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Guttenberg-Affäre: Staatsanwaltschaft geht nicht von Täuschungsabsicht aus

Die Uni Bayreuth wirft Karl-Theodor zu Guttenberg vorsätzliche Täuschung bei seiner Doktorarbeit vor. Die Staatsanwaltschaft Hof konnte nach Informationen des SPIEGEL keine Absicht feststellen. "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo äußerte sich selbstkritisch über sein Buchprojekt mit dem Polit-Star.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Die Ermittler sprechen von "dolus eventualis" Zur Großansicht
dapd

Karl-Theodor zu Guttenberg: Die Ermittler sprechen von "dolus eventualis"

Bei ihren Ermittlungen gegen Karl-Theodor zu Guttenberg ging die Staatsanwaltschaft Hof nicht davon aus, dass der ehemalige Verteidigungsminister das Urheberrecht absichtlich verletzt hat. Seine Erklärung, er habe bei der Doktorarbeit die Übersicht verloren und wissenschaftliche Quellen nur noch sporadisch studiert, sei "nachvollziehbar und jedenfalls nicht zu widerlegen", heißt es nach Informationen des SPIEGEL in der Begründung, warum das Verfahren eingestellt wurde.

Die Ermittler sprechen von einem "dolus eventualis", einem Eventualvorsatz. Das würde bedeuten, dass Guttenberg billigend in Kauf genommen hat, dass sein Handeln zu einer Urheberrechtsverletzung führen könnte - diese aber nicht beabsichtigte.

Die Universität Bayreuth hatte Guttenberg den Doktortitel wieder aberkannt. Die Fachleute hatten in ihrem Abschlussbericht erklärt, es seien nicht nur wissenschaftliche Standards "evident grob verletzt" worden, sondern der Freiherr habe "hierbei vorsätzlich getäuscht".

Die "schöpferische Eigentümlichkeit" fehlte

Vorvergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren unter der Bedingung eingestellt, dass Guttenberg 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe zahlt. Zu einer Hauptverhandlung kommt es deshalb nicht. Wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Urheberrecht waren insgesamt rund 200 Strafanzeigen in Hof eingegangen. Dort kam man zu dem Schluss, dass "sehr viele Plagiatsstellen" nicht unter den Schutz des Urheberrechts fallen, weil ihnen die dafür nötige "schöpferische Eigentümlichkeit" fehle.

Guttenberg hatte sich vor einigen Tagen mit einem Buch in der deutschen Öffentlichkeit zurückgemeldet, für das er sich mit dem "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo über seinen Umgang mit eigenen Fehlern und über die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die Politik unterhielt.

Di Lorenzo: "eine gewisse Scheinheiligkeit"

Kritiker hatten dem Chefredakteur der Wochenzeitung daraufhin vorgeworfen, dem gescheiterten Minister eine mediale Plattform für sein umstrittenes Comeback zu bieten. Darauf entgegnete di Lorenzo im SPIEGEL, es liege "eine gewisse Scheinheiligkeit darin zu sagen, ich hätte diesem Mann keine Plattform bieten dürfen, den Inhalt aber so interessant zu finden, dass die ganze Republik darüber spricht und schreibt".

Di Lorenzo denkt demnach darüber nach, das Honorar aus dem Buch zu spenden. "Was der Chefredakteur der 'Zeit' am Ende mit seinem Anteil an den Einnahmen tun wird, wenn dieses Buch ein Erfolg wird, ist eine andere Frage", sagte er. Das wolle er in Ruhe mit seinen Kollegen besprechen.

Im Nachhinein sieht der Chefredakteur die Kooperation mit dem Herder Verlag kritischer. Auf die Frage, welchen Vorwurf er sich selbst mache, sagte er: "Ich würde künftig, nach dieser Erfahrung, grundsätzlich überlegen, ob die Konstruktion so einer Kooperation - Vorabdruck im eigenen Blatt und Buch durch ein und denselben Journalisten - sinnvoll ist, und sei der Inhalt noch so interessant."

