Ausgegrenzt im Alltag: Studie offenbart Diskriminierung an Schulen und Unis

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Studenten an der Uni Köln (Archivbild): Diskriminierung führt zu Frust

Wer anders ist, hat es in Schulen, an Unis und am Arbeitsplatz schwer: Kinder mit Migrationshintergrund, Behinderte und Homosexuelle leiden häufig unter Diskriminierung, wie eine Studie des Bundes zeigt. Hilfe bekommen die Betroffenen zu selten.

Es fängt häufig schon in der Kita an, geht in der Schule weiter, sogar an der Hochschule und später im Arbeitsleben: Diskriminierung gehört an Schulen und Universitäten zum Alltag. Das zeigt eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), die heute dem Bundestag vorgelegt werden soll (hier finden Sie die Studie). Demnach fühlt sich jeder vierte Schüler oder Student mit ausländischen Wurzeln diskriminiert. Schülerinnen und Schüler würden aufgrund ihres türkischen oder arabischen Hintergrunds oft beschimpft.

Die ADS hat für die umfangreiche Studie wissenschaftliche Analysen und Expertengespräche in Auftrag gegeben und Beratungsanfragen an die ADS und andere Beschwerdestellen sowie externe Studien auswerten lassen. Die Daten liefern einen Überblick über Art und Umfang von Diskriminierungen und Diskriminierungsrisiken bei der kindlichen Frühförderung, in Schule und Ausbildung, an Universitäten und auf dem Arbeitsmarkt.

Auch im Verhältnis von Lehrern und Schülern sind Diskriminierungen der Studie zufolge alltäglich. So könne dem 450-seitigen Bericht zufolge zum Beispiel ein türkischer Name oder eine niedrige soziale Herkunft von Schülern dazu führen, dass Lehrer Leistungen schlechter bewerten würden. Eltern mit Migrationshintergrund berichten ebenfalls von erschwerten Bedingungen etwa bei der Einschulung.

Auch sechs Prozent der Befragten mit einer Behinderung gaben an, benachteiligt, ausgegrenzt oder gemobbt worden zu sein. Vor allem Eltern behinderter Kinder klagen häufig über Schwierigkeiten, ihre Kinder in integrative Einrichtungen aufnehmen zu lassen.

Negative Auswirkungen auf Leistung und Motivation

Homosexuelle Schüler berichteten ebenfalls von Beleidigungen auf dem Schulhof. Erfahrungen von Diskriminierung wirken sich der Studie zufolge auch negativ auf Leistung und Arbeitsmotivation aus. Zudem bemängeln die Studienmacher ein Fehlen von genügend unabhängigen Hilfs- und Beratungsangeboten, an die sich Opfer von Diskriminierungen wenden können.

Beim Zugang zur Arbeit und im Arbeitsleben selbst klagen Betroffene oft über Benachteiligungen aus Gründen des Geschlechts oder des Alters, über Nicht-Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen oder über Vorbehalte gegenüber Menschen mit Behinderung. Auch negative Einstellungen gegenüber Menschen nichtdeutscher Herkunft hindert viele Betroffene daran, einen passenden Beruf zu finden. Arbeitgeber glauben häufig, der oder die oben genannten Personen passten nicht in den Betrieb. Gerade jedoch auf dem Arbeitsmarkt wird deutlich, dass Unternehmen von Vielfalt profitieren können, wenn sie nur auf die Qualifikation eines Menschen schauen, so die Antidiskriminierungsstelle.

"Es ist das erste Mal in Deutschland, dass Benachteiligungserfahrungen bei Bildung und Arbeit derart umfassend untersucht wurden", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders. Deutschland könne es sich "langfristig nicht leisten", ganze Gruppen von Schülern nicht chancengerecht am Bildungserfolg "teilhaben zu lassen". Sie fordert nun, unabhängige Stellen an Schulen und Hochschulen einzurichten, die Betroffenen rasche Hilfe anbieten.

lgr/dpa/AFP

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Leider wird jeder ...
kenny1983 13.08.2013
... der nicht der Norm entspricht Diskriminiert. Ich als "rothaariger" bekam und bekomme das auch zu spüren. Dumme Sprüche gibt es nicht nur für "Migranten und Behinderte", jeder der "andersartig" ist bekommt das leider zu spüren ...
2. Seltsame Argumentation
sprechweise 13.08.2013
*** Deutschland könne es sich "langfristig nicht leisten", ganze Gruppen von Schülern nicht chancengerecht am Bildungserfolg "teilhaben zu lassen". **** Eine sehr seltsame Argumentation. Wenn Deutschland es sich leisten könnte, wäre diese Ungerechtigkeit dann akzeptabel? Wohl nicht. Das Ziel muss umfassende Gerechtigkeit sein (nicht nur soziale Gerechtigkeit)
3.
kdshp 13.08.2013
Zitat von sysopDPAWer anders ist, hat es in Schulen, an Unis und am Arbeitsplatz schwer: Kinder mit Migrationshintergrund, Behinderte und Homosexuelle leiden häufig unter Diskriminierung, wie eine Studie des Bundes zeigt. Hilfe bekommen die Betroffenen zu selten. Jeder vierte Migrant fühlt sich in Schule und Uni diskriminiert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/jeder-vierte-migrant-fuehlt-sich-in-schule-und-uni-diskriminiert-a-916280.html)
Das ist nicht auf unis/schulen so! Das ist auch auf behörden so oder in der arbeitswelt.
4. ....
jujo 13.08.2013
Zitat von kenny1983... der nicht der Norm entspricht Diskriminiert. Ich als "rothaariger" bekam und bekomme das auch zu spüren. Dumme Sprüche gibt es nicht nur für "Migranten und Behinderte", jeder der "andersartig" ist bekommt das leider zu spüren ...
Zum Glück laufen nicht nur geklonte Leute durch die Gegend! Diese Aussagen sind mir zu allgemein, jeder/r zweite ist irgendwie anders. Das Problem scheint mir zu sein, das, wenn zuviele "Andere" herumlaufen die Diskriminierungen anfangen. Bei meiner Tochter gab es am Gymnasium ein paar "Exoten" die alle von allen auch den Lehrern gepampert wurden, die hatten alle einen "Exoten" Bonus" das gab natürlich Neid bei den "Klonen"!
5. welch enthüllung
herrmannherrmann1233 13.08.2013
..aber manche diskriminierung gehört auch einfach zum leben und erwachsenwerden dazu. ansonsten müssen die grünen vielleicht mal über die einführung eines "diskridays" nachdenken. jeder muss jeden in den arm nehmen, ihm was nettes sagen und eine sonnenblume schenken. das ganze wird bei facebook veröffentlicht!!!
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