Neuer Bafög-Antrag im Internet: Leichter, aber nicht schneller  

Von Lena Greiner

Bis nach einem Bafög-Antrag das Geld fließt, haben Studenten meist viel Zeit und Nerven gelassen. Immer mehr Bundesländer bieten jetzt Online-Verfahren an. Die versprechen Besserung - doch schneller geht es damit auch nicht unbedingt. Ein Faktencheck.

Herkömmlicher Bafög-Antrag: "Katastrophale Zustände"Zur Großansicht
dapd

Herkömmlicher Bafög-Antrag: "Katastrophale Zustände"

335 Minuten, fünfeinhalb Stunden, braucht ein Student durchschnittlich, um einen Bafög-Antrag auszufüllen. Doch dann fängt die Geduldsprobe meist erst an: Dieses Formular fehlt, dann jenes, bis alles da ist, kann der Antrag nicht bearbeitet werden, sorry. Knapp zwei Monate dauerte es normalerweise bis Antragsteller ihren Bescheid und anschließend ihr Geld bekamen.

Das galt bis zum vergangenen Wintersemester. Dann strömten in Folge der doppelten Abiturjahrgänge und der Aussetzung der Wehrpflicht noch mehr Studienanfänger als sonst an die Universitäten. Die Bafög-Ämter waren heillos überfordert, bis zu vier Monaten mussten viele Antragsteller auf die erste Überweisung warten, Studentenvertreter sprachen von katastrophalen Zuständen.

Das soll jetzt besser werden. Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte jüngst mit, als erstes Bundesland zusätzlich ein Online-Verfahren anzubieten. Bafög kann nun per Internet beantragt werden. Das klingt zeitgemäß und schneller, doch ist es das wirklich?

Hessen brüstet sich, Vorreiter zu sein, das stimmt allerdings nicht ganz: In Bayern kann Bafög bereits seit 2010 online beantragt werden, auch einige Universitäten in Baden-Württemberg bieten das Verfahren an. Die ersten sind die Hessen einzig bei der Bündelung des Studenten- und Meister-Bafög auf einer Internetseite.

Bearbeitungszeit verkürzt sich nicht

"Das bedeutet eine zügigere Bearbeitung und ein besseren Service für die Antragsteller", teilte die hessische Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann mit. "Während bisher zwischen der Feststellung der Förderfähigkeit und der Auszahlung der Förderung bis zu sechs Wochen vergehen konnten, dauert dies in dem neuen Verfahren maximal zwei Wochen. So kommen Schüler und Studierende schneller zu ihrem Geld."

Doch auf Nachfrage muss das Ministerium einräumen: "Auf die Bearbeitungszeit hat die Neuerung keine Auswirkung", sagt Ulrich Adolphs, Pressesprecher des hessischen Wissenschaftsministeriums. Wenn das Geld in Zukunft schneller fließt, liegt das also nicht an der Online-Umstellung, sondern an einem weiteren Auszahlungstermin. Ab jetzt gibt es in Hessen zwei Bafög-Zahltage pro Monat, bislang gab es nur einen am Monatsende. Wenn ein Antrag zum Beispiel am 2. eines Monats bewilligt wird, muss der Student also nicht mehr wie bisher vier Wochen warten.

Der Bafög-Antrag selbst ist jedoch gleich geblieben - und damit auch der Aufwand für Studenten und Sachbearbeiter, die weiterhin alles prüfen müssen. "Die Formblätter können nur durch die Änderung der Formblattverordnung durch die Formblattkommission des Bundes geändert werden", sagt Doreen Steudte vom Bafög-Amt Regensburg. Klingt langwierig und kompliziert.

Etwa jeder zehnte Student beantragt Bafög online

Zudem muss der Antrag nach wie vor unterschrieben und in Papierform beim Amt eingereicht werden. Wer ihn online ausgefüllt hat, muss ihn also noch ausdrucken. "Um das zu ändern, müssen erst Bundestag und Bundesrat das E-Government-Gesetz beschließen", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW). Klingt ebenfalls langwierig und kompliziert.

