird oft der Eindruck erweckt, mit dem DZI Siegel fährt man richtig. Aber : um das DZI Siegel zu bekommen muss die Organisation erstmal ein Haufen Geld bezahlen. Kleinere Organisationen können sich diese Summen oft nicht leisten. Insofern ist dies keine Alternative zur eigenen Recherche.
5. Spenden ist schwieriger als Aktien kaufen
albert schulz 15.12.2012
Mit Wohltaten läßt sich eine Menge Geld verdienen. Das haben die Kirchen vor Urzeiten erkannt. Der Mensch fühlt sich gut, wenn er helfen kann, es beruhigt kolossal. Eine Art Ablaßhandel mit dem inneren Schweinehund und den teuflischen Trieben. Insbesondere Frauen haben es mit dem Helfen und Sorgen. Und zu Weihnachten nimmt das Gefühl überhand. Die Wohltätigkeitsorganisationen befriedigen also ein tiefes Bedürfnis. In Amerika wird ein großer Teil der Wohltätigkeit privat organisiert, ähnlich wie im europäischen Mittelalter. In die Organisationen reingucken kann man selten, oder gar ihre Absichten oder ihr Handeln halbwegs beurteilen, ähnlich wie bei Kirchen oder den wohltätigen Stiftungen, die intern überaus rigide Systeme sind. Objektiv läßt sich da gar nichts erkennen. Und die Orgaisationen, die das behaupten, sind nichts anderes als Propagandaeinheiten des Guten. Mich würde mal interessieren, welche Probleme Bill Gates hat, seine unzähligen Milliarden für anerkannt gemeinnützige Zwecke zielgerichtet auszugeben. Die das verhindern wollen, dürften allesamt ungemein hehre Ziele verlautbaren, in Wirklichkeit aber ihre eigene Macht mit seinem schönen Geld vergrößern suchen. Wie war das noch mit dem Klingelbeutel, der nach dem Gottesdienst herumgereicht wird ? "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut."
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Spenden
RSS

© UniSPIEGEL 6/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare
Titelbild
Heft 6/2012 Warum die Uni-Präsidenten so mächtig sind wie nie

Fotostrecke
1,20 Euro am Tag: Was es bedeutet, arm zu sein

Fotostrecke
Leben auf der Straße: "Was hilft schon ein Dach über dem Kopf?"