Hochschulwatch.de: Portal will gekaufte Wissenschaft entlarven

Weil Unis von Bund und Ländern zu wenig Geld bekommen, suchen sie sich die Mittel anderswo - bei Unternehmen beispielsweise. Immer wieder gibt es deswegen zweifelhafte Sponsoring-Fälle zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Ein neues Portal will sie aufdecken helfen.

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Hochschulwatch: Die Seite will den Einfluss der Wirtschaft auf Unis aufdecken

Das Geld an Hochschulen ist knapp, deswegen kooperieren Unis zunehmend mit Unternehmen. Außerdem spornen Wettbewerbe und staatliche Vorgaben gerade Universitäten zusätzlich an, sich um sogenannten Drittmittel aus der Wirtschaft zu bemühen. Korruptionswächter sind deswegen alarmiert: "Uns fallen von Jahr zu Jahr mehr Beispiele von undurchsichtigen Kooperationen auf, die potentielle Interessenkonflikte mit sich bringen", sagte Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International Deutschland.

Aus diesem Grund gibt es nun das Portal Hochschulwatch, eine neue Seite der Antikorruptionsorganisation in Zusammenarbeit mit dem Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) und der Tageszeitung "taz". Ähnlich wie bei Wikipedia können die Nutzer auf der Seite eigene Texte schreiben und Dokumente hochladen. Vor allem Professoren, Dozenten und Studenten sollen Hinweise geben und so fragwürdige Einflussnahmen von Unternehmen an Hochschulen aufdecken. Vor der Veröffentlichung will die "taz" die Einträge prüfen.

"Wir haben die Sorge, dass Wirtschaftsinteressen immer mehr Einfluss nehmen auf das, was an den Hochschulen im Bereich von Lehre und Forschung stattfindet", sagte die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Edda Müller. Über 400 Hochschulen sind auf der Webseite aufgelistet, das Projekt ist auf ein Jahr begrenzt.

1000 Stiftungsprofessuren werden privat gefördert

Der Anteil der Drittmittel an den Hochschulhaushalten wächst und wächst: Sie verdoppelten sich auf fast sechs Milliarden Euro in den Jahren 2000 bis 2010, zum Teil kommt das Geld von öffentlichen Trägern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Doch mit Zuschüssen von fast 1,3 Milliarden Euro trug im aktuellsten Erhebungsjahr 2010 auch die Privatwirtschaft erheblich dazu bei, dass Lehrstühle eingerichtet und Mitarbeiter eingestellt werden können.

Das Firmen Hochschulen unterstützen, ist auch äußerlich nicht mehr zu übersehen: An der Fachhochschule Würzburg heißt der Hörsaal Aldi Süd, die Universität Mannheim benannte die neue Bibliothek nach dem Geldgeber Hasso Plattner, an der Uni Potsdam sponsert der SAP-Gründer sogar ein ganzes Informatik-Institut. Bundesweit werden derzeit rund 1000 Stiftungsprofessuren privat gefördert, Unternehmen tragen fast die Hälfte davon.

Im vergangenen Jahr hatte eine Kooperation zwischen der TU Berlin, der HU Berlin und der Deutschen Bank für Aufsehen gesorgt. Die Universitäten hatten der Bank nicht nur ein Vetorecht bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zugebilligt, sondern auch die Möglichkeit eingeräumt, redaktionelle Inhalte über das Finanzinstitut in Hochschulmedien zu platzieren. Die TU Berlin wies damals jeden Käuflichkeitvorwurf zurück: Einzelne Elemente des Vertrags mit der Bank würde man heute allerdings anders verhandeln, so der Uni-Präsident.

Das höchste Gut der Wissenschaft sei ihre Unabhängigkeit und Transparenz, findet Erik Marquardt vom FZS. "Hochschulwatch soll einen Beitrag dazu leisten, dass dieses Gut erhalten bleibt."

fln/AFP

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Was bedeutet prüfen?
caecilia_metella 24.01.2013
... Vor der Veröffentlichung will die "taz" die Einträge prüfen. ... Dass Wissenschaft unabhängig sein muss, das sehe ich auch so. Sie sollte allerdings auch nicht medialer Beeinflussung untergeordnet werden.
2. wieso wohl
teilnehmer heini 24.01.2013
...prüfen... damit so ein armes Studentenwürmchen nicht geschlachtet werden kann - Verleumdung - Geheimnisverrat - Patentverlust ersteres bringt Blümchenpflanzen, letzteres bringt das Studentenwürmchen wirtschaftlich um, das kann die nächsten 10 Jahre sich mit Prozessen herumärgern und bekommt keine Arbeit, da man ja Einfluß auf die Stellenbesetzungen nimmt.
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