Holperstart beim Einschreibe-Portal: Zentralstellchen zur Studienplatzvergabe

Es sollte das Chaos bei der Studienplatzvergabe beenden, doch beim Start des neuen Systems ist nur ein gutes Dutzend Hochschulen dabei: Die Mini-Version von hochschulstart.de ist zwar jetzt online - allerdings weit entfernt davon, die alte ZVS ersetzen zu können.

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Hörsaal in Bochum: Auch in begehrten Fächern bleiben immer wieder Studienplätze frei

Jetzt also doch: Nach Pannen und Verzögerungen ist das bundesweite Einschreibeportal für zulassungsbeschränkte Studiengänge online gegangen, und das bereits Mitte Mai. Allerdings war davon kaum etwas zu merken - und von den etwa 400 deutschen Hochschulen macht gerade einmal ein gutes Dutzend mit.

Eigentlich sollte das Portal das leisten, was bis vor sieben Jahren die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) erledigte: Die Studenten auf die Unis verteilen, an denen Studienplätze frei sind - einigermaßen fair, nachvollziehbar, unkompliziert, das war die Idee.

Denn Semester für Semester bricht ein regelrechtes Bewerbungschaos aus. Seit die ZVS in weiten Teilen in die Stiftung hochschulstart.de überging und entmachtet wurde, vergeben die meisten Hochschulen ihre Studienplätze selbst - nach eigenen Kriterien und mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Um die eigenen Chancen auf einen Platz im Wunschstudium zu steigern, bewerben sich viele Abiturienten an mehreren Unis - und bekommen oft auch mehrere Zusagen. Weil sie aber nur einen Platz antreten können, bleiben Tausende Studienplätze auch in Numerus-Clausus-Fächern unbesetzt.

15 Millionen Euro - 16 Hochschulen können mitmachen

Was jetzt an den Start ging, ist allerdings weit entfernt von einem funktionierenden ZVS-Nachfolger. Zwar gab der Bund 15 Millionen für das Portal aus, doch mehr als ein Pilotbetrieb des sogenannten dialogorientierten Serviceverfahrens mit einigen wenigen Hochschulen und Studiengängen ist bislang offenbar nicht möglich. Ansonsten finden sich auf der Website Informationen zu Zulassungen und der Hinweis: "Für viele Studiengänge erfolgt die Bewerbung, wie gewohnt, über die Hochschule." Der Geschäftsführer der Stiftung, Ulf Bade, teilt mit, er sei aber zuversichtlich, dass in kommenden Semestern die Zahl von teilnehmenden Hochschulen "stetig wachsen" werde. Momentan jedoch sieht es trist aus: "Die in hochschulstart.de dargestellten Angebote bilden die Realität vollständig ab", so Bade.

Laut einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Haushaltspolitikers Klaus Hagemann geht die Stiftung hochschulstart.de davon aus, dass lediglich 16 Hochschulen an dem Pilotbetrieb teilnehmen werden. Wie viele Unis technisch in der Lage sind, ihre Systeme an die Plattform anzubinden, lässt sich demnach nicht beziffern.

Das allerdings ist einer der kritischen Punkte. Denn eigentlich sollten schon vor dem vergangenen Wintersemester die Systeme der Hochschulen angebunden sein. Doch dem zuständigen zentralen Anbieter für Hochschul-Software, das gemeinnützige Unternehmen Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), gelang dies nicht. Das Problem bei der Anbindung laut HIS: Eine einzige Hochschul-Software gibt es lange nicht mehr, die Programme wurden in den vergangenen Jahren verändert und auf Sonderwünsche der Hochschulen angepasst. Deswegen dauere die Anbindung der neuen Software länger als geplant.

Die Firma gehört Bund und Ländern. Die wiederum waren so erbost über die Verzögerung, dass sie erwogen, die Software-Sparte zu verkaufen. Der holprige Start des bundesweiten Einschreibe-Portals ist damit nur ein Fehlschlag von vielen bei der Planung und Umsetzung des neuen Systems.

otr

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