Geldsorgen an der Uni Bochum: Party-Pleite für den Asta

Von Britta Mersch

Der Asta der Universität Bochum steckt in einer Krise. Eine Riesen-Party entwickelte sich zum Mega-Verlustgeschäft. Die Verantwortlichen bemühen sich um Schadensbegrenzung - doch jetzt hat sich der Landesrechnungshof eingeschaltet.

Es sollte ein Konzert der Superlative werden - heraus kam ein Verlustgeschäft. Im vergangenen Dezember traten in der Mensa der Universität Bochum Bands wie Culcha Candela, Juli und 2raumwohnung auf. Die Organisatoren vom Bochumer Asta hofften, mit der "Großen Asta-Mensa-Party" möglichst viele Kommilitonen anzulocken. Das Angebot hielten sie für vielversprechend: Für Studenten kostete die Karte 28 Euro, Externe zahlten 35 Euro. "Wir haben damit gerechnet, dass sich die Tickets gut verkaufen", sagt Uwe Bullerjahn, Finanzreferent des Bochumer Asta, "normalerweise sieht man für den Preis gerade mal eine der Bands".

Universität Bochum: Der Asta kämpft mit einem Finanzloch

Universität Bochum: Der Asta kämpft mit einem Finanzloch

Doch der Plan ging nicht auf, das Konzert erwies sich als glatte Fehlkalkulation: Von den 4500 Tickets verkaufte der Asta gerade mal 1100. Die Veranstalter konnten die Kosten für Bands, Sicherheitsleute und Getränke nicht decken. Was bleibt, ist ein Defizit im sechsstelligen Bereich. "Das Minus liegt zwischen 210.000 und 220.000 Euro", sagt der Asta-Vorsitzende Fabian Ferber. Die nicht im Asta vertretene Linke Liste geht sogar von 230.000 Euro aus.

Mittlerweile hat sich der Landesrechnungshof eingeschaltet. Die Prüfer möchten sich zwar nicht zu dem Verfahren äußern, doch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigt der Asta, dass die finanzielle Lage zurzeit begutachtet wird. Die Situation sorgt an der Hochschule für viel Unruhe. Vertreter der Linken Liste fragen sich, ob der Asta Ende dieses Monats überhaupt noch zahlungsfähig sein wird. "Nach unseren Informationen stehen Ausgaben von einer Viertelmillion Euro Einnahmen von lediglich 20.000 Euro gegenüber", sagt Lukas Gödde, Mitglied der Linken Liste der Universität Bochum. "Für uns ist es ein Rätsel, wie der Asta aus diesem Finanzloch herauskommen will."

Asta will seine Pleite verhindern

Spekulationen, die die Party-Organisatoren nicht nachvollziehen können. Sie beurteilen die Reaktion der Linken Liste als "üblen Populismus". Die linken Vertreter im Studierendenparlament hätten von Anfang an Stimmung gegen die Party gemacht, heißt es aus dem Asta-Vorstand. Diese Situation setze sich nun fort. Daneben seien auch Fehler gemacht worden: "Wir haben zu spät mit dem Marketing und dem Online-Verkauf gestartet", räumt der Asta-Vorsitzende Fabian Ferber ein.

Eine Absage des Konzertes hätte jedoch nichts bewirkt - die Kosten für Bands und Technik hätten die Studentenvertreter trotzdem zahlen müssen. Wie prekär die finanzielle Lage des Asta ist, lässt sich zurzeit nicht ermitteln. Bis Ende der Woche prüft der Landesrechnungshof die Situation und schreibt im Anschluss daran seinen Bericht. Im schlimmsten Fall kann der sogar zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führen.

Der Asta-Vorsitzende rechnet zwar damit, dass der Bericht "nicht toll" ausfallen wird. Er ist aber zuversichtlich, dass sich die Pleite doch noch umkehren lässt: "Wir haben bei anderen Posten besser gewirtschaftet", sagt Ferber. Beim Kulturcafé etwa hätten die Studentenvertreter 20.000 Euro eingespart. Außerdem seien 35.000 Euro mehr eingenommen worden als im Jahr zuvor.

Hilfe sollen die Studentenvertreter auch von der Universitätsleitung bekommen. Die habe zugesagt, den Asta-Beitrag von zwölf Euro pro Semester, den jeder Student mit seinen Sozialleistungen zahlt, früher als in den Jahren zuvor zu überweisen. "Wir gehen davon aus, dass ein Teil der 30.000 Studenten schon jetzt überweist", sagt Fabian Ferber. Er veranschlagt Einnahmen von rund 120.000 Euro.

Negativschlagzeilen im Wahlkampf

Insgesamt beläuft sich der Haushalt des Bochumer Asta auf knapp 1,4 Millionen Euro - Geld, das eigentlich den Interessen der Studenten zugute kommen soll. Die Beratung in Rechts-, Sozial- und Finanzfragen gehört ebenso dazu wie die politische Interessenvertretung der Studenten innerhalb der Hochschule. Und eben auch die Organisation von Partys.

Die Universität hat zwar die Rechtsaufsicht, doch die Studentenvertretung ist für ihre Belange selbst verantwortlich. "Die Studierendenschaft ist eine eigene Körperschaft der Hochschule", sagt Eduard Degott, Justiziar der Universität Bochum. Der Asta habe ein eigenes Vermögen, das die Studenten autonom verwalten. Die Hochschule schreitet erst dann ein, wenn nachgewiesen wird, dass etwas nicht rechtmäßig gelaufen ist. Zum Verfahren möchte sich die Uni-Leitung erst äußern, wenn die Ergebnisse des Landesrechnungshofes vorliegen.

Pikant an der Geschichte: Just in dieser Woche wählen die Studenten in Bochum ihr neues Studierendenparlament. Und hier ist es an den Unis wie in der Politik. Wer die Chance sieht, den politischen Gegner mit Negativschlagzeilen zu schwächen, der nutzt sie auch.

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