Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Misslungenes Uni-Experiment: Studenten-Rakete schlägt in Kinderzimmer ein

Missglückter Raketenstart: Studenten zünden Querschläger Fotos
ERIG

Voll daneben: Studenten der TU Braunschweig wollten mit ihrer Experimentalrakete hoch hinaus, doch ihr Geschoss durchschlug ein Wohnhausdach und landete in einem Kinderzimmer.

Ziel verfehlt: Eine Experimentalrakete von Studenten der Technischen Universität Braunschweig ist versehentlich im Kinderzimmer eines Wohnhauses eingeschlagen. Alle Bewohner waren zum Zeitpunkt des Einschlags unterwegs, somit wurde niemand verletzt.

Die Studenten hatten ihre selbst gebaute Rakete, etwa 1,60 Meter hoch und acht Kilo schwer, am Sonntag auf einem Modellflugplatz in Hillerse im Landkreis Gifhorn gezündet. Für gewöhnlich sollen die Studenten-Raketen senkrecht nach oben fliegen und anschließend an einem Fallschirm "im Umkreis von 300 bis 800 Metern landen", sagte eine Uni-Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Die Versuche seien harmlos, es werde kein Benzin verwendet, die Flugkörper funktionierten wie Silvesterraketen. Im Namen der Studenten teilte die Uni mit: "Sie bedauern den Unfall."

Die Raketenbastler sind Mitglieder des Vereins Experimentalraumfahrt-Interessengemeinschaft (ERIG), einem Zusammenschluss von Studenten und Lehrenden der TU Braunschweig. Studienbegleitend bauen sie in ihrer Freizeit Raketen, um sich genauer mit der Technik zu befassen. Sie arbeiten außerdem an Miniatur-Satelliten. Das sei der erste Unfall, versichert die Uni auf ihrer Homepage. Zudem habe eine behördliche Genehmigung für den Versuch vorgelegen.

Der Polizei zufolge durchschlug der Flugkörper das leicht gebaute Wellplatten-Flachdach des Wohnhauses. Teile davon blieben in der Kinderzimmerwand stecken, andere wurden über das Zimmer verstreut. Auch ein Sicherungskasten wurde von der Wand gerissen, sodass der Strom ausfiel.

Die Trümmer fanden die Hausbewohner nach ihrer Rückkehr: Eine 38-Jährige und ihre sechs und zwei Jahre alten Kinder staunten, als sie die Haustür nicht aufbekamen. Sie war von dem abgerissenen Sicherungskasten versperrt. Der Hausbesitzer und Vater sagte, man habe etwas Militärisches vermutet. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas Gefährliches fliegen darf", sagt er.

Nach Angaben des Polizeisprechers wird der Fall keine strafrechtlichen Ermittlungen nach sich ziehen. Es handle sich um fahrlässige Sachbeschädigung, die jedoch nicht strafbar sei. Die Gründe für den Unfall seien unklar, teilte die Experimentalraumfahrt-Interessengemeinschaft mit. Laut Polizeiangaben habe ein Mitarbeiter der Hochschule in der Nacht zu Montag mitgeteilt, es habe beim Start der Rakete Schwierigkeiten gegeben.

Fotostrecke

6  Bilder
Würzburger Weltraum-Studenten: Wir schießen "UWE" ins All

fln/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. fahrlässige Sachbeschädigung
meischer 23.06.2014
Nicht strafbar? Gehts noch? Kann demnächst jeder seine Hobby-Raketen zünden und ist bei Problemen fein raus?
2.
THINK 23.06.2014
Zitat von sysopERIGVoll daneben: Studenten der TU Braunschweig wollten mit ihrer Experimentalrakete hoch hinaus, doch ihr Geschoss durchschlug ein Wohnhausdach und landete in einem Kinderzimmer. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/gifhorn-rakete-von-uni-braunschweig-studenten-landet-in-kinderzimmer-a-976974.html
Cool. Ist diese Interessengemeinschaft die Keimzelle eines Bachelor-Studiengangs Star-Wars? Die Bildungsindustrie in D macht doch deutliche Fortschritte.
3. Fahrlässige Sachbeschädigung?
browneyes 23.06.2014
Da hätte es Tote geben können und die tun so als wäre es eine harmlose Silvesterrakete?
4. @meischer
ArnoNyhm1984 23.06.2014
Ja, genau so ist das -und das ist auch gut so. Kinder dürfen auch Drachen steigen lassen und kommen nicht in den Knast, wenn dieser in der Hochspannungsleitung landet. Und Modellflieger dürfen ihre Flugzeuge fliegen lassen und werden nicht standrechtlich erschossen, wenn eines abstürzt und dabei Schaden anrichtet. Man nennt das "Freiheit", und das war "früher" (tm) mal ein wichtiges Rechtsgut. Davon unterscheiden muss man die sog. "Haftung", denn wer anderem einen Schaden anrichtet, muss für diesen gerade stehen.
5. optional
zimbosmurf 23.06.2014
@meischer Sie verwechseln Strafbarkeit mit Haftbarkeit! Niemand muß damit rechnen, für diese Fahrlässigkeit eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe zu bekommen. Haftbar für den Schaden sind die Studenten bzw. der Seminarleiter oder wer auch immer für den Flug verantwortlich zeichnet sehrwohl! Ab eines gewissen Gewichtes und Größe des Modells sind für Modellsportler auch verbindlich Haftpflichtversicherungen vorgschrieben. Wenn diese Bedingungen hier vorhanden sind und keine Haftpflicht besteht, dann könnte es doch noch ein Ordnungsgeld geben - zusätzlich zur persönlichen Haftung für den entstandenen Schaden!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Film aus der Ferne: Per Ballon ins All