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Wankas Bafög-Absage: Die Elite-Ministerin

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Mikroskope im Blick: Bildungsministerin Wanka bei der Eröffnung des "Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie" in Dresden Zur Großansicht
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Mikroskope im Blick: Bildungsministerin Wanka bei der Eröffnung des "Zentrums für Strahlenforschung in der Onkologie" in Dresden

Schlechte Nachrichten für Studenten: Eine jährliche, automatische Bafög-Erhöhung lehnt Bildungsministerin Johanna Wanka ab. Die Förderung der Spitzenforschung ist ihr wichtiger.

Man vergisst leicht, dass am Berliner Kabinettstisch eine Ministerin sitzt, die offiziell auch für Bildung verantwortlich ist. Wenn Johanna Wanka (CDU) sich äußert, dann geht es meist um Großforschungsprojekte und Spitzenforschung. Studenten kommen selten vor.

Am Dienstag ging Wanka dann aber doch einmal auf Studenten ein - allerdings mit einer Absage: Eine regelmäßige und automatische Anpassung des Bafögs an die Einkommensentwicklung komme für sie nicht infrage. Ein herber Schlag für alle, die dringend auf die Ausbildungsförderung angewiesen sind - und die laut neuer Bafög-Regelung bis zum Herbst 2016 auf die nächste Erhöhung warten müssen.

Wankas Ministerium verfügt über einen Etat von mehr als 15 Milliarden Euro - und ist damit nach denen für Arbeit, Verteidigung und Verkehr das finanzkräftigste Ressort. Etwas mehr als eine Milliarde geht ins Bafög für Studenten, eine weitere knappe Milliarde fließt ins Schüler-Bafög. Zum Vergleich: Der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Förderstelle für zusätzliche Forschung an den Universitäten, überweist das Ministerium ähnlich viel. Hier stimmen die Relationen nicht.

Erhöht hatte die Regierung Merkel noch unter Wankas Vorgängerin Annette Schavan die Förderung für Studenten, die es weniger nötig haben: Das Büchergeld für Stipendiaten der Begabtenförderwerke stieg schrittweise auf monatlich 300 Euro. Das Geld erhalten die Stipendiaten ohne Prüfung ihrer Bedürftigkeit. Der Student aus reichem Elternhaus bekommt Geld geschenkt, während ein anderer, der nicht in einem Förderwerk ist, die Vermögensverhältnisse offenlegen muss, um überhaupt Bafög zu erhalten. Hier könnte Wanka für mehr Gerechtigkeit sorgen.

Ihre Prioritäten setzt die Bildungsministerin aber lieber bei der Forschung. Die Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder die Wissenschaft an den Hochschulen fördern, stehe "auf ihrer Agenda ganz oben", sagte sie kürzlich. In der aktuellen Förderrunde werden dafür bis 2017 insgesamt 2,7 Milliarden Euro ausgegeben. Studenten hatten davon wenig, und aus Wankas Perspektive ist das wohl konsequent: Spitzenforscher sind ihr näher als die breite Masse jener, die sich um einen bestmöglichen Abschluss bemühen.


 

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1. Also sorry
erasmus89 14.04.2015
ich bin in einem der Begabtenförderwerke und finde, dass auch wir von den 300 Euro extrem abhängig sind. Die 600 Euro Höchstsatz alleine reichen doch niemals. Der Autor schlägt hier reiche Kiddies (die zugegeben überdurchschnittlich oft in den Stiftungen drin sind) mit armen Stipendiaten über einen Kamm, was ich nicht in Ordnung finde. Das Bafög muss erhöht werden, ganz einfach. Das hat nix mit dem Büchergeld zu tun, dass den hart arbeitenden Stips auch zusteht.
2. Lieber mehr Rettungsschirme ausbilden
verhetzungsschutz 14.04.2015
Nachdem die Inflation von der Bundesregierung für beendet erklärt worden ist, stellt sich natürlich für Millionen Studenten in diesem Land die ernste Frage, zu welchem Zweck der Staat das BaföG regelmäßig erhöhen sollte. Sollte man das Geld nicht besser gleich in die Rettung des Finanzsystems stecken, am besten in Form eines automatisch funktionierenden Rettungsschirms? Na mal gut, daß die Studenten solche Gedanken auf ihren teuren Smartphones gleich wieder beiseite schieben können...
3.
Atheist_Crusader 14.04.2015
Die Spitze kann forschen wie sie will, wenn die Basis nicht hält, dann kann man langfristig wenig daraus machen.
4. man sollte das fördern....
cape-wild 14.04.2015
... was auch messbaren Nutzen und wirtschaftlichen Gewinn für unsere Gesellschaft bringt. Spitzenforschung gehört hoffentlich dazu, gute Lehrer unf Erzieher auch. Philosophen und Kunstwissenschaftler brauchen kein Bafög, sondern einen Personenbeförderungschein...
5. So einen Unsinn habe ich selten gelesen
rgh1974 14.04.2015
Stipendiaten sind also grundsätzlich reich? Jeder kann sich auf ein Stipendium bewerben, man muss dafür aber auch begabt sein und etwas mehr leisten. Das BaFöG soll Bedürftige unterstützen und diese Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden, damit kein "Reicher" davon profitiert, sonst würde die Journalie sich sicherlich auch aufregen. Die DFG zahlt zusätzliche Forschung, aber das beinhaltet auch Stellen für Doktoranden, von denen es nicht viele aus dem Haushalt gibt. Doktoranden machen Lehre aber das ist ja nicht wichtig, Studenten betreuen sich ja von alleine. Weiterhin bedeutet Geld für Forschung Themen für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten, denn Studenten möchten auch gerne mal einen Abschluss machen.
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