Imam-Ausbildung: Münster will islamisches Lehrzentrum werden

Die Universität Münster hat Erfahrung mit heiklen Islam-Debatten. Dort verhinderten muslimische Verbände einen umstrittenen Religionsgelehrten. Jetzt will die Uni Zentrum für die Imamausbildung werden - und hofft auf das Plazet der organisierten Muslime.

Moschee: Muslimische Männer beim Gebet Zur Großansicht
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Moschee: Muslimische Männer beim Gebet

Am Freitag hatte der Wissenschaftsrat mehr Ausbildung von Imamen an staatlichen Universitäten gefordert - und dafür viel Beifall bekommen. In Münster gibt es bereits einen der wenigen Ansätze für die vieldiskutierte Islam-Lehrerausbildung auch in Deutschland. Doch das Münsteraner Modell hat auch gezeigt, wie schwierig die Umsetzung sein kann.

An der Universität Münster lehrt Professor Muhammad Sven Kalisch, der derzeit nicht mit Journalisten sprechen will. "Es gab in den vergangenen Jahren zu viel Wirbel um seine Person", heißt es an seinem Lehrstuhl "Religion des Islam" an der Universität Münster.

Kalisch, ein deutscher Konvertit, bezweifelt in seinen Thesen das, was den Muslimen am heiligsten ist: die historische Existenz des Propheten Mohammed und den Koran als Wort Gottes. Muslimische Verbände rieten deshalb vom Studium bei Kalisch ab. Daran wird deutlich, dass ein solcher Studiengang zumindest unter dem Versuch massiver Beeinflussung von außen stehen dürfte - wie es auch an den Fakultäten für christliche Theologie bisweilen geschieht.

Münster war Vorreiter der islamischen Religionslehrerausbildung

Die Uni Münster will - auch wegen der bisherigen, teils kontroversen Erfahrungen - eines der vom Wissenschaftsrat vorgeschlagenen Zentren für die Ausbildung von Imamen und Religionslehrern werden. Der Bedarf ist groß, sollte islamischer Religionsunterricht an den Schulen zur Regel werden, wie es viele Migrantenorganisationen fordern.

Schätzungen gehen von bis zu 5000 Lehrern aus, die für die etwa 700.000 muslimischen Schüler in Deutschland benötigt würden. Wichtig wird dabei sein, ob es gelingt, einen Konsens mit den muslimischen Verbänden bei der Ausgestaltung der Lehre zu erzielen.

In Münster schien am Anfang alles vielversprechend, Islam-Professor Kalisch trat als Mann aus der Mitte der deutschen Muslime an: "Es soll etwas für die Muslime und nicht über sie hinweg gemacht werden", hatte Kalisch gesagt, als er 2004 nach Münster berufen wurde.

Doch seit vergangenen Sommer befindet sich der Islam-Professor im Konflikt mit dem Koordinierungsrat der Muslime (KRM), dem Dachverband der vier größten muslimischen Verbände in Deutschland. Kalisch hatte Zweifel an der historischen Existenz des Propheten Mohammeds geäußert. Daraufhin hatte der Koordinierungsrat die Zusammenarbeit mit Kalisch aufgekündigt und muslimische Studenten aufgefordert, keine Veranstaltungen des Professors mehr zu besuchen. Auch der Zentralrat der Muslime entzog Kalisch seine Unterstützung.

Unis fehlt zentraler Ansprechpartner für ein Konkordatsmodell

Die Universität untersagte Kalisch, sich fortan in der Lehrerausbildung des Fachs Islamkunde zu engagieren. Als Reaktion darauf stellten sich über 80 prominente Muslime und Wissenschaftler hinter Kalisch. Es sei das Recht des Islam-Professors als Wissenschaftler "provokante Thesen zur Diskussion zu stellen", schrieben sie in einer Solidaritätserklärung.

Wie damals in Münster, sieht auch die aktuelle Empfehlung des Wissenschaftsrats einen Beirat mit Vertretern der großen islamischen Verbände vor, der über die Inhalte der neuen Studiengänge mitentscheiden soll. 29 Frauen und Männer - die Mehrzahl von ihnen Muslime - haben in Münster innerhalb des allgemeinen Lehramtstudiums den Zusatzstudiengang Islamunterricht belegt. Die ersten von ihnen werden in diesem Sommer ihren Abschluss machen. Danach sollen sie an staatlichen Schulen bekenntnisorientierten Islamunterricht geben.