Das mögen die Gründe sein, warum sich zwar 70 Prozent der Studenten einen Online-Bafög-Antrag wünschen, aber laut DSW nur ungefähr 12 Prozent diesen nutzen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Einen Vorteil hat das neue Verfahren dennoch: "Die Online-Anträge der Studenten kommen vollständiger und sind fehlerfreier ausgefüllt", sagt Steudte vom Bafög-Amt Regensburg. Die Felder im Online-Antrag sind nämlich mit Ausfüllhilfen unterlegt, eine Plausibilitätsprüfung verhindert eindeutige Vertipper, dementsprechend weniger zeitraubende Nachfragen haben die Bearbeiter. Und auch im Bafög-Amt passieren weniger Abschreibfehler.

Hamburg und NRW arbeiten laut DSW ebenfalls an Bafög via Internet. Doch das ändert laut Günther Remmel, Sprecher der Studentenwerke in Nordrhein-Westfalen, nichts daran, dass in "allen Bafög-Ämtern dringend weitere Mitarbeiter benötigt werden".

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insgesamt 5 Beiträge
foolfe 01.06.2012
Ich habe im letzten Herbst einen Bafög-Antrag in Hamburg gestellt. Habe den Antrag damals in der ersten Oktoberwoche eingereicht und auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass es wohl 8 Wochen dauern wird, bis mein Antrag genehmigt ist. [...]
Ich habe im letzten Herbst einen Bafög-Antrag in Hamburg gestellt. Habe den Antrag damals in der ersten Oktoberwoche eingereicht und auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass es wohl 8 Wochen dauern wird, bis mein Antrag genehmigt ist. Aus den 8 Wochen wurden 12, wurden 16, bis endlich Post vom Amt kam: Ich müsse Unterlagen nachreichen. Letztendlich habe ich im April mein Geld bekommen. Ich habe ein halbes Jahr warten müssen. Und mir wurde von zwei anderen Leuten erzählt, dass sie ebenfalls 6 Monate gewartet haben. Vier Monate warten in Hamburg ist Glück, und nicht Worst-Case. Das Problem sind meiner Meinung nach nicht die Ämter und die wenigen Angestellten, sondern das ganze Prozedere, das einfach viel zu umfassend und kompliziert ist.
---Zitat--- Die Formblätter können nur durch die Änderung der Formblattverordnung durch die Formblattkommission des Bundes geändert werden ---Zitatende--- Ich hätt's nicht besser sagen können. Beamtendeutsch at it's best !
---Zitat--- Die Formblätter können nur durch die Änderung der Formblattverordnung durch die Formblattkommission des Bundes geändert werden ---Zitatende--- Ich hätt's nicht besser sagen können. Beamtendeutsch at it's best !
Seen 01.06.2012
Ich habe im September 2011 meinen Antrag eingereicht. Im Dezember bekam ich bescheid, dass noch Unterlagen fehlen. Die hab ich dann im selben Monat noch nachgereicht. Jetzt, Ende Mai habe ich das Bafög endlich erhalten. Ich [...]
Zitat von foolfeIch habe im letzten Herbst einen Bafög-Antrag in Hamburg gestellt. Habe den Antrag damals in der ersten Oktoberwoche eingereicht und auf Nachfrage wurde mir gesagt, dass es wohl 8 Wochen dauern wird, bis mein Antrag genehmigt ist. Aus den 8 Wochen wurden 12, wurden 16, bis endlich Post vom Amt kam: Ich müsse Unterlagen nachreichen. Letztendlich habe ich im April mein Geld bekommen. Ich habe ein halbes Jahr warten müssen. Und mir wurde von zwei anderen Leuten erzählt, dass sie ebenfalls 6 Monate gewartet haben. Vier Monate warten in Hamburg ist Glück, und nicht Worst-Case. Das Problem sind meiner Meinung nach nicht die Ämter und die wenigen Angestellten, sondern das ganze Prozedere, das einfach viel zu umfassend und kompliziert ist.
