Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Universitäten: Diese Bundesländer sparen am meisten an ihren Hochschulen

Von

Sparopfer Uni Halle: "Hier gibt es keinen überflüssigen Kram" Zur Großansicht
imago

Sparopfer Uni Halle: "Hier gibt es keinen überflüssigen Kram"

Überfüllte Hörsäle, ausgebuchte Labore: Seit Jahren wird an Deutschlands Unis gespart. Die größten Sparer zwischen 2000 und 2011: Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist ein Sparkampf entbrannt: Um fast zwölf Millionen Euro soll die größte Hochschule Sachsen-Anhalts ihre Ausgaben bis 2019 senken. Bis zu vier Institute will die Landesregierung in Halle schließen. Doch Uni-Präsident Udo Sträter wehrt sich, so tiefe Einschnitte seien nicht drin: "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es hier überflüssigen Kram gibt", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Viel "überflüssigen Kram" leisten sich die Hochschulen in Sachsen-Anhalt wohl wirklich nicht mehr. Zwischen den Jahren 2000 und 2011 hat kein Land seine Ausgaben pro Student so stark zurückgefahren. Fast ein Viertel weniger steht in dem ostdeutschen Bundesland für den durchschnittlichen Studienplatz zur Verfügung.

Allein steht das Land mit seiner Sparpolitik nicht: In zwölf der 16 Bundesländer wurde im Jahr 2011 weniger Geld pro Student ausgegeben als elf Jahre zuvor. Das zeigt eine Studie, die das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) für die Konrad-Adenauer-Stiftung erstellt hat.

Dabei haben Bund und Länder ihre Gesamtausgaben durch Hochschulpakt, Exzellenzinitiative und verschiedene Länderprogramme seit 2000 sogar gesteigert. Allerdings reicht das Geld vielerorts nicht aus, um dem Studentenansturm der vergangenen Jahre gewachsen zu sein. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch um die 1,8 Millionen Studenten, 2011 waren es bereits 2,4 Millionen. Wo die Gesamtausgaben konstant blieben, sanken sie pro Kopf um ein Drittel.

Veränderung der Ausgaben pro Student zwischen 2000 und 2011

Mehr Details? Wählen Sie eines der Länder aus (klicken oder tippen)

Neben Sachsen-Anhalt fuhren auch Baden-Württemberg, Berlin und Thüringen ihre Ausgaben pro Student deutlich zurück, jeweils um mehr als 2000 Euro pro Jahr oder mehr als ein Fünftel. Wenige Länder steigerten ihre Pro-Kopf-Ausgaben: Niedersachsen gab 2011 fast 2000 Euro mehr pro Studienplatz aus als im Jahr 2000. Auch Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg geben mehr Geld pro einzelnem Studenten aus. Ob sich der Trend nach 2011 aber fortsetzte, ist fraglich. Musterländer aus dem Messzeitraum des Fibs wie Hessen oder Hamburg begannen genau zu dieser Zeit, an ihren Hochschulen zu sparen.

Für die teils heftigen Kürzungen waren die Länder selten allein verantwortlich, auch der Bund erhöhte seine Mittel nicht ausreichend: Das ewig klamme Bremen hielt seine Landesmittel sogar relativ konstant, erhielt aber deutlich weniger Geld aus Sonderzuweisungen vom Bund. Das Ergebnis: Pro Student standen den Hochschulen in dem Stadtstaat 2011 rund 4000 Euro weniger zur Verfügung.

Insgesamt erhielten nur fünf Länder höhere Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt als 2000. "Hier macht sich die Föderalismusreform bemerkbar, die dem Bund eigentlich jede Finanzierung der Hochschulen verbietet", sagt Studienautor Dieter Dohmen.

Indirekt haben die Länder also auch zu dieser Misere beigetragen: Auf das Kooperationsverbot, das den Bund in der Bildungsfinanzierung einschränkt, hatten die Länder einst selbst gedrungen. Inzwischen wollen sie es selbst wieder abschaffen.

Eine verlässlichere Finanzierung von Studienplätzen durch den Bund hält auch Fibs-Experte Dohmen für notwendig. Der Hochschulpakt, mit dem der Bund den Länder einen Festbetrag pro Studienplatz zuschießt, müsse weiterlaufen. Die aktuelle Vereinbarung läuft 2015 aus, über die Fortsetzung wird derzeit hart verhandelt.

"Die Länder werden die Finanzlast nicht allein schultern können", sagt Dohmen. Die Schuldenbremse, die ihnen ab 2020 jegliche Neuverschuldung verbietet, wird ihre Budgets für Hochschulen eher noch weiter einschränken. Und dass sich das Problem auf der Nachfrageseite löst, ist nicht sehr wahrscheinlich: In Prognosen wird auch künftig mit Studentenzahlen weit über zwei Millionen gerechnet.

Das spürt man auch an der Uni Halle: Zum Wintersemester, das in wenigen Wochen beginnt, haben sich mehr als 3000 Erstsemester eingeschrieben - rund 200 mehr als noch vor einem Jahr.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Für jeden Schrott
outwiper 08.10.2014
und für alle Welt haben wir Geld. Nur nicht für die Ausbildung und Forschung unserer klügsten Köpfe. Dies wird sich in 1-2 Jahrzehnten bitter rächen wenn Deutschland endgültig den Anschluss an alle innovativen Industrie- und Forschungszweige verloren hat.
2. Armutszeugnis
ghfgfh 08.10.2014
Deutschland hat keine wertvollen Bodenschätze, wovon Deutschland lebt ist eine Sache: Wissen. Das war immer so gewesen und wird auch niemals anders sein. Indem man an Hochschulen spart sägt man sich den Ast ab, auf dem man sitzt. Aber schlaue Köpfe lassen sich ja auch schlechter regieren und für dumm verkaufen, also ist die Zucht von dummen Schafen durchaus im selbstsüchtigen Sinne unserer Politiker/innen. Die eigene Karriere ist ja wichtiger als das Wohl des Volkes. Bedauerlich wie unser großartiges Land ruiniert wird.
3. Tja,....
Profdoc1 08.10.2014
....wo ist die Neuigkeit. Wer im Hochschulwesen unterwegs ist, weiß das seit Jahren. Wir laufen in eine präkere Bildungssituation. Interessiert aber aus der Politik nicht wirklich jemanden, weil man damit weder Wahlen gewinnt noch verliert. Es reicht dann, der Bevölkerung zu erklären, das man sooooviel in die Bildung steckt... By the way, ich kann meine Forschung und meine Gerätetechnik und Mitarbeitenden de facto nur noch über Industrieprojekte finanzieren. Drittmittel aus BMBF, DFG, etc. ist Beiwerk, aber nicht nachhaltig...Landesstellen fehlen, Bauten sind marode, Verwaltungen zu unflexibel im wettbewerbenden Internationalen Wissenschaftsmarkt. Die Politik ist wirklich nicht mehr in der Lage langfristig zu operieren...traurig!
4. Getrickst und geschönt
webstar2568 08.10.2014
Die Zahlen sind ohnehin geschönt. Das Pro-Kopf-Budget errechnet sich aus der vorgesehenen Anzahl an Studienplätzen. Die Studentenzahlen sind aber deutlich gestiegen, wodurch der eigentliche Pro-Kopf-Wert nochmal drastisch sinkt.
5. Tja,....
Profdoc1 08.10.2014
....wo ist die Neuigkeit. Wer im Hochschulwesen unterwegs ist, weiß das seit Jahren. Wir laufen in eine präkere Bildungssituation. Interessiert aber aus der Politik nicht wirklich jemanden, weil man damit weder Wahlen gewinnt noch verliert. Es reicht dann, der Bevölkerung zu erklären, das man sooooviel in die Bildung steckt... By the way, ich kann meine Forschung und meine Gerätetechnik und Mitarbeitenden de facto nur noch über Industrieprojekte finanzieren. Drittmittel aus BMBF, DFG, etc. ist Beiwerk, aber nicht nachhaltig...Landesstellen fehlen, Bauten sind marode, Verwaltungen zu unflexibel im wettbewerbenden Internationalen Wissenschaftsmarkt. Die Politik ist wirklich nicht mehr in der Lage langfristig zu operieren...traurig!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH