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Informatik-Studium: Abbruch aus Frust

Deutsche Informatik-Studenten haben einen kurzen Atem: Jeder Zweite, meldet der Branchenverband Bitkom, bricht sein Studium ab - meistens aus Frust, selten wegen guter Jobangebote.

Informatik-Ausbildung: "500 Studenten und kein Computer"
DPA

Informatik-Ausbildung: "500 Studenten und kein Computer"

Die Frustration zermürbe viele Informatikstudenten oft schon im Grundstudium: "Viele IT-Studiengänge sind völlig überfüllt", will Stephan Pfisterer vom IT-Branchenverband Bitkom bemerkt haben. "An manchen Universitäten sitzen 500 Erstsemester-Studenten in einem Raum, ohne dass es einen einzigen Computer gibt."

Mit diesen Studienbedingungen sei auch die im internationalen Vergleich sehr hohe Studiendauer von derzeit 13,8 Semestern zu erklären - wenn es die Studenten denn überhaupt so lange an der Hochschule aushalten.

Wegen schlechter Betreuung, fehlenden Praxisbezugs und falscher Erwartungen setzen laut Bitkom die Hälfte der IT-Studenten ihrer akademischen Ausbildung noch vor dem regulären Abschluss ein Ende. Mit etwa 50 Prozent liegt die Abbrecherquote im Bereich Informationstechnologie in Deutschland "weit über dem internationalen Durchschnitt", bemängelt Pfisterer. An Universitäten verabschiedeten sich sogar bis zu 70 Prozent der Eingeschriebenen aus dem laufenden Studium, an Fachhochschulen und Berufsakademien sieht es mit einer Abbrecherquote von 40 Prozent etwas besser aus.

Immer wieder kommt es zwar dazu, dass Studenten die Hochschule wegen guter Angebote aus der Wirtschaft verlassen. Der Branchenverband empfiehlt aber, das Studium zu beenden. "Die Leute tun sich keinen Gefallen, wenn sie die Ausbildung abbrechen. Auch in der IT-Branche geht der Trend zur Professionalisierung", mahnt Pfister. Vorausetzung für einen Spitzenposten sei oft ein abgeschlossenes Studium.

Erstmals seit Mitte der neunziger Jahre, so die Bitkom-Statistik, ging die Zahl der Studienanfänger im IT-Bereich wieder leicht zurück. Etwa 25.400 Studenten haben im Wintersemester 2001/2002 das Informatikstudium aufgenommen. Das entspreche einem Minus von fünf Prozent.

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