Ich habe im September 2011 meinen Antrag eingereicht. Im Dezember bekam ich bescheid, dass noch Unterlagen fehlen. Die hab ich dann im selben Monat noch nachgereicht. Jetzt, Ende Mai habe ich das Bafög endlich erhalten. Ich hatte inzwischen über 1000 € Schulden bei Freunden und Familie gemacht.
ecnerwal 05.06.2012
Ich musste ein über halbes Jahr in Duisburg aus BaFöG warten, hatte neben den ersten Semester fast durcharbeuten müssen und Schulden machen, kam dadurch kaum zum studieren - hätte beinahe meine Wohnung damals verloren. Bin [...]
Ich musste ein über halbes Jahr in Duisburg aus BaFöG warten, hatte neben den ersten Semester fast durcharbeuten müssen und Schulden machen, kam dadurch kaum zum studieren - hätte beinahe meine Wohnung damals verloren. Bin wirklich verzweifelt zum Schbearbeiter damals gegangen, jede Woche dort angerufen und als Antwort kam: "Wird bearbeitet!!!" - Als nach 6 Monaten immer noch nichts kam, rief ich bei einen anderen Sachbearbeiter an, der mich zur Leiterin durchgab. Es stellte sich heraus dass meine eingereichten Unterlagen in einen falschen Stapel eingeordnet waren und beim falschen Sachbearbeiter lage = mein Sachbearbeiter hatte nie etwas bearbeiten können und hatte nie Unterlagen vor sich liege. Eine Freundin wurde in der Zeit trotz 24/7 Arbeit im Hotel dann der Strom abgestellt. Studiert sich gut unter diesen Umständen, prima System!
AndyDaWiz 25.06.2012
"Einen Vorteil hat das neue Verfahren dennoch: "Die Online-Anträge der Studenten kommen vollständiger und sind fehlerfreier ausgefüllt", sagt Steudte vom Bafög-Amt Regensburg. Die Felder im Online-Antrag sind [...]
Zitat von sysopBis nach einem Bafög-Antrag das Geld fließt, haben Studenten meist viel Zeit und Nerven gelassen. Immer mehr Bundesländer bieten jetzt Online-Verfahren an. Die versprechen Besserung - doch schneller geht es damit auch nicht unbedingt. Ein Faktencheck. In Hessen und Bayern kann Bafög online beantragt werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,835747,00.html)
"Einen Vorteil hat das neue Verfahren dennoch: "Die Online-Anträge der Studenten kommen vollständiger und sind fehlerfreier ausgefüllt", sagt Steudte vom Bafög-Amt Regensburg. Die Felder im Online-Antrag sind nämlich mit Ausfüllhilfen unterlegt, eine Plausibilitätsprüfung verhindert eindeutige Vertipper, dementsprechend weniger zeitraubende Nachfragen haben die Bearbeiter. Und auch im Bafög-Amt passieren weniger Abschreibfehler. " Noch weniger Arbeit fuers Amt, aber trotzdem nicht schneller ???? War ja wohl logisch, oder.
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  • Freitag, 01.06.2012 – 08:48 Uhr
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Bafög-Sünder: Wann ist die Karriere gefährdet?
Wer sich für die Einstellung in den staatlichen Schuldienst bewirbt, muss dafür ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Darin tauchen Strafen unter 91 Tagessätzen bzw. unter drei Monaten Haft nicht auf. Schulen oder die Bezirksregierung erfahren zunächst nichts von der Strafe. Das ändert sich aber bei der Verbeamtung: Oberste Landesbehörden haben direkten Zugriff auf das BZR und können Eintragungen für niedrige Strafen sehen. Außerdem muss man bei der Verbeamtung angeben, ob in den vergangenen drei Jahren strafrechtlich ermittelt wurde – wer hier lügt, kann auch später noch gekündigt werden.

So klappt's mit dem Bafög
Louise Heymans
Was verdient der Bruder? Was passiert beim Fachwechsel, was nach der Regelstudienzeit? Ein Bafög-Antrag braucht viele Formulare und stellt dutzende verzwickte Fragen - Antworten im SPIEGEL-ONLINE-Bafög-Ratgeber.


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