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Hochschulrekord: Deutschland hat mehr als 2,2 Millionen Studenten

Rekordjahr folgt auf Rekordjahr: Im vergangenen Wintersemester studierten 2,2 Millionen junge Erwachsene an deutschen Hochschulen - mehr als jemals zuvor. Im Herbst könnte es noch einmal enger werden. Wegen der drohenden Erstsemesterflut sorgen sich Studentenvertreter um die Studien-Qualität.

Studentenflut: Im vergangenen Wintersemester waren die Unis so voll wie nie zuvor Zur Großansicht
dpa

Studentenflut: Im vergangenen Wintersemester waren die Unis so voll wie nie zuvor

An den Hochschulen folgt zurzeit ein Rekord dem nächsten: Im Wintersemester 2010/11 waren rund 2.218.000 Studenten eingeschrieben, darunter rund 385.000 Erstsemester, meldete das Statistische Bundesamt am Montag. Damit studieren in Deutschland so viele junge Menschen wie nie zuvor. Im Vergleich zum vorangegangenen Wintersemester stieg die Zahl um 96.400 Studenten, ein Zuwachs von 4,5 Prozent.

Auch für das kommende Wintersemester ist erneut mit einem Rekord zu rechnen, unter anderem weil Bayern und Niedersachsen in diesem Jahr zwei Abitur-Jahrgänge auf einmal entlassen haben, einen nach zwölf und einen nach 13 Schuljahren. Zudem wurde die Wehrpflicht ausgesetzt, allein dadurch dürften bis zu 60.000 junge Erwachsene mit Hochschulreife zusätzlich an die Unis strömen.

Im vergangenen Jahr kamen die Doppel-Jahrgänge der Gymnasiasten bereits in Hamburg aus der Schule. Das habe aber keinen Einfluss auf den Anstieg der Studentenzahlen gehabt, errechneten die Statistiker. Für 2011 gehen die drastischsten Prognosen derzeit indes von bis zu einer halben Million Erstsemestern aus - das wäre eine gewaltige Studentenflut.

Ob so viele wirklich kommen, werden zuerst die Studenten selbst bemerken - sicher wird man es aber erst weit später sagen können. Wie schon bei den jetzt veröffentlichten Studentenzahlen brauchen die Statistikämter von Bund und Ländern Monate, bis sie von den Hochschulen die genauen Studentenzahlen zusammengetragen haben - nicht zuletzt, weil die Hochschulen oft selbst erst weit nach Semesterstart genaue Zahlen haben. Weil ein bundesweites Anmeldesystems für die Hochschulen noch immer fehlt, bewerben sich Abiturienten seit Jahren bei mehreren Hochschulen zugleich.

Fernuni Hagen hat die meisten Studenten

Die Hochschulen ihrerseits überbuchen ihre begehrten Studiengänge massiv. Trotzdem bleiben dann auch nach Semesterstart deutschlandweit Tausende Studienplätze unbesetzt. Möglich wäre allerdings in diesem Jahr auch, dass viel Studieninteressierte wegen der erwarteten Enge in den Hörsälen erst einmal gar nicht an Unis und FHs gehen. Mit Freiwilligendiensten, einem Jahr Jobben in der Fremde oder gleich mit einem Auslandsstudium könnten sie versuchen, den Hörsaalstau zu umfahren.

Mit knapp 48 Prozent waren im Wintersemester 2010/2011 etwas weniger Frauen als Männer an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Zwei von drei Studenten, insgesamt rund 1,47 Millionen, lernten an der Universität. 684.000 besuchten eine Fachhochschule, rund 33.000 eine Kunst- und rund 29.800 eine Verwaltungsfachhochschule.

Größte deutsche Universität war mit 62.900 die Fernuni Hagen, gefolgt von der Ludwig-Maximilians-Universität München mit 43.800 und der Uni Köln mit 42.100 Studenten. Wie in den Vorjahren war Betriebswirtschaftslehre auch im Wintersemester 2010/11 das beliebteste Studienfach mit insgesamt rund 185.000 Studenten. Maschinenbau/-wesen folgte mit 98.300 Studenten auf Rang zwei.

Ende vergangenen Jahres einigten sich Bund und Länder darauf, für mehrere Zehntausend zusätzliche Studienplätze aufzukommen. Die Mehrkosten werden bislang nur grob geschätzt und mit bis zu 1,5 Milliarden Euro berechnet, prognostiziert die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz der Länder.

Ob das reicht, ist fraglich. Der Dachverband der Studentenvertretungen in Deutschland fzs zumindest sorgt sich angesichts steigender Studentenzahlen um die Finanzierung der Hochschulen. "Kürzungen in diesem Bereich sind ein falscher Weg und widersprechen den heute veröffentlichten Zahlen", sagte Vorstandsmitglied Salome Adam.

fln/cht

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1. Toll!
alaxa 12.09.2011
Zitat von sysopRekordjahr folgt auf Rekordjahr: Im vergangenen Wintersemester studierten 2,2 Millionen junge Erwachsene an deutschen Hochschulen - mehr als jemals zuvor. Im Herbst könnte es noch einmal enger werden. Wegen der drohenden Erstsemesterflut sorgen sich Studentenvertreter um die Studien-Qualität. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,785795,00.html
Toll! Über 2 Millionen Studenten! Scheinen alles potentiell kompetente und gesellschaftsfördernde Typen zu sein. Was ist aber die Wirklichkeit? Per Ordre de Mufti soll es in Deutschland immer mehr Abiturienten geben. Also gibt es mehr. Die Gymnasien können sich kaum noch retten vor dem Ansturm der Realschüler, denen ihre Eltern das Gymnasium empfohlen haben. Was könnten denn die Nachbarn sagen... Und wo bleiben all die Studenten nach absolviertem Studium? Die Besten gehen ins Ausland! Die attraktiven Jobs werden mit billigen Importen besetzt, deren Qualifikation möglicherweise nicht mit der unserer Studenten zu vergleichen ist. Schafft sich da jemand ab?
2. Titel:
Wolf_68, 12.09.2011
Zitat von sysopRekordjahr folgt auf Rekordjahr: Im vergangenen Wintersemester studierten 2,2 Millionen junge Erwachsene an deutschen Hochschulen - mehr als jemals zuvor. Im Herbst könnte es noch einmal enger werden. Wegen der drohenden Erstsemesterflut sorgen sich Studentenvertreter um die Studien-Qualität. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,785795,00.html
Was hat man denn erwartet, wenn die Firmen nicht mehr ausbilden? Wo sollen die jungen Leute denn sonst eine Ausbildung herbekommen?
3. Zu viele.
Meskiagkasher 12.09.2011
Zitat von sysopRekordjahr folgt auf Rekordjahr: Im vergangenen Wintersemester studierten 2,2 Millionen junge Erwachsene an deutschen Hochschulen - mehr als jemals zuvor. Im Herbst könnte es noch einmal enger werden. Wegen der drohenden Erstsemesterflut sorgen sich Studentenvertreter um die Studien-Qualität. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,785795,00.html
Die Studien-Qualität ist bereits seit 20 Jahren besorgniserregend. Und die große Anzahl der Studierenden zeigt deutlich, dass die Bedingungen für die Aufnahme an einer Hochschule nicht die nötige Herausforderung an die Bewerber darstellen. In klareren Worten, jeder Depp bekommt heute Abitur.
4. Sorry, aber die Masse
marypastor 12.09.2011
Zitat von sysopRekordjahr folgt auf Rekordjahr: Im vergangenen Wintersemester studierten 2,2 Millionen junge Erwachsene an deutschen Hochschulen - mehr als jemals zuvor. Im Herbst könnte es noch einmal enger werden. Wegen der drohenden Erstsemesterflut sorgen sich Studentenvertreter um die Studien-Qualität. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,785795,00.html
tut's nicht. Viele dieser Erstsemester haben nicht die Reife fuer eine Hochschule, weil das heutige Abitur zu leicht gemacht wird. Das heutige Abitur - von Ausnahmen abgesehen - liegt eher im Bereich einer besseren mittleren Reife aus den 50-zigern. Das heisst, da wird viel Fuellstoff fuer die Universisaeten produziert, wodurch die Studien-Qualitaet leidet. Ein besseres Ausleseverfahren muss her.
5. Titel:
Wolf_68, 12.09.2011
Zitat von marypastortut's nicht. Viele dieser Erstsemester haben nicht die Reife fuer eine Hochschule, weil das heutige Abitur zu leicht gemacht wird. Das heutige Abitur - von Ausnahmen abgesehen - liegt eher im Bereich einer besseren mittleren Reife aus den 50-zigern. Das heisst, da wird viel Fuellstoff fuer die Universisaeten produziert, wodurch die Studien-Qualitaet leidet. Ein besseres Ausleseverfahren muss her.
Ihr Wort in Gottes Gehörgang. Das Resultat sind inflationär vorhandene Abgänger in allen möglichen soziologischen, sozialtherapeutischen und BWL Fächern, die auf den Arbeitsmarkt drängen und mit Sicherheit nie einen Cent Mehrwert erwirtschaften werden.
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