Guttenberg-Opfer: "Er hat getäuscht, ohne zu bereuen"

Fast 200 Anzeigen gab es gegen Karl-Theodor zu Guttenberg, doch nur eine einzige stammte von einer Betroffenen: Sonja Volkmann-Schluck. Bei ihr hatte der Ex-Minister abgeschrieben. Bislang hielt sie sich öffentlich zurück - jetzt gibt sie ein Interview und kritisiert die Einstellung der Ermittlungen.

Ex-Minister Guttenberg (CSU) in Kanada: Sein Abschreibe-Opfer fühlt sich bestohlen Zur Großansicht
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Ex-Minister Guttenberg (CSU) in Kanada: Sein Abschreibe-Opfer fühlt sich bestohlen

SPIEGEL ONLINE: Karl-Theodor zu Guttenberg hatte bei Ihnen abgeschrieben, Sie stellten Strafantrag. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt, gegen eine Zahlung von 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe. Was halten Sie davon?

Volkmann-Schluck: Ich habe gemischte Gefühle. Dass Guttenberg sich mit einer Spende sozusagen freikaufen kann und ohne Verfahren aus der Affäre herauskommt, das habe ich mir nicht gewünscht. Andererseits bin ich zufrieden, weil die Staatsanwaltschaft anerkennt, dass Guttenberg abgeschrieben und das Urheberrecht verletzt hat, und zwar in 23 Fällen.

SPIEGEL ONLINE: Reicht die Zahlung als Strafe?

Volkmann-Schluck: Die relativ hohe Summe zeigt immerhin: Die Staatsanwaltschaft hält ihn für schuldig.

SPIEGEL ONLINE: Die Behörde begründet das Ende der Ermittlungen damit, dass der wirtschaftliche Schaden der Urheber, also Ihrer, nur marginal sei.

Volkmann-Schluck: Diese übermäßige Gewichtung wirtschaftlicher Aspekte halte ich für falsch. In der Wissenschaft geht es meist nicht um ökonomische Belange, sondern um den Schutz geistigen Eigentums und auch um den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Urheber. Guttenberg hat nach den Recherchen von Guttenplag etwa acht Prozent seiner Arbeit von mir übernommen. Auf 56 Seiten finden sich demnach meine Textstellen, darunter Teile meiner Gliederung und Schlussfolgerungen. Ich fühle mich auch ohne hohen wirtschaftlichen Schaden ausgebeutet und bestohlen.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie von der Entscheidung erfahren?

Volkmann-Schluck: Aus der Presse. Von der Staatsanwaltschaft selbst habe ich noch nichts gehört. Deshalb weiß ich auch nichts über die Details und wie viele der festgestellten Fälle meine Arbeit betreffen. Aber es ist anscheinend üblich, dass in solchen Fällen erst die Öffentlichkeit informiert wird.

SPIEGEL ONLINE: Guttenbergs Anwälte sagen: "Damit ist das Verfahren mit einem guten Ergebnis rechtskräftig erledigt." Einverstanden?

Volkmann-Schluck: Ich werde auf jeden Fall Akteneinsicht beantragen. Ich möchte wissen, warum die Ermittlungen sich so lange hingezogen haben und wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist. Ursprünglich sollten die Ermittlungen schon im Sommer abgeschlossen sein, die Staatsanwaltschaft hat die Öffentlichkeit und mich aber immer wieder vertröstet.

SPIEGEL ONLINE: Planen Sie weitere Schritte?

Volkmann-Schluck: Weil die Staatsanwaltschaft eine Verletzung des Urheberrechts sieht, könnte ich wahrscheinlich auch zivilrechtlich gegen Guttenberg vorgehen. Ob ich dies tun werde, habe ich aber noch nicht entschieden. Das muss mein Anwalt prüfen. Dies wird auch davon abhängen, ob von mir stammende Textpassagen und wie viele zu den 23 festgestellten Fällen gehören.

SPIEGEL ONLINE: Hat Guttenberg genug Reue gezeigt?

Volkmann-Schluck: Ich habe als Geschädigte bis zum Schluss keine wirkliche Reue erkennen können. Er hat getäuscht, ohne ehrlich zu bereuen.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollten wissen, wie es zur Übernahme Ihrer Texte kam - ist das jetzt geklärt?

Volkmann-Schluck: In der Öffentlichkeit hat sich Guttenberg dazu nicht hinreichend geäußert, auch mir gegenüber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Guttenberg tritt wieder öffentlich auf, kommende Woche erscheint ein Interviewbuch. Stört Sie der schnelle Comeback-Versuch?

Volkmann-Schluck: Ob Guttenberg damit erfolgreich sein wird, muss sich zeigen. Es wird darum gehen, ob er seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen kann.

Das Interview führte Oliver Trenkamp

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1. -
PZF85J 23.11.2011
Zitat von sysopFast 200 Anzeigen gab es gegen Karl-Theodor zu Guttenberg, doch nur eine stammt von einer Betroffenen: Sonja Volkmann-Schluck. Bei ihr hatte der Ex-Minister abgeschrieben. Bislang wollte sie anonym bleiben, jetzt gibt sie ein Interview - und kritisiert die Einstellung der Ermittlungen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,799515,00.html
Ach Leute, lasst doch bitte 'mal die Kirche im Dorf. Jeder, der schreibt, freut sich doch darüber, wenn er/sie zitiert wird. Gut, zugegeben, Guttenberg hat ohne Quellenangabe zitiert. Aber das ist jetzt um ein Vielfaches durch den Presserummel überkompensiert worden. Voll-Schluck hat ihre 15 Minuten Berühmtheit (gehabt), und jetzt sollte wieder Ruhe sein. Bitte. Danke.
2. Ohne Reue und mit Peanuts abgespeist
der_c 23.11.2011
Zitat von sysopFast 200 Anzeigen gab es gegen Karl-Theodor zu Guttenberg, doch nur eine stammt von einer Betroffenen: Sonja Volkmann-Schluck. Bei ihr hatte der Ex-Minister abgeschrieben. Bislang wollte sie anonym bleiben, jetzt gibt sie ein Interview - und kritisiert die Einstellung der Ermittlungen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,799515,00.html
Es ist klar das einem Erb-Multi-Millionär hier die 20.000 Euro weit weniger stören als Ermittlungen und ggf. ein Schuldspruch. Der "Deal" mit dem Gericht ist somit ein Freikauf von einer Schuldeingeständnis und ggf. sogar Vorbestrafung. Warum wird auch nicht eine geschädigte mit Details versorgt, wo doch jeder Urheberrechtsinhaber dem Privat hier seine Musik aus dem Internet oder mehr oder minder "gewerblich" Notenblättern in Kindergärten kopiert werden hier bescheid bekommt um Daten für sein folgendes uppigeres Zivilverfahren zu bekommen oder gar die Anwaltschaft mit eigenen "Beweisen" zu unterstützen. Hier wird mal wieder mit zweierlei maß gemessen. 20.000 für einmal Tauschböse von einem Jungen oder Erzieherinnen, die es zu gut meinten gegen 20.000 für Gutenberg, der u.a. mit seinem Doktortitel und wegen seiner Herkunft aufstieg. Das man noch soviel über diesen Herr berichtet ist unnötig, weil man sich über solche Leute nur Ärgern kann.
3. ...
autopoieses 23.11.2011
Zitat von PZF85JAch Leute, lasst doch bitte 'mal die Kirche im Dorf. Jeder, der schreibt, freut sich doch darüber, wenn er/sie zitiert wird. Gut, zugegeben, Guttenberg hat ohne Quellenangabe zitiert. Aber das ist jetzt um ein Vielfaches durch den Presserummel überkompensiert worden. Voll-Schluck hat ihre 15 Minuten Berühmtheit (gehabt), und jetzt sollte wieder Ruhe sein. Bitte. Danke.
Zitat ohne Quellenangabe: Was ist das? Vielleicht schlagen Sie nochmals den Unterschied zwischen Zitat und Plagiat nach ;)
4. Schon wieder mal?
Hubert Rudnick 23.11.2011
Zitat von sysopFast 200 Anzeigen gab es gegen Karl-Theodor zu Guttenberg, doch nur eine stammt von einer Betroffenen: Sonja Volkmann-Schluck. Bei ihr hatte der Ex-Minister abgeschrieben. Bislang wollte sie anonym bleiben, jetzt gibt sie ein Interview - und kritisiert die Einstellung der Ermittlungen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,799515,00.html
Wird jetzt der Betrüger, Hochstapler und Blender KTG schon wieder einmal von der deutschen Presse hoffähig gemacht, brauchen die Medien denn immer solche Leute, wer steckt dahinter? HR
5. ,,
common sense 23.11.2011
Zitat von PZF85JAch Leute, lasst doch bitte 'mal die Kirche im Dorf. Jeder, der schreibt, freut sich doch darüber, wenn er/sie zitiert wird. Gut, zugegeben, Guttenberg hat ohne Quellenangabe zitiert. Aber das ist jetzt um ein Vielfaches durch den Presserummel überkompensiert worden. Voll-Schluck hat ihre 15 Minuten Berühmtheit (gehabt), und jetzt sollte wieder Ruhe sein. Bitte. Danke.
Ihr hochgeschätzter Herr KT Guttenberg hat aber leider die Öffentlichkeit dreistest belogen und ist der Meinung er kann als "angesehener Staatsmann" in die Politik zurückkehren...
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Zur Person
Sonja Volkmann-Schluck, 35, arbeitet als Journalistin in Berlin. Aus ihrer politikwissenschaftlichen Diplomarbeit "Die Debatte um eine europäische Verfassung" sind viele Teile ohne Kennzeichnung in Guttenbergs Arbeit zu finden. Sie hatte sich daraufhin entschieden, Strafantrag gegen den früheren Minister zu stellen.

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