Hauptstadt-Hochschulen: Berlin plant neue "Superuniversität"

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Jahrelang mussten Berlins Unis sich unter der Sparknute ducken, jetzt können sie auf einen Durchbruch mit 300 Millionen Euro extra hoffen. Das neueste Projekt: Die besten Wissenschaftler sollen künftig unter dem Dach einer Forschungsuniversität zusammenwirken.

Für die Hauptstadt-Hochschulen sah es in den letzten Jahren trübe aus. Im Senat wurden immer neue Ideen für das Bildungs-Sparen ausgeheckt, die Zahl der Studienplätze schrumpfte erheblich - um etwa ein Fünftel. Bei den Verhandlungen über den inzwischen verabschiedeten Hochschulpakt macht Berlin keine gute Figur, und auch bei der Exzellenzinitiative hagelte es zunächst Enttäuschungen für Berlins Unis, die sich so gern zu den Elite-Unis zählen würden.

FU-Bibliothek: Berlin sucht die Super-Uni
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In der zweiten Exzellenz-Runde schafften dann doch zwei Unis den Sprung ins Finale: die Freie Universität (FU) sowie die Humboldt-Universität (HU). Die Technische Universität (TU) ist die dritte Berliner Mammut-Hochschule. Lange wurde darüber gemunkelt, ob die hoch verschuldete Hauptstadt sich das Uni-Trio auf Dauer überhaupt leisten kann. Oder ob es unter dem gemeinsamen Dach einer "University of Berlin" zwangsvereinigt werden soll.

Nun aber soll gar eine vierte hinzukommen. "Berlin Research University" könnte ihr Name lauten und exzellente Bereiche der drei großen Universitäten sowie außeruniversitärer Einrichtungen zusammenführen, berichtete die Zeitung "Tagesspiegel" am Mittwoch. Dazu zählen etwa die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Institute und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Über den Zuschnitt der geplanten "Tochterinstitution" der Universitäten und der Forschungseinrichtungen wollte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) noch keine Details preisgeben, um das Projekt nicht zu gefährden. Zöllner vermied den Begriff Universität, sprach jedoch von einer "eigenständigen" und "handlungsfähigen" neuen Einrichtung, inklusive einer Leitung und eines Budgets. Neben eigenen Räumlichkeiten solle die Einrichtung auch einen Namen bekommen, "damit sie identifizierbar ist".

Hoffnung auf eine Schubumkehr

Noch sind die Angaben zur Forschungsuniversität etwas vage, die Pläne fügen sich aber ein in die am Montag von Zöllner und Berlins Regierungschef Klaus Wowereit mit viel Getöse verkündete Initiative "Wissen schafft Berlins Zukunft". Dieser "Masterplan" soll den Schalter von den Sparexperimenten zu neuen Investitionen in die Wissenschaft umlegen. Wowereit und Zöllner sprachen von 300 Millionen Euro bis 2011, davon 185 Millionen zusätzliche Landes- und über 100 Millionen Bundesmittel.

Angesichts der Kürzungen der letzten Jahre in ebenfalls satt dreistelligen Umfang nehmen sich die angekündigten Investitionen nicht mehr ganz so imposant aus, führten aber an den Hochschulen zum großen Aufatmen. So jubelte HU-Präsident Christoph Markschies: "Der 24. Dezember fällt in diesem Jahr auf den 25. Juni." Etwas nüchterner sagte FU-Präsident Dieter Lenzen, es scheine "wieder bergauf zu gehen".

Der Senator und die Uni-Präsidenten träumen von einer neuen Adresse für Spitzenforschung mit internationalem Glanz. Wie genau die neue Einrichtung aussehen und arbeiten soll, dürfte an den beteiligten Hochschulen noch für einige Debatten sorgen. Jürgen Zöllner sprach davon, die "Versäulung" in der Wissenschaftslandschaft aufzubrechen und die Forscher zu mehr Kooperation zu ermutigen. Offen ist beispielsweise die Frage, wer das letzte Wort über die Berufungen hat, ob nur die Professoren der Universitäten oder auch andere Forscher das Promotionsrecht erhalten. Zudem könnte die Zusammenführung der besten Wissenschaftler, die sich fortan ganz auf die Forschung konzentrieren dürfen, einen Aderlass für die Lehre bedeuten.

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