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Studentin beleidigt Professor: "Falls wir uns in einem Puff sehen, wissen Sie warum"

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Prostituierte (Archiv): Eine Potsdamer Studentin beschimpfte ihren Professor

Ein Professor an der Uni Potsdam fühlt sich von einer Studentin sexuell belästigt. Weil sie eine Klausuraufgabe unfair fand, schrieb die junge Frau vulgäre Beleidigungen auf ihr Blatt. Der Professor zeigte sie daraufhin an. Übertrieben, sagen manche.

Den Paragrafen 185 dürfte die Jura-Studentin aus Potsdam in ihrer Einführung ins Strafrecht kennengelernt haben. "Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe (...) bestraft", heißt es da. Auch hätte sie sich denken können, dass ein Jura-Professor seine Rechte kennt, und dass eine geschriebene, mit dem Namen des Urhebers versehene Beleidigung vor Gericht ein perfektes Beweismittel ist.

Das hielt die Studentin Paula Heinrich, die eigentlich anders heißt, aber nicht davon ab, ihren Prüfer, Detlev Belling, in der Schuldrechtsklausur am Ende des Wintersemesters wüst zu beschimpfen: "Ich möchte mich hiermit bei Ihnen bedanken, dass Sie mich so sehr in den Arsch gefickt haben", schrieb sie laut "Märkische Allgemeine Zeitung" (MAZ) auf den Prüfungsbogen.

Offenbar empfand Heinrich die Klausuraufgabe als unfair. Das Prüfungsthema sei in der Vorlesung nur gestreift und ausdrücklich aus dem Lernstoff für die Klausur ausgeschlossen worden. "Arglistige Täuschung" warf sie den Prüfern deshalb vor - diese hätten wohl den Wunsch gehabt, sie zu ruinieren. Falle sie durch die Klausur, drohe ihr der Verlust des Bafög-Anspruchs. Dann, so folgerte die Studentin, bleibe ihr nur noch ein möglicher Gelderwerb: "Falls wir uns dann in irgendeinem Puff wiedersehen, wissen Sie warum."

Professor Belling zeigte seine Studentin an, seit Mittwoch prüft die Staatsanwaltschaft den Fall. "Ich sehe darin eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung", sagte der Jurist der "MAZ". Wegen der vulgären Wortwahl fühlt sich Belling auch sexuell belästigt.

"Ist es anders, wenn ein Mann sexuell beleidigt wird?"

Das ist zwar kein Tatbestand im Sinne des Strafgesetzbuchs, Belling sieht seinen Fall aber in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang: Gegenüber der "MAZ" verweist er auf den Fall des FDP-Politikers Rainer Brüderle. Der damalige Spitzenkandidat der Partei hatte mit Kommentaren über das Dekolleté einer Journalistin Anfang 2013 eine monatelange Debatte über Sexismus ausgelöst. "Ist es nun anders, wenn ein Mann von einer Frau sexuell beleidigt wird?", fragt Belling.

Der Vergleich geht manchen an der Uni Potsdam dann doch zu weit: "Der Professor sollte hier keinen Diskurs aufmachen nach dem Motto: 'Jetzt sieht man mal, dass auch Männer sexuell belästigt werden'", sagt Claudia Sprengel, Referentin für Geschlechterpolitik beim Asta der Uni. Unter sexueller Belästigung litten bis heute vor allem Frauen.

Auch wenn die Ausdrucksweise der Studentin nicht angemessen sei, hat Sprengel auch Verständnis für den Ausraster: "Es spiegelt eine Notsituation gepaart mit Existenzängsten wider, die viele Studenten erleben." Zwar wisse sie nicht, was am Vorwurf der unfairen Aufgabenstellung dran sei. Doch Professor Belling gefalle sich in seiner Opferrolle, statt über den Druck nachzudenken, unter dem die Studentin womöglich stand. Belling selbst stand SPIEGEL ONLINE für ein Gespräch nicht zur Verfügung.

Inzwischen scheint er den Vorfall aber wieder etwas gelassener zu sehen. Wenn sich die Studentin bei ihm entschuldige, werde er die Anzeige zurückziehen, teilte er über die "MAZ" mit: "Erbarmungslos bin ich nicht."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 285 Beiträge
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1. aha
tadamtadam 06.03.2014
Zitat: "Der Professor sollte hier keinen Diskurs aufmachen nach dem Motto: 'Jetzt sieht man mal, dass auch Männer sexuell belästigt werden'", sagt Claudia Sprengel, Referentin für Geschlechterpolitik beim Asta der Uni. Unter sexueller Belästigung litten nach wie vor vor allem Frauen. " weil vor allem frauen darunter leiden, sollen also männer keine anzeige erstatten? was ist denn das für eine logik? dass man als prof über sowas stehen sollte, versteht sich von selbst, aber diese begründung ist versteckter sexismus. möchte mal wissen, wenn die geschlechter vertauscht gewesen wären, was die gute referentin dann sagen würde.
2. Bitte richtig zitieren...
tuxedo888 06.03.2014
Die Beleidigung ist in Paragraph 185 geregelt! So viel Zeit muss sein...
3. Lächerlich
Limus 06.03.2014
Das ist genauso wenig sexuelle Belästigung wie der Ausdruck "F... dich ins Knie" oder der überbordende Gebrauch des Wortes "Fuck" im englischen. Und wenn der Sachverhalt so ist, wie dargestellt, dann ist die Wut der Studentin mehr als gerechtfertigt. Ihre Reaktion ging sicherlich zu weit, wobei ich da auch noch keine echte Beleidigung sehe. Aber gerade bei den Juristen wird ja häufig mit teils schmutzigen Tricks gesiebt, das scheint einer davon zu sein. Wenn dann auch noch so ein eingebildeter "Halbgott" meint, er müsste zu juristischen Massnahmen greifen, um die Frau gänzlich zu ruinieren, naja. Und das "grosszügige" Angebot, von der Anzeige abzusehen, das hätt' er gerne, dass die Studentin noch zu Kreuze kriechen muss.
4. Tja so ist das eben mit der Gleichberechtigung...
allo181 06.03.2014
... solange es um Vorteile und mehr Rechte geht, sind die Damen ganz vorne mit dabei. Gleiches Recht für alle ist aber doof... findet auch die "Geschlechterbeauftragte" der Uni Potsdam und negiert mal ganz schnell die Vorwürfe des Professors. Wo sind die Beauftragten für die "Heterosexuellen deutschstämmigen Männer (HDMs)" ...? Der wahrlich bedrohten Art in öffentlichen Einrichtungen und deutschen Politik...
5. weil nicht sein kann was nicht sein darf
zabadac 06.03.2014
der liebe prof vergißt das männer IMMER die täter und frauen IMMER die opfer sind. wie kann man was anderes glauben? kranke zeiten...
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Recht so - Was im Gesetzbuch steht
Sexuelle Belästigung
Sexuelle Belästigung wird nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geahndet. Sie umfasst unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, das bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird. Dazu gehören Berührungen, Bemerkungen und das unerwünschte Zeigen pornografischer Darstellungen. Der Arbeitgeber muss dann geeignete Maßnahmen zur Unterbindung ergreifen, etwa Abmahnung, Versetzung, Kündigung. Studierende sind durch das AGG nicht geschützt, weil es nur für den Arbeitsplatz Uni gilt.
Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
Sexuelle Handlungen, die unter Ausnutzung eines Beratungs- oder Betreuungsverhältnisses ausgeführt werden, sind in Paragraf 174 des Strafgesetzbuches geregelt. Tätern droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren.
Sexuelle Gewalt
Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind in Paragraf 177 des Strafgesetzbuches geregelt. Er umfasst die Nötigung zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen, wobei der entgegenstehende Wille des Opfers durch den Täter gebeugt wird. Das kann durch Gewalt, Androhung von Gewalt oder Ausnutzung einer Lage geschehen, in der das Opfer schutzlos ist. Es droht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr, bei Vergewaltigung von mindestens zwei Jahren.
Stalking
Eine fortgesetze Verfolgung, Belästigung oder Bedrohung ist unter dem Tatbestand der Nachstellung in Paragraf 238 des Strafgesetzbuches geregelt und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bewehrt. Zuvor kann zivilrechtlich ein Kontakt- oder Näherungsverbot ausgesprochen werden, das mit Ordnungsstrafe oder Schutzhaft bewehrt ist.

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