Aber auch bei den christlichen Studiengängen gibt es ein nicht ungetrübtes Spannungsverhältnis zwischen akademischer Freiheit an der Universität und den Lehrvorgaben der Kirchen, insbesondere dann, wenn Religionslehrer ausgebildet werden. Dabei erteilt die Kirche dem Theologieprofessor die Lehrerlaubnis - und kann sie auch wieder entziehen, was in der Vergangenheit nicht selten geschah. Während das Verhältnis von Staat und den beiden großen christlichen Kirchen in den Bundesländern in der Regel durch Konkordate geregelt ist, fehlt auf der muslimischen Seite ein allseits anerkannter Verhandlungspartner.

Die Rektorin: Was wir mit Einwänden machen, ist unsere Sache

"Der Staat hat hier ein Organisationsproblem", sagt Münsters Uni-Rektorin Ursula Nelles. "Für die, die sich auf die Gleichberechtigung berufen, muss der Staat Wege finden, um deren Beteiligung und Mitspracherecht zu organisieren. Das ist bisher noch nicht geschehen. Es ist die Aufgabe des Staates, dies zu tun."

Um den Streit über Kalisch zu entschärfen, und aus Angst, die Akzeptanz bei der muslimischen Bevölkerung für die Islamlehrer aus Münster zu verlieren, entschied man sich, eine zusätzliche Professur für Islam-Pädagogik einzurichten. Landes-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) versicherte, bei der Besetzung das Votum der islamischen Verbände einholen zu wollen.

16 Interessenten meldeten sich, zwei Kandidaten kamen in die Endausscheidung. Ihre Bewerbungen liegen nun dem Ministerium in Düsseldorf vor. "Wir warten jetzt auf die Information, ob es Einwände von Seiten der Muslime gibt", sagt Ursula Nelles. "Wenn ja, müssen wir überlegen, wie wir damit umgehen." Sie betont allerdings: "Was wir damit machen, ist aber unsere Sache."

Silke Katenkamp, dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Welche Muslime?
Baikal 02.02.2010
Zitat von sysopDie Universität Münster hat Erfahrung mit heiklen Islam-Debatten. Dort verhinderten muslimische Verbände einen umstrittenen Religionsgelehrten. Jetzt will die Uni Zentrum für die Imamausbildung werden - und hofft auf das Plazet der organisierten Muslime. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,675564,00.html
Welcher organisierten Muslime? Die Ditib hat doch schon längst erklärt, sie wolle und werde ihre Imame auch weiterhin aus der Türkei beziehen - und macht damit ja sehr deutlich, welche Motive hinter dem ständigen Integrationsgedöhn stehen: die Bindung an die türkische Regierung und deren Ambitionen ist eben doch größer.
2. Ja, so ists richtig!
marl7 02.02.2010
Bloß auf jeden Fall die erzreaktionären, integrationsfeindlichen, teils staatlich gesteuerten Verbände über die Lehrpläne und Bestallung entscheiden lassen. Das grenzt ja allmählich fast an Hochverrat an den Nicht-muslimischen Deutschen.
3. Was solls
AberHallo 03.02.2010
Zitat von sysopDie Universität Münster hat Erfahrung mit heiklen Islam-Debatten. Dort verhinderten muslimische Verbände einen umstrittenen Religionsgelehrten. Jetzt will die Uni Zentrum für die Imamausbildung werden - und hofft auf das Plazet der organisierten Muslime. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,675564,00.html
Wenn ich das ricjtig erinnere, gibt es in der Türkei eine staatliche Religionsbehörde, und niemand darf in der Moschee predigen, der nicht die Freigabe von dieser Behörde hat. Was die Türkei kann, das kann die BRD auch. Warum folgt man nicht dem türkischen Beispiel und verdrängt so radikale und integrationsfein dliche Prediger aus der Öffentlichkeit?
4. Falsche Toleranz
arinari 03.02.2010
Zitat von sysopDie Universität Münster hat Erfahrung mit heiklen Islam-Debatten. Dort verhinderten muslimische Verbände einen umstrittenen Religionsgelehrten. Jetzt will die Uni Zentrum für die Imamausbildung werden - und hofft auf das Plazet der organisierten Muslime. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,675564,00.html
Na wunderbar, jetzt haben die Muslime es schon in die Uni geschafft, welches Tearrain erobern sie sich als nächtes? Keine andere Religion ist so expansiv und breitet sich so ansrpuchsvoll ohne Selbstkritik aus. Warum läßt man sie so gewähren? Umgekehrt werden in islam. Ländern westliche Flaggen verbrannt, Christen verfolgt.. Ich kann es nicht glauben, dass in Deutscland die Leute so naiv sind und auf diese Forderungen eingehen aus falsch verstandener Toleranz.
5. frage
elandy 03.02.2010
Zitat von arinariNa wunderbar, jetzt haben die Muslime es schon in die Uni geschafft, welches Tearrain erobern sie sich als nächtes? Keine andere Religion ist so expansiv und breitet sich so ansrpuchsvoll ohne Selbstkritik aus. Warum läßt man sie so gewähren? Umgekehrt werden in islam. Ländern westliche Flaggen verbrannt, Christen verfolgt.. Ich kann es nicht glauben, dass in Deutscland die Leute so naiv sind und auf diese Forderungen eingehen aus falsch verstandener Toleranz.
Sie wissen schon, dass es über 3 Mio. Muslime in diesem Land gibt? Und das es besser ist, sie von in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften unterrichten zu lasse, als von aus der Türkei oder anderswo geschickten Predigern, sollte doch auch klar sein?! Außerdem, was ist gegen Muslime an Hochschulen einzuwenden?
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Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im siebten Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.

Islam , Christentum und Judentum eint Vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.

Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka .

Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten, fast alle übrigen Sunniten.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.

Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten, auf denselben Text.

Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.

Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.

Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch mehr als ein Mensch gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.

Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
"Corpus Coranicum"
Das Projekt "Corpus Coranicum", das an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist, hat sich drei große Aufgaben gestellt: Zum einen soll die Entstehungsgeschichte des Korantextes nachvollzogen und dokumentiert werden. Dabei soll es auch darum gehen, frühe Handschriften mit Koranfragmenten auszuwerten und unterschiedliche Lesarten des Korantextes darzustellen. Zum Zweiten wird eine Datenbank von "Texten zur Umwelt des Koran" erstellt. Diese sogenannten Intertexte sollen helfen, das geistige Klima zu rekonstruieren, in dem der Koran entstand. Schließlich sollen die neuen Daten und Erkenntnisse in einem Buchprojekt zusammengeführt und gedeutet werden.

Das Projekt wird geleitet von der Berliner Professorin Angelika Neuwirth; die Arbeitstelle besteht derzeit aus vier Wissenschaftlern.
"Intertexte"
Mit diesem Begriff beschreiben Neuwirth und ihr Team Texte, die sich zu bestimmten Passagen des Korantextes in Beziehung setzen lassen - dabei kann es sich um alttestamentarische Texte handeln, aber auch um christliche, christlich-apokryphe, altarabische, hellenistische oder noch andere Texte handeln. Es geht allerdings ausdrücklich nicht darum, vermeintliche Quellen des Koran zu identifizieren - sondern eher die "Kontrastfolie" (Neuwirth) zu dem, was der Koran sagt.

Ein Beispiel für einen Intertext: "Sprich: Er ist Gott, einer", heißt es in der 112. Sure des Koran. Neuwirth setzt diese Stelle in Beziehung zum Alten Testament, Deuteronomium 6,4: "Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer".

Hier könne man sehen, wie der Koran Altes aufgreift, um Neues zu sagen, meint die Islamforscherin. So werde in der 112. Sure keine bestimmte Gemeinschaft mehr adressiert, wie zuvor noch die Juden ("Israel") in der alttestamentarischen Passage. Sondern es stehe da, in denkbar karger, aber umso deutlicherer Form: "Er ist Gott, einer".

Zugleich sei in diesem Fall durchaus von einer bewussten Anspielung des Koran auf Deuteronomium 6,4 auszugehen. Denn das Arabische "ist an dieser Stelle grammatikalisch geradezu falsch", so Neuwirth - dafür aber analog zu der hebräischen Passage gebildet.