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Juraprofessor verhaftet: Bestechung mit Sex und Geld

Wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit in 78 Fällen wurde heute ein Professor aus Hannover verhaftet. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Der 52-Jährige habe Juristen aus ganz Deutschland gegen Bezahlung zum Doktorhut verholfen - und Studentinnen für Sex mit guten Noten belohnt.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Celle drohte Fluchtgefahr - darum wurde der Hannoveraner Juraprofessor am Donnerstag in Hamburg verhaftet. Die Beschuldigungen gegen ihn sind massiv. Die Anklage umfasst 185 Seiten. Die Ermittlungen führt die Zentralstelle für Korruptionsbekämpfung der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Universität selbst hatte eine Strafanzeige wegen Verdachts auf Bestechlichkeit gestellt.

Uni Hannover: Erneuter Ärger mit Bestechungsfall
DPA

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Das wirft die Staatsanwaltschaft dem Professor vor: Er soll von einem Promotionsberater über Jahre insgesamt 184.000 Euro dafür kassiert haben, dass er dessen Klienten zum Doktortitel führte. Dabei habe es sich um Juristen aus dem ganzen Bundesgebiet gehandelt, die vielfach nicht über die nach der Promotionsordnung erforderliche gute Examensnote für die Zulassung zur Promotion verfügten. Der Professor sollte laut Staatsanwaltschaft für die erforderlichen Ausnahme-Genehmigungen der Fakultät sorgen und die vorgelegten Dissertationen begutachten. Für jeden Kandidaten soll er ein Erfolgshonorar von 4100 Euro erhalten haben, wobei die erste Rate nach Annahme zur Promotion und die zweite Rate nach erfolgreicher Promotion gezahlt wurde.

Der zweite Teil der Vorwürfe: Der Professor soll auch Klausuren und Hausarbeiten zweier Studentinnen wohlwollend benotet und eine der Studentinnen als studentische Hilfskraft an seinem Lehrstuhl beschäftigt haben - nämlich als Gegenleistung für sexuelles Entgegenkommen.

Auch die Studentinnen und Promotionsberater angeklagt

Anklage erhoben hat die Staatsanwaltschaft nicht allein gegen den Juraprofessor, sondern auch gegen die beiden Studentinnen - wegen Bestechung. Zum gleichen Tatvorwurf verantworten müssen sich zwei geschäftsführende Gesellschafter einer in Bergisch-Gladbach ansässigen Wissenschaftsberatungsfirma, deren Dienstleistungen als angeblich seriöse "Promotionsberatung" beworben werden, die an den Hochschulen seit vielen Jahren bekannt und höchst umstritten sind.

Die Ermittlungen waren nach einer Strafanzeige der Universität aufgenommen worden und laufen schon seit Jahren; zunächst ging die Staatsanwaltschaft von Bestechungsgeldern von 51.000 Euro aus. Am 16. Juli erhob sie dann Anklage vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim. Aus ermittlungstaktischen Gründen hatten Staatsanwaltschaft und Hochschule zunächst Stillschweigen vereinbart. Nachdem die Ermittler die Diensträume des Professors durchsucht hatten, erteilte die Universität ihm Hausverbot, untersagte ihm die Weiterführung der Dienstgeschäfte und leitete disziplinarrechtliche Vorermittlungen ein, die inzwischen das niedersächsische Wissenschaftsministerium weiterführt.

Schon vor drei Jahren war ein anderer Hochschullehrer an der Universität Hannover zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der 61-Jährige hatte zwei Studentinnen unerlaubte Hilfe bei Prüfungen angeboten und als Gegenleistung sexuelle Handlungen verlangt. Das Wissenschaftsministerium hatte zunächst lediglich eine Gehaltskürzung gegen den Hochschullehrer verhängt und auf ein förmliches Disziplinarverfahren verzichtet, was an der Hochschule Unruhe auslöste.

Die Vorwürfe gegen den Juristen wiegen noch deutlich schwerer. Auf Bestechung und Bestechlichkeit stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Haftstrafen bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren.

jol/ddp/dpa

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