Wenn der Wohnraum in Potsdam knapp wird, dann muss Gudrun Wewetzer auch mal Zimmer vermieten, die nicht so schön sind. Zwar ist das Wohnheim an der Glienicker Brücke in der Nähe des Schlossparks Babelsberg gut gelegen, manche Zimmer sind aber eher einfach eingerichtet.
"Sie haben dort Wasser, Licht und ein Dach über dem Kopf", sagt Wewetzer, Sprecherin des Studentenwerks in Potsdam. In dem Wohnheim mit ockergelber Wandfarbe aus den fünfziger Jahren müssen in diesem Jahr zum Semesterstart auch Unterkünfte mit leichten Schäden vermietet werden, so groß ist der Andrang.
"Zum ersten Mal konnten nicht alle mit Zimmern versorgt werden", sagt Wewetzer. Wegen der hohen Nachfrage seien auch Zimmer vergeben worden, die aufgrund ihres schlechten Zustands in den vergangenen Jahren nicht angeboten wurden. Sie wurden zu einem reduzierten Preis übergangsweise vermietet.
Aus diesem Grund nehmen Studenten kurzfristig auch Wasserflecken, kaputte Fliesen oder beschädigten Parkettboden in Kauf. In Potsdam stehen derzeit rund 275 Studenten auf der Warteliste des Studentenwerks, sagt Wewetzer. Am sogenannten Tag der freien Vergabe, an dem übrig gebliebene Zimmer an Suchende vermittelt werden, kamen 110 Studenten auf nur 47 freie Zimmer.
Der Verband deutscher Studentenwerke fordert daher mehr Investitionen. Das Brandenburger Wissenschaftsministerium sieht das Land jedoch gut aufgestellt. Im bundesweiten Vergleich liege Brandenburg mit seinem Angebot an Wohnheimplätzen auf dem vierten Platz, hieß es.
Studenten fordern Bund-Länder-Programm
Dennoch hat angesichts dieser Zahlen der studentische Dachverband FZS eine Kampagne gestartet, durch die die Politik auf die prekäre Wohnraumsituation in ganz Deutschland aufmerksam gemacht werden soll.
"Die Landeszuschüsse sinken seit Jahren", obwohl die Anzahl der Studenten steige, sagte Vorstandsmitglied Dorothea Hutterer. Sie forderte die Länder auf, sich für ein Bund-Länder-Programm zur Schaffung von Wohnraum einzusetzen.
Denn nicht nur in Potsdam sind Wohnheimplätze Mangelware. In vielen Städten gestaltet sich die Suche nach einem Zimmer kompliziert. Überall stehen Hunderte von Studenten nach Angaben der Studentenwerke noch auf der Warteliste für eine Unterkunft:
Wie angespannt der Mietmarkt in der Bundesrepublik ist, zeigen auch die alljährlichen Verlosungen von freien Plätzen der Studentenwerke. In den nächsten Wochen dürfte sich die Situation für die studentischen Fördereinrichtungen kaum entspannen. Dann werden Studenten vorstellig, denen erst kurzfristig ein Studienplatz zugesagt wurde und die nun wenige Wochen vor Semesterbeginn noch nach einem günstigen Zimmer suchen.
Angesichts der studentischen Wohnungsnot sieht Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) Handlungsbedarf bei den rasant steigenden Mieten. "Was sich in Universitätsstädten derzeit abspielt mit jungen Leuten, die studieren wollen, ist gelinde gesagt ein Skandal", sagte er. Dort gebe es Mietsteigerungen von acht bis zehn Prozent. Dämpfend auf die Mietpreise könne der Neubau von Wohnungen wirken. Auch wäre es möglich, leerstehende Büros oder Kasernen in Wohnungen umzuwandeln.
Matthias Arnold/dapd/dpa/jon
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