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15. November 2012, 08:38 Uhr

FDP-Newcomer vs. Steinmeier

"Er wird mich schon nicht fressen"

Der Jura-Student Max Koziolek, 23, tritt im Bundestagswahlkampf als Direktkandidat der FDP an - gegen den ehemaligen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und bei welchen Themen er der SPD Kontra geben will.

SPIEGEL ONLINE: Herr Koziolek, wo sind Sie denn, es ist so laut bei Ihnen?

Koziolek: Ich bin in der Cafeteria meiner Universität, aber ich gehe mal kurz raus. Es ist gerade ganz schön was los bei mir, am Wochenende wurde ich bei der Landesversammlung auch noch auf Platz zwei der Landesliste gewählt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind 23 Jahre alt und treten für die FDP als Direktkandidat für den Bundestag gegen Frank-Walter Steinmeier an. Warum?

Koziolek: Nun, ganz einfach, weil ich im Wahlkreis 60 dafür aufgestellt wurde. Unser aktueller Bundestagsabgeordneter tritt nicht mehr an und er hat mich als Nachfolger vorgeschlagen. Es wurde dann in den Kreisverbänden besprochen und keiner hatte Bedenken. Vielleicht ist mein Mangel an Erfahrungen im Politikbetrieb auch ganz hilfreich, und den Leuten gefällt ein junges engagiertes Gesicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Ihre Wahlkampftaktik gegen den ehemaligen Kanzlerkandidaten aus?

Koziolek: Einen richtigen Plan habe ich noch nicht. Aber wir haben demnächst Klausurtagung und dann werde ich mir was überlegen. Ich wünsche mir viele bunte Aktionen, vielleicht auch etwas Guerilla-Marketing. Wahlkampf muss ja nicht immer nur am Infostand in der Fußgängerzone stattfinden. Das wäre wohl auch meinem Alter nicht entsprechend.

SPIEGEL ONLINE: Mal ehrlich: Sie haben doch keine Chance.

Koziolek: Ich mache mir auch keine Illusionen. Aber ich möchte zeigen, was liberale Politik ist und bin neugierig, wie die Menschen reagieren und wie sich überhaupt so ein Wahlkampf anfühlt. Aber natürlich bin ich auch auf das Ergebnis gespannt.

SPIEGEL ONLINE: Bei welchen Themen können Sie dem Kollegen Steinmeier denn Paroli bieten?

Koziolek: Mein Hauptanliegen ist die Konsolidierung der Haushalte, aber auch bei dem Thema soziale Gerechtigkeit kenne ich mich ganz gut aus. Ich freue mich schon jetzt auf die Diskussionen mit Steinmeier. Ich habe keine Angst, er wird mich schon nicht fressen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind jetzt im siebten Semester, wollen Sie sich nicht lieber auf Ihr Studium konzentrieren?

Koziolek: Mein Berufsziel ist nicht Politiker, aber ich verbringe sehr viel Zeit mit Politik. Machen Sie sich aber keine Sorgen, ich bin wachsam und will meine Ausbildung deswegen nicht vernachlässigen. Sollte es über die Landesliste mit einem Bundestagsmandat funktionieren, dann bedeutet das eben noch mehr Arbeit und schlaflose Nächte. Ich bin jetzt aufgestellt und möchte niemanden enttäuschen.

Das Interview führte Jonas Leppin

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