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, die Staatsanwaltschaft Hof sei nicht von einem Täuschungsvorsatz ausgegangen. Richtig ist jedoch, dass die Staatsanwaltschaft nicht von einer Täuschungsabsicht ausging. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

son

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 233 Beiträge
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1. Frühstück...
Deepthought42.0815 04.12.2011
..und schon was zum lachen. Über die "Justiz" im allgemeinen und die ganz besonders korrupte Justiz in Bayern im besonderen. Nicht das die Justizapparate in den anderen Bundesländern nicht versuchen würden "aufzuholen". Das Guttenberg-Thema ist sooooo durch und mir hängt nicht nur der narzisstische Zwerg selber sop etwas von zum Hlase raus, sondern auch jegliche Berichterstattung darüber.
2. Langsam verzweifle ich an unserem
SpieFo 04.12.2011
Rechtssystem. Da kann also einer wie Guttenberg seine Doktorarbeit aus einem Haufen zusammengeklaubten Einzelstücken basteln, den parlamentarischen Dienst vielfach entgegen den Vorschriften und Statuten für private Zwecke einspannen, und dann kommt er mit der fadenscheinigen Begründung davon, er haben den Überblick verloren? Und seine Kanzlerin sprach noch was von Anstand? Mir bleibt einfach die Spucke weg, mir verschlägt's den Atem.
3. Juristische Gehirngymanstik....
dutchinnz 04.12.2011
Er hat abgeschrieben, aber er hat das nicht absichtlich gemacht obwohl er das vorsätzlich machte.
4. 2. Advent,
drouhy 04.12.2011
Zitat von sysopKarl Theodor zu Guttenberg hat nicht absichtlich getäuscht. Zu dem Schluss kommt die Staatsanwaltschaft Hof nach Informationen des SPIEGEL. Er habe aber in Kauf genommen, dass er mit seiner Doktorarbeit das Urheberrecht verletzen könnte. "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo äußerte sich selbstkritisch über sein Buch-Projekt mit dem Polit-Star. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,801533,00.html
und es hat kein Ende. Die Macher dieser Unperson müssen schon einiges zahlen, damit einem die Besinnlichkeit der Vorweihnachtszeit vermiest wird. Dass im Amigo-Land so manches geht, ist hinlänglich bekannt. Dass aber nun im hohen Norden offensichtlich dies auch möglich ist - traurig. Seinen Betrug hat der feine Herr bis heute nicht bereut, sich auch dafür bei niemanden entschuldigt. Stattdessen wirft er Schmutz auf seine Heimat - ein ehrloser Geselle ohne Vaterlandsbezug als Marionette von US-ThinkTanks. Und eine Partei rechts der CSU gibt es schon in D-Land. Jeder, der noch vergeblendet ist, durch die mediale Lichtgestalt und sich über diesen Hochstapler schlau gemacht hat, der betrachtet mit Erstaunen, wie sehr sich deutsche Medien vor den Karren der Mentoren dieses Herrn spannen lassen. Eine Lichtgestalt aus Bayern mit Wurzeln weiter südlich sollte den Deutschen reichen. Dieser feine Herr sollte sich tief in die Rockys zurückziehen oder ins Kloster gehen, um das Wörtchen Demut zulernen und uns nicht die christliche Besinnlichkeit durch seinen Narzissmus verderben.
5. Der INHALT des Buches oder des Artikels
Teufelsabbiss 04.12.2011
Zitat von sysopKarl Theodor zu Guttenberg hat nicht absichtlich getäuscht. Zu dem Schluss kommt die Staatsanwaltschaft Hof nach Informationen des SPIEGEL. Er habe aber in Kauf genommen, dass er mit seiner Doktorarbeit das Urheberrecht verletzen könnte. "Zeit"-Chefredakteur di Lorenzo äußerte sich selbstkritisch über sein Buch-Projekt mit dem Polit-Star. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,801533,00.html
ist nicht so interessant, dass die ganze Republik davon spricht, sondern die Tatsache, dass erneut Medien diesem von Anfang an völlig überschätzten Herrn eine Plattform für seine Inszenierungen bieten. Die Dummheit und Selbstüberhebung eines Provinzadeligen ist nicht interessant. Die Verquickung der Medien allerdings mit den Objekten ihrer Berichterstattung ist ganz offensichtlich so weit fortgeschritten wie die Verquickung von Politik und Wirtschaft. Da kann dann von kritischer Kontrolle politischer und wirtschaftlicher Macht nur noch selten die Rede sein. Und ganz unappetitlich wird es, wenn Personen geradezu hoch (Guttenberg) oder niedergeschrieben (z.B. Ypsilanti, oder als Partei Die Linke) werden.
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