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"Gute Reise": Uni-Manager Lenzen wechselt an die Elbe

Fünf Monate hatte die Querelen-Uni Hamburg keinen Chef, dann fiel die Wahl auf Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin. Drei Wochen verhandelte er und entschied jetzt: Ich komme. Die rot-rote Berliner Landesregierung ist froh, den streitbaren Professor los zu sein.

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DPA

Knapp drei Wochen ließ er sich Zeit damit, seine Entscheidung öffentlich zu machen; doch jetzt gab der Erziehungswissenschaftler Dieter Lenzen, 61, bekannt: Er wechselt tatsächlich von der Spitze der Freien Universität Berlin (FU) an die Uni Hamburg. Schon im November hatte ihn der Hochschulrat zum Präsidenten gewählt und der akademische Senat die Personalie bestätigt.

Dann begann das große Warten: Der Erwählte bedankte sich zwar, ließ aber offen, ob er die Wahl annehmen würde.

Das tat er jetzt - betont zurückhaltend und leise: "Ich freue mich auf die Aufgabe, im Kreis ihrer Mitglieder die Zukunft der Universität Hamburg mit gestalten zu dürfen", sagte der als autoritär geltende Lenzen. Noch im ersten Quartal des kommenden Jahres werde er den neuen Job antreten.

An der von Querelen belasteten Uni Hamburg hieß es, mit Lenzen sei eine Persönlichkeit gewonnen worden, "die auf vielfältige und überzeugende Erfolge zurückblicken kann". An der FU habe Lenzen bereits gezeigt, wie man eine Universität zukunftsfähig aufstellt und an die Spitze führt, sagte Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU). Damit ist vor allem gemeint, dass unter Lenzens Führung die FU in den Kreis der Exzellenz-Unis aufgerückt war.

Wowereit: "Dann soll er nach Hamburg gehen, wenn er meint"

Verlustschmerz oder Bedauern ist in Berlin allerdings kaum zu spüren, vor allem nicht bei der Landesregierung. Das Verhältnis zwischen Lenzen und dem rot-roten Senat ist mit den Worten "angespannt" oder "belastet" noch deutlich zu freundlich beschrieben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte bereits am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus, er habe mit dem bevorstehenden Wechsel kein Problem: "Dann soll er nach Hamburg gehen, wenn er meint, dort ist es besser." Er fügte hinzu: "Herzlichen Glückwunsch und gute Reise." Lenzen war im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl 2006 als Spitzenkandidat für die Landes-CDU im Gespräch, trat aber nicht an.

Mehrfach hatte sich Lenzen mit Wowereits Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) angelegt, bekämpfte die Einstein-Stiftung zur Forschungsförderung und warf Zöllner erst kürzlich vor, er habe ein "völlig anderes Steuerungsverständnis von Hochschulen, als es, abgesehen von Ländern wie China, weltweit der Fall ist". Dem Erfolg der FU stehe "eine fahrlässige Politik gegenüber, deren Ende nicht absehbar ist".

Aus Zöllners Ministerium heißt es zum Wechsel von Lenzen an die Elbe nur knapp: Senator Zöllner sei "nicht überrascht" und gehe davon aus, dass sich die FU nun zügig um die Nachfolge bemüht. Unwahrscheinlich, dass es Lenzen ohne Rückhalt aus der Politik gelungen wäre, auch in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative die FU zum Erfolg zu führen.

Die Berliner Studenten werden Lenzen jedenfalls kaum eine Träne nachweinen. Immer wieder warfen sie ihm einen autoritären Führungsstil vor, einseitige Elitenförderung und Wirtschaftsnähe. Ähnliche Ängste gibt es allerdings auch an der Uni Hamburg, auch wenn der künftige Präsident sich bereits vor wenigen Tagen mit einem offenen Brief an alle 38.000 Studenten wandte und ein paar ihrer Forderungen aus dem Bildungsstreik aufnahm. Darin spricht sich Lenzen unter anderem gegen Studiengebühren aus und dafür, "dass Anwesenheit nicht unpädagogisch und kleinlich kontrolliert wird".

Eine sonderbare Kandidatensuche ist zu Ende

Der Hamburger Asta-Vorsitzende Severin Pabsch sagte, er sei "froh, dass jetzt Klarheit herrscht." Der Asta sei mit der Personalie zufrieden. Nun müsse sich Lenzen an der Uni beweisen. In Sachen Mitbestimmung und Reform der Bachelor- und Masterstudiengänge "warten große Aufgaben auf ihn", so Pabsch zu SPIEGEL ONLINE.

Mit Lenzens Entscheidung geht eine bemerkenswert sonderbare Kandidatensuche für den Hamburger Präsidenten-Job zu Ende. Die Stelle an der Hochschulspitze war seit mehr als vier Monaten unbesetzt, nachdem es monatelange Meutereien gegen Uni-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz gab. Im Juli wurde sie regelrecht aus dem Amt geputscht, die schwierige Suche nach einem Nachfolger begann. Das übernahm eine Findungskommission, besetzt mit je vier Mitgliedern des Hochschulrates und des Akademischen Senats. Sie beauftragte eine Personalberatungsfirma (Zehnder) und einigte sich am Ende auf einen einzigen Kandidaten, nämlich Lenzen. Das alles geschah unter Umständen, die nicht nur zornige Hamburger Studenten an eine "Papstwahl" erinnerten.

cht

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