Guttenbergs Erbe: Bayern macht es Schummeldoktoren schwerer

Das Heimatbundesland von Karl-Theodor zu Guttenberg will jetzt flächendeckend die Promotionsordnungen ändern: Künftig sollen alle bayerischen Doktoranden an Eides statt erklären, dass sie nicht geschummelt haben. Wer dabei lügt, müsste mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

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Corbis

Doktortitel: Künftig nur nach eidesstattliche Erklärung

Fast ein Jahr nach dem Beginn der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg soll es jetzt auch Konsequenzen an den Universitäten im Bundesland des Freiherrn geben: Bayerns Universitäten sollen ihre Promotionsordnungen ändern. Das beschloss der Hochschulausschuss des Landtags auf Antrag der oppositionellen SPD, wie die Fraktion mitteilte.

Wenn die Universitäten dem folgen, müssen Doktoranden künftig bei Abgabe ihrer Dissertation eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie sauber und ordentlich gearbeitet haben. Eine rechtlich irrelevante ehrenwörtliche Erklärung genügt nicht mehr. Ferner werde klar definiert, was wissenschaftliches Fehlverhalten und vorsätzliche Täuschung bedeute. Dissertationen sollen künftig immer auch als Datei eingereicht werden, um sie leichter mit Online-Quellen vergleichen zu können.

Es ist eine der vielen Spätfolgen all der Plagiatsaffären im vergangenen Jahr. Seit der Aufregung um Guttenberg, Silvana Koch-Mehrin und all den anderen arbeiten Deutschlands Universitäten an neuen Satzungen und verschärften Regeln für Doktorarbeiten. So empfahl beispielsweise auch in Baden-Württemberg die Landesrektorenkonferenz die flächendeckende Einführung der eidesstattlichen Versicherung.

Der bayerische SPD-Abgeordnete Christoph Rabenstein sagte, der Skandal um Guttenbergs abgeschriebene Doktorarbeit hätte vermieden werden können, "wenn die Promotionsordnung der Bayreuther Universität nicht diese Mängel gehabt hätte". Den Promotionsordnungen habe es bislang an Transparenz und eindeutigen, einheitlichen Regelungen gefehlt.

Gestrichen werde in Bayern zudem der noch immer in einigen Promotionsordnungen stehende Verweis auf ein Nazi-Gesetz aus dem Jahr 1939, wie die SPD-Fraktion mitteilte. Mithilfe dieses Gesetzes wurden damals unliebsamen Gegnern des Regimes die Doktorwürde aberkannt.

Was denken Sie über Plagiate?

otr/dapd

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insgesamt 3 Beiträge
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1. viel zu spät
charleshenry 01.02.2012
Wenn ich daran denke das ich bei meiner Umschulung ab 1996 in HD an einer Fachschule bei abgegebenen schriftlichen Arbeiten faktisch eine Eidesstattliche Erklärung abgeben musste und das man sehr scharf drauf achtete ob ich die schriftliche Hausarbeit selbständig angefertigt und wörtliche und sinngemäße Zitate kenntlich gemacht habe. und das man nur die angegebenen bzw. zugelassenen Hilfsmittel benutzt hat. Aber an den FH´s und Unis lief ja sowieso vieles anders. Die neuen Regelungen kommen viel zu spät. Hoffentlich kommen sie aber ohne Ausnahmeregeln. Trotzdem sollte man aber auch hingehen und vorhandene Arbeiten systematisch nach zu checken. Das dürfte doch bei der heutigen Technik kaum Probleme bereiten.
2. Dumme Frage: Wie geht das?
joachim enders 02.02.2012
Dumme Frage eines Nicht-Juristen: Wie wird eine Versicherung an Eides Statt abgegeben? Nachdem, was ich in gängigen Vorschriften gefunden habe, wird z.B. bei der eidesstattlichen Versicherung im Fall einer Zwangsvollstreckung die Erklärung gegenüber einer Behörde oder einem staatlichen Beauftragten (Gerichtsvollzieher) abgegeben. Zur Glaubhaftmachung kann die Vers. an Eides Statt auch "formlos" eingesetzt werden. Heißt "formlos" hier, dass die Versicherung nicht gegenüber einer staatlichen Behörde abgegeben werden muss? Universitäten erhalten mehr und mehr Autonomie vom Staat (ok - nicht in Bayern): Dürfen sie daher eidesstattl. Versicherungen abnehmen? Oder wird diese "Initiative" dazu führen, dass in jeder Uni 2-3 Justitiare eingestellt werden, die eidesstattliche Versicherungen abheften? :-)
3. Bayern auf dem Weg in 20. Jh.
cassandros 02.02.2012
Zitat von sysopDas Heimat-Bundesland ... will ... Künftig sollen .....müsste ..... rechnen.
will, sollte, müsste... Ausgerechnet Bayern, wo man so gern auf dem hohen Rosse trabt und über die Bildung anderer Bundesländer Abfälligkeiten zur Hand hat. Man will.... ick lach mir schlapp! Ich musste schon in den 90ern ganz selbstverständlich eine eidesstattliche Versicherung zus. mit der Dissertation und dem Promotionsantrag beim Promotionsausschuss der Fakultät vorlegen. Und das war damals keine neue Erfindung! Allerdings war das nicht im "Superland", sondern an einer norddt. Univ.
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