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Neues Gesetz in Kalifornien: Für Sex braucht es klare Zustimmung

Paar an der University of California: Sex nur noch nach einer "zustimmenden, bewussten und freiwilligen Übereinkunft" Zur Großansicht
REUTERS

Paar an der University of California: Sex nur noch nach einer "zustimmenden, bewussten und freiwilligen Übereinkunft"

Jede fünfte US-Studentin wird Opfer eines sexuellen Übergriffs. Kalifornien will mit einem neuen Gesetz dagegen vorgehen: Wollen Studenten Sex haben, müssen sie eindeutig Ja sagen - oder nicken.

Sacramento - Die Regierung von Kalifornien will mit einer Gesetzesverschärfung gegen sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen an Universitäten vorgehen. Gouverneur Jerry Brown hat das sogenannte "Yes-means-Yes"-Gesetz unterzeichnet.

Die Regelung schreibt vor, dass Studenten an staatlich finanzierten Universitäten vor dem Sex künftig eindeutig Ja sagen müssen. Allein die Tatsache, dass sich eine Person nicht ausreichend gegen sexuelle Annäherungen wehrt, gilt fortan nicht mehr als Zustimmung.

