Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Noten im Abitur geschönt: Schulleiter muss doch keine Strafe zahlen

Direktor Spachmann: "Voll rehabilitiert" Zur Großansicht
infranken.de

Direktor Spachmann: "Voll rehabilitiert"

30 Einser-Abiturienten an einer Schule, das fiel dann doch auf: Ein bayerischer Direktor, der die Noten von 86 Schülern geschönt hatte, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Er wehrte sich - und bekam nun recht. Vorerst.

Das Casimirianum in Coburg ist ein Vorzeige-Gymnasium, 400 Jahre alt. "Uns liegt nicht nur das Lernen und eine fundierte Bildung unserer Schülerinnen und Schüler am Herzen, sondern auch die Entwicklung ihrer Persönlichkeit", heißt es auf der Homepage der Schule. Das klingt, als würden an der Schule Eigenschaften wie Besonnenheit, Engagement und Ehrlichkeit gefördert werden.

Doch vor zwei Jahren fragten sich viele, wie ehrlich es am Gymnasium wirklich zugeht. Damals hatte Schulleiter Burkhardt Spachmann Abiturnoten nach oben korrigiert. Bei 86 Schülern verbesserte er eigenhändig die Note in Deutsch um einen Punkt. Damit setzte er sich über die Zweitkorrektoren hinweg und auch über das Lehrerkollegium, das er nicht über seine Tat informierte.

Spachmann wurde anonym angezeigt. Vor Gericht sagte er, er habe die Noten aller Abiturienten im Fach Deutsch im Jahr 2013 um einen Punkt angehoben, weil die Arbeiten der Schüler zu streng korrigiert worden waren, berichtete der Bayerische Rundfunk.

Im Oktober 2014 wurde Spachmann im Berufungsverfahren wegen "Falschbeurkundung im Amt" zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt. Falschbeurkundung - weil der Direktor die Abiturzeugnisse mit seiner Unterschrift bezeugt hatte. Laut Staatsanwaltschaft wollte Spachmann einen besseren Notendurchschnitt für das Gymnasium erreichen.

Die Verteidiger des Direktors gingen daraufhin in Revision. An diesem Montag hat das Oberlandesgericht Bamberg Spachmann nun recht gegeben. Es hob das Berufungsurteil des Landgerichts Coburg auf und sprach den Angeklagten aus Rechtsgründen frei.

"Er hat erheblich gegen seine Amtspflicht, gegen die gymnasiale Schulordnung verstoßen, aber das OLG sah dies nicht als eine Falschbeurkundung an", sagte der Gerichtssprecher Leander Brößler SPIEGEL ONLINE. Als die Schule die Noten bekannt machte, wurden sie wirksam und gingen ins Abiturzeugnis ein. "Zwar handele es sich bei den vom Angeklagten unterzeichneten Abiturzeugnissen um öffentliche Urkunden. [...] Der Angeklagte habe aber 'richtige, d. h. wahre Tatsachen' beurkundet", heißt in einer Mitteilung vom Gericht.

Die Verteidiger des Direktors hatten so argumentiert: Selbst wenn man dem Schulleiter alle möglichen bösen Absichten unterstelle, käme es überhaupt nicht darauf an, wie die Noten zustande gekommen seien. Das Ergebnis - völlig egal, ob richtig oder falsch - sei ordnungsgemäß beurkundet worden.

Wie es nun für Spachmann weitergeht ist unklar. Er leitet weiterhin das Casimirianum. Die Abiturnoten bleiben so bestehen. Und Spachmanns Anwalt, Eckart Staritz, sagte SPIEGEL ONLINE: "Ich sehe ihn rechtlich voll rehabilitiert."

Das Bayerische Kultusministerium wird nun allerdings das Disziplinarverfahren wieder aufnehmen, das es bereits eingeleitet hatte, als Spachmann angezeigt worden war. "Als die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit aufgenommen hat, haben wir das Verfahren zunächst ruhen lassen", sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger, SPIEGEL ONLINE. "In den nächsten Tagen leiten wir das dienstrechtliche Verfahren wieder ein."

Das Urteil und die Begründung des OLG-Urteils werden dabei eine Rolle spielen. "Wir wollen aber niemanden vorverurteilen", sagte Unger. Das Ministerium fühle sich für seine Mitarbeiter verantwortlich.

kha

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Tut weh...
günterjoachim 08.06.2015
Der Herr Direktor ist wirklich ein armseliger Trottel - und sowas wird in Bayern Beamter.
2.
andros0813 08.06.2015
besser so, als die benotung einzelner durch geschachere hinter den kulissen.. tatsächlich werden an deutschen schulen und unis noch viele abschlüsse 'erkauft'...andererseits zu oft rache-benotungen von einzelnen lehrern als legitime zensur gewertet (das zu belegen gelingt nur selten)..ich habe 7 kinder, alle haben mir von persönlichen rache-benotungen in ihrer klasse erzählt...das schulsystem muss grundlegend verändert werden, so das lernen und schule wieder spass macht (ja, das gibts wirklich!!), ein ort der gemeinsamkeit und freude wird...höchstleistung im erwachsenensinne sollte nicht an erster stelle stehen, denn kinder sind immer auf höchstleistung, wenn sie motiviert sind..
3. Der Direktor hat strafrechtlich falsch gehandelt
2wwk 08.06.2015
die Urteilsbegruendung ist fast noch lachhafter als alles andere! Erst hat er die Noten gefaelscht, aber da dies dann die "bestehenden" Noten waren, waren die Noten korrekt als er sie beurkundet hat. .. das ist ja wohl wirklich lachhaft Es wurde ja nicht die Faelschung angeklagt, aber die Beurkundung! LOL
4. Das gute bayerische Abitur...
joey2312 08.06.2015
Ich möchte hier sicher nicht behaupten, dass derart "korrigierte" Noten in Bayern die Regel wären, aber angesichts der miserablen Leistungen, die bayerische Abiturienten überall da bringen, wo kreative Leistung statt sturem Pauken gefragt sind, fragt man sich schon woher der gute Ruf des bayerischen Abiturs eigentlich herkommt.
5. Verstehe nicht, ...
spon-facebook-10000015738 08.06.2015
... was sich der werte Herr dabei gedacht hat. Wenn Zensuren nach oben korrigiert werden und Leistungen suggeriert werden, fällt es mit hoher Wahrscheinlichkeit während eines entsprechenden Studiums auf, dass da was nicht passt. Und noch etwas: im königlich-bajuwarischen Freistaat ist man doch besonders stolz auf das Zentralabitur. Demzufolge entecheidet dann die Drittkorrektur eines externen Prüfers und nicht der (Di)rektor. Was ist denn hier bloß schief gelaufen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH