Geld für Hochschulen: Schavan vertröstet Unis

An den Unis reiht sich Rekord an Rekord, Jahr für Jahr schreiben sich mehr junge Menschen ein, deswegen fordern die Hochschulen schon lange mehr Geld. Nun zeigt sich Bildungsministerin Annette Schavan gnädig: Sie wolle prinzipiell mehr geben - nur jetzt noch nicht.

Bildungsministerin Schavan: Es soll wohl mehr Geld geben. Nur wann? Zur Großansicht
dapd

Bildungsministerin Schavan: Es soll wohl mehr Geld geben. Nur wann?

Deutschlands Hochschulen dürfen auf zusätzliche Milliarden für neue Studienplätze hoffen: Bund und Länder stellten am Freitag weiteres Geld für den sogenannten Hochschulpakt in Aussicht. "Wir stellen uns der gemeinsamen Verantwortung", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nach einem Bund-Länder-Treffen.

Eine konkrete Summe nannte Schavan allerdings nicht. Bund und Länder seien grundsätzlich bereit, die Mittel für den Hochschulpakt aufzustocken, sagte sie. Der Pakt sei langfristig ausgelegt. Nun soll geprüft werden, ob die Hochschulen mehr Geld brauchen, um mit dem wachsenden Ansturm junger Leute fertig zu werden. Dafür will sie allerdings die Anmeldezahlen für das Wintersemester 2013/14 abwarten.

Mit dem Hochschulpakt wollen Bund und Länder gemeinsam die Zahl der Studienplätze steigern. Auch wenn er schon aufgestockt wurde, ist er nach Einschätzung der Kultusministerkonferenz noch immer deutlich zu knapp kalkuliert.

Denn wegen der Aussetzung der Wehrpflicht und doppelter Abiturjahrgänge waren zuletzt deutlich mehr junge Menschen an die Hochschulen geströmt - 516.000 Erstsemester verzeichneten die Hochschulen, über 20 Prozent mehr als ursprünglich erwartet.

Der Pakt war immer wieder stark kritisiert worden, so forderte die SPD im vergangenen Jahr einen neuen Hochschulpakt. Und Kai Gehring, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte nun, dass das Geld, was Bund und Länder im Hochschulpakt bis 2015 für den Studienplatzausbau bereitstellen, womöglich bereits im kommenden Jahr erschöpft sei.

Hochschulen zeigen sich erfreut, die Grünen verärgert

Auch wenn Schavans Versprechen schwammig blieb, reagierten die Hochschulen erleichtert. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, lobte, dass beide Seiten den Handlungsbedarf erkannt hätten.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sagte, den Ländern sei dieses Signal an die Hochschulen sehr wichtig. Wenn es mehr Studienanfänger gebe als geplant, müssten die Beteiligten über eine Weiterentwicklung des Hochschulpakts beraten. "Über Einzelheiten wird zu sprechen sein."

Gehring von den Grünen zeigte sich hingegen von Schavans Plänen weniger erfreut: "Es bleibt ein Armutszeugnis, dass Bildungsministerin Schavan auf der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz keinen Fahrplan und kein Konzept für die notwendige Weiterentwicklung des Hochschulpaktes vorgelegt hat", teilte er mit. Er forderte eine Verdoppelung des Hochschulpaktes.

An anderer Stelle wurde Schavan am Freitag etwas konkreter: Bund und Länder wollen mit einem Programm die Lehrerausbildung in Deutschland verbessern, sagte sie. Es solle über zehn Jahre laufen und eine Größenordnung von etwa 500 Millionen Euro haben. Wie viel Geld vom Bund und wie viel von den Ländern kommt, sagte sie nicht.

