Von Matthias Bartsch
Für eine Standardarbeit von 35 oder 40 Seiten reiche das Zeitbudget zwar aus, erklärt die Politologie-Professorin Tanja Brühl: "Aber viele Studierende sind gerade bei der Bachelor-Arbeit hoch motiviert, die kommen mit tollen Ideen und wollen schreiben." Häufig würden Arbeiten mit 70, 80 oder mehr Seiten eingereicht. "Das hat schon fast wieder Magister- oder Diplomniveau", sagt Brühl.
Um das Engagement nicht zu deckeln, suchten Professoren und Studierende in den Bologna-Werkstätten gemeinsam nach "flexiblen Lösungen", sagt der Frankfurter Asta-Vorsitzende Jonas Erkel. Es könne zum Beispiel Extrapunkte für Veranstaltungen geben, in denen schon mal Vorstudien oder Exposés für die Abschlussarbeit angefertigt werden. Mehrere Fachbereiche in Frankfurt basteln bereits an solchen Modellen.
Manche Vorschläge sind aber auch in den Bologna-Werkstätten umstritten. Mit seiner Forderung, auch bei Seminaren auf eine strenge Anwesenheitspflicht zu verzichten, stößt Erkel bei der Werkstätten-Sitzung im Mai nur bei den Erziehungswissenschaftlern auf Unterstützung.
Andere Fachbereiche widersprechen klar. "Es muss eine Verbindlichkeit geben", argumentiert die Politologin Brühl und erinnert sich mit Grausen an Zeiten, in denen knallvolle Seminarräume sich im Laufe des Semesters bis auf ein bescheidenes Häufchen von vielleicht einem halben Dutzend Studierenden leerten. "Wir haben die Anwesenheitspflicht schon vor der Umstellung der Studiengänge eingeführt", sagt Brühl.
Uni-Vize auf Asta-Linie: "Mehr Freiräume schaffen"
Asta-Chef Erkel hält viel von den Bologna-Werkstätten. Studierende könnten hier mit Lehrenden auf Augenhöhe diskutieren, lobt er, man arbeite zielgerichtet und lösungsorientiert. Und in zentralen Fragen zögen Uni-Leitung und Studentenschaft durchaus an einem Strang. So schlägt sich Vizepräsident Schubert-Zsilavecz eindeutig auf die Seite des Asta, wenn er Sätze sagt wie: "Wir müssen wieder mehr Freiräume im Studium schaffen." Die Zahl der Prüfungen müsse verringert und begrenzt werden, findet er, die Studierenden benötigten mehr Zeit und bessere Möglichkeiten zum Selbststudium, sie müssten experimentieren, Einblicke in andere Fachbereiche gewinnen und tiefer einsteigen können in ein selbstgewähltes Thema.
Zudem will der Frankfurter Uni-Vize "Mobilitätsfenster vergrößern". Die Hochschule müsse dafür sorgen, dass die Studierenden sich wenigstens ein halbes Jahr an einer anderen Universität oder in einem außeruniversitären Praktikum umschauen können - ohne Furcht, im eng gestrickten Lehrplan des Studiums den Anschluss zu verlieren. Deshalb sei es unsinnig, gleich die Zwangsexmatrikulation anzudrohen, wenn jemand die Höchststudiendauer überschreitet.
All das soll in Empfehlungen der Werkstätten einfließen, die im Juli, zum Ende des Sommersemesters, nach dann etwa einem Dutzend Treffen vorgelegt werden sollen. Der Vizepräsident will schon im Herbst die ersten Veränderungen umsetzen.
Zwingen könne er die dafür zuständigen Fachbereiche zwar nicht, aber er werde sich die Entwicklung "sehr genau ansehen" und im Zweifel den Finger immer wieder auf die Wunde legen, kündigt Schubert-Zsilavecz an. Das perfekte Forum dafür: die Bologna-Werkstätten. Deshalb soll der Reformclub bestehen.
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