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Hörsaal-Sponsoring: Vorlesung im easyCredit-Hörsaal

Klamme Hochschulen setzen zunehmend auf Sponsoring durch Firmen und taufen ihre Hörsäle auf Namen von Discountern oder mittelständischen Unternehmen. An der Uni Erlangen-Nürnberg darf jetzt eine Bank für Ratenkredite werben.

Was haben das Nürnberger Frankenstadion und der Hörsaal 5 der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Erlangen-Nürnberg gemeinsam? Beide sind ihre traditionellen Namen los - sie tragen jetzt den des Ratenkredites easyCredit. Dass Fußballstadien von Firmen wie AOL, SignalIduna oder Allianz gesponsort werden, damit haben sich Fußballfans mittlerweile abgefunden. Gut finden sie das aber noch lange nicht.

Umgetauft: Sponsoren erobern die Hörsäle
DPA

Umgetauft: Sponsoren erobern die Hörsäle

Viele Studenten in Erlangen und Nürnberg müssen sich daran gewöhnen, dass sie zur Statistik-Vorlesung in den easyCredit-Hörsaal gehen, offiziell jedenfalls - wie sie den Hörsaal selbst nennen, kann ihnen ja niemand vorschreiben. Für eine Finanzspritze von 130.000 Euro hat die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität den Hörsaal 5 umgetauft. Sponsor ist die Nürnberger TeamBank, die den Kredit anbietet.

Die Praxis des Hörsaal-Sponsorings ist an deutschen Hochschulen mittlerweile keine Ausnahme mehr. An der Uni Erlangen-Nürnberg ist es bereits der vierte Hörsaal, der nach einem Sponsor benannt ist. So gibt es neben den Räumen LG 0.144 oder LG 3.155 auch den GfK-Hörsaal, gesponsert von der Gesellschaft für Konsumforschung.

An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt wurde im letzten Oktober der Aldi-Süd-Hörsaal eingeweiht. Am Eingang sind jetzt drei Aldi-Schilder angebracht. Ein großes in dunkelblau, weiß und silber, daneben zwei kleinere in den Original-Aldi-Farben, beleuchtet mit Spots. Die Hochschule hat keine Sorge, dass die Studenten von den Firmeninteressen des Discounters beeinflusst werden könnten: "Wir haben vertraglich geregelt, dass im Hörsaal selbst keine Schilder von Aldi angebracht werden", sagt FH-Sprecherin Katja Klein, "damit garantieren wir, dass die Studenten nicht in ihrer Konzentration gestört werden."

Der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) sieht das Hochschul-Sponsoring von Unternehmen als falschen Weg. Konstantin Bender vom fzs-Vorstand bezeichnet die Entwicklung "als Zeichen verfehlter Politik" und sieht die Aufgabe der Hochschulfinanzierung beim Staat. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dagegen begrüßt die Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen, da sie Möglichkeiten zur Kooperation bei Praxissemestern oder Diplomarbeiten liefern. Allerdings müsse die Lehre frei von der Beeinflussung durch Firmen bleiben.

Für die Hochschulen sind Sponsorengelder für Hörsäle eine willkommene Einnahmequelle, die sich in den nächsten Semestern wohl weiter durchsetzen wird. Einer der Vorreiter ist die Universität Mannheim - sie hat mit Hilfe von Sponsoren bereits rund zwölf Millionen Euro für die Renovierung von Hörsälen eingenommen. Im 300 Jahre alten Barockschloss tragen die Unterrichtsräume jetzt Namen von Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen. Der nach einer Stiftung benannte "Wilhelm-Müller-Hörsaal" klingt zumindest dezenter als "Aldi-Süd-Hörsaal" oder "easyCredit-Hörsaal".

mer/dpa

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