In Deutschland gebe es 120 Hochschulen mit Lehramtsstudiengängen. Diese könnten sich für Projekte bewerben, um die Qualität der Lehrerausbildung zu steigern. Bis November sollen konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung vorliegen, sagte Schavan. Schon im kommenden Jahr könnte das Programm starten.

fln/dapd/dpa

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1.
styxx66 20.04.2012
Zitat von sysopAn den Unis reiht sich Rekord an Rekord, Jahr für Jahr schreiben sich mehr junge Menschen ein, deswegen fordern die Hochschulen schon lange mehr Geld. Nun zeigt sich Bildungsministerin Annette Schavan gnädig: Sie wolle prinzipiell mehr geben - nur jetzt noch nicht. Geld für Hochschulen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,828812,00.html)
Geld für Bildung, Geld für unsere Jugend, das geht ja nun garnicht. Nein, diese Steuermilliarden braucht Schäuble um sie im Pelepones, bei der Banksterrettung und in Brüssel zu verbrennen. Es wird höchste Zeit, dass die Studenten auf die Barrikaden gehen und sich dieses Recht auf Bildung auf der Straße erstreiten. Die 68iger haben's schon vor langer Zeit vorgemacht. Bis Schavan in die Puschen kommt und Gelder für die Unis lockermacht, das dauert und dauert. Diese Frau ist so unnötig wie ein Kropf, und ich bezweifle, ob Sie überhaupt weiss, was in Ihrem Resort so vor sich geht.
2.
urban4fun 20.04.2012
Zitat von sysopAn den Unis reiht sich Rekord an Rekord, Jahr für Jahr schreiben sich mehr junge Menschen ein, deswegen fordern die Hochschulen schon lange mehr Geld. Nun zeigt sich Bildungsministerin Annette Schavan gnädig: Sie wolle prinzipiell mehr geben - nur jetzt noch nicht. Geld für Hochschulen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,828812,00.html)
Prinzipiell will ich auch meine Steuern zahlen, nur jetzt noch nicht.
3. Prüfen?
msondern 21.04.2012
Es muss noch geprüft werden, ob die HS mehr Geld brauchen? Da kommen mir ja die Tränen, allerdings nicht vor lauter Lachen. Die Damen und Herren sollen sich doch einfach mal selbst ein Bild vor Ort machen, da muss man nicht noch 1 Jahr warten und die Hinhaltetaktik durchziehen. Montag gehts wieder in den Bunker, schön mit dem Collegeblock auf den Knien in den Treppenaufgängen hocken und der Vorlesung lauschen. Wenn ich immer dieses Geschwafel von Schavan und Co. lese wird mir regelmäßig ganz anders.
4.
ashkar532 21.04.2012
Frau Schavan ist überfällig. Das Geld wurde schon "gestern" benötigt. Das Dach brennt bereits... seit Jahren. Dass jetzt von Seiten des Bundes so zögerlich und abwartend agiert wird, ist für die Hochschulen katastrophal, aber nicht überraschend - denn Bildung ist Ländersache. Darauf haben die Länder größten Wert gelegt. Bevor hier also Landespolitiker mit dem Bund schimpfen, muss klar ausgesprochen werden: In erster Linie - und auf ganzer Linie - haben die Länder und Landespolitiker versagt und ihren Hochschulen sehr deutlich gemacht, was sie Ihnen wert sind... sehr wenig. Nur zu Profilierungszwecken müssen die Hochschulen noch herhalten...
5. Die liebe Schavan mal wieder...
gerdjuergen 21.04.2012
Man könnte einfach mal die kaufkraftbereinigten Aufwendungen Deutschlands pro Student als Diagramm darstellen und mit anderen Industrieländern vergleichen. - Aber so dumm ist nicht mal Schavan, denn das Ergebnis wäre erbärmlich. Es wird viel geredet: Fachkräftemangel, Elite-Unis, Bildung als einzige Resource, ... Aber was wird getan? Man ist vom Doppeljahrgang überrascht, vermurkst den "Bologna-Prozess", jene unnötige Abschaffung der Diplome, mistet die Inhalte nicht aus, spart sich Aufwendungen durch Schmalspur"studiengänge"(?) (Bachelorabsolventen haben kurz und daher billig die Uni besucht), ... Aber im Prinzip will man - eigentlich - die Hochschulen fördern. Nur leider nicht jetzt. Schade eigentlich. Dabei stimmt das mit dem Fachkräftemangel. Schavan ist ein Beispiel, aber leider nicht das Einzige im Politbetrieb...
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