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Verbandstreffen: Stadt Innsbruck will Burschenschafter vor die Tür setzen

Burschenschafter in Eisenach (Archiv): Umstrittener Dachverband Zur Großansicht
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Burschenschafter in Eisenach (Archiv): Umstrittener Dachverband

Die Deutsche Burschenschaft will ihr Verbandstreffen ab Freitag in Innsbruck veranstalten, doch die Stadt wehrt sich: Sie will ihre Messehalle nicht an den hart rechten und völkischen Dachverband vermieten.

Wir wollen euch nicht! Das ist die Botschaft der Stadt Innsbruck an die umstrittene Deutsche Burschenschaft (DB). Der hart rechte, ultrakonservative und zum Teil völkische Dachverband plant nämlich, Ende der Woche sein Verbandstreffen in der Messehalle der Stadt abzuhalten; organisiert von der Burschenschaft Brixia. Etwa 150 Burschenschafter aus Deutschland und Österreich werden erwartet.

Das klingt nicht nach vielen, aber man muss sie zu den besonders strammen Kadern der DB rechnen. Also jenes Dachverbands, der mit Forderungen nach einer Art "Ariernachweis" immer wieder von sich reden machte und der in den vergangenen Jahren immer weiter nach rechts gerückt war.

Begeistert war Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer von Anfang an nicht davon, dass sich die Burschenschafter ihre Stadt ausgesucht hatten. Jetzt sieht es so aus, als könnte sie den Funktionären wenigstens den Veranstaltungsort nehmen. Denn die Messe Innsbruck gehört mehrheitlich der Stadt (58 Prozent) - und die drängt darauf, den Vertrag mit der DB zu kündigen. In einer Mitteilung heißt es, dem werde sich das Land Tirol als Minderheitsgesellschafter der Messe "nicht verschließen". Auch die ebenfalls beteiligte Innsbrucker Wirtschaftskammer wird wohl - entgegen bisheriger Bekundungen - der Vertragsauflösung zustimmen.

Bürgermeisterin Oppitz-Plörer bezeichnete das als "wichtiges Zeichen für die Zivilgesellschaft". Jetzt sollen zügig alle formalen Schritte erledigt werden, damit der Vertrag mit der DB auch wirklich gekündigt wird. Sollte das scheitern oder die DB auf einen anderen Veranstaltungsort ausweichen, unterstütze sie eine "friedliche und ruhige Gegendemonstration", so die Bürgermeisterin.

Schon zuvor hatte ein Aktionsbündnis mit dem Namen "Innsbruck gegen Faschismus" zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Um die 2000 Demonstranten sollen zusammenkommen.

Dass sich Städte gegen Treffen der rechten Burschenschafter wehren, hat es auch in Deutschland schon gegeben. Die Bürgermeisterin von Eisenach, wo die DB traditionell ihren Burschentag veranstaltet, samt Fackelzug und Singen der Nationalhymne in ihrer Drei-Strophen-Fassung, würde die Burschenschafter gerne verbannen. Sie hat die Mietverträge für die Veranstaltungshalle inzwischen gekündigt, allerdings gelten sie noch bis 2018.


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insgesamt 47 Beiträge
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1. optional
hirlix 26.11.2013
Es wäre wirklich schön, wenn SPON auch mal Artikel bringen würde, in denen sie hervorheben, dass es auch Verbindungen und Burschenschaften ohne rechtes Gedankengut gibt. Diese sind in der überwältigenden Überzahl, allein fast 30000 Mitglieder im CV und dann noch viele Burschenschaften, die sich vom DB abgespalten haben.
2. Aha
BaboChaboHabo 26.11.2013
Bestimmt nicht mein Lieblingsverein. Aber krank finde ich das schon, wenn einem altehrwürdigen Studentenbund der Eintritt sozusagen verweigert wird. Dann sind die Jungs eben pro Deutschland. Na und? Ist das ein Verbrechen? Soll ich mein Land hassen. So ganz verstehe ich die Sache nicht.
3. Diese Leute sind keineswegs
owen breon 26.11.2013
Das sind Hardcore Deutschnationale wie zb die Burschenschaft Brixia .. aus der NeoNazis wie Norbert Burger hervorgegangen sind. Derartige "Vorstufen" zu Neonazis öffentlichen Raum zu bieten wäre fatal. Also macht die Innsbrucker Bürgermeisterin genau das Richtige.
4. Das ist sehr schade.
zdophers 26.11.2013
Zitat von BaboChaboHaboBestimmt nicht mein Lieblingsverein. Aber krank finde ich das schon, wenn einem altehrwürdigen Studentenbund der Eintritt sozusagen verweigert wird. Dann sind die Jungs eben pro Deutschland. Na und? Ist das ein Verbrechen? Soll ich mein Land hassen. So ganz verstehe ich die Sache nicht.
Und wirft nicht gerade ein gutes Licht auf ihre Verständnisfähigkeiten. Es wurde nun schon ausführlich über die ausgesprochen rechten Aktivitäten des Dachverbandes berichtet (siehe auch "Ariernachweis"). Aber selbst wenn die Burschenschaftler nur "pro Deutschland" sind, warum sollte eine österreichische Stadt so ein Treffen gutheißen? Denn, und vielleicht sollte ich das erwähnen, Österreich ist nicht Deutschland.
5. optional
ralf_si 26.11.2013
"Bürgermeisterin Oppitz-Plörer bezeichnete das als 'wichtiges Zeichen für die Zivilgesellschaft'." Was charakterisiert denn in deren Augen die Zivilgesellschaft?! Wenn alle mit dem Mainstream im Gleichschritt gehen?!
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Fünfziger und sechziger Jahre
Die damals relativ wenigen großdeutsch denkenden Bünde kämpften vergeblich dafür, österreichische Burschenschaften aufzunehmen, die mehrheitlich völkische Aufnahmekriterien hatten. Die Liberal-Konservativen hingegen wollten die Pflicht zur Aufnahmemensur abschaffen - ein Affront für die Rechtsextremen. Der Verband war handlungsunfähig.
Siebziger Jahre
1971 schlossen die Liberal-Konservativen einen fatalen Kompromiss: Sie akzeptierten den völkischen Vaterlandsbegriff, der auch österreichischen Bünden die Aufnahme ermöglicht. Dafür stimmten die anderen für die Abschaffung der Pflichtmensur.
Kompromiss mit Folgen
Mit diesem "historischen Kompromiss" sorgten die Liberal-Konservativen selbst für ihre schleichende Marginalisierung: Die Verfechter des Blut- und Bodenrechts wurden mächtiger, denn die neuen österreichischen Bünde gehörten ja zu ihnen. Weil jeder Bund auf den Burschentagen das gleiche Stimmengewicht hat, ist es unerheblich, dass viele österreichische und - nach der Wiedervereinigung - ostdeutsche Mitgliedsbünde sehr klein sind.
Ruck nach rechts
Viele der oft mitgliederstarken liberal-konservativen Bünde verließen den Verband, der dadurch noch weiter nach rechts rückte. Die Jenaer Urburschenschaften sind allesamt ausgetreten. In Gießen gab es einmal vier Mitgliedsbünde, heute noch einen, die Dresdensia-Rugia - deren Bundesbruder Arne Schimmer sitzt für die NPD im sächsischen Landtag. Die Folge: Der Rechtsaußen-Flügel besetzt inzwischen alle Schlüsselpositionen des Verbands und bekommt für Anträge quasi ausnahmslos eine Mehrheit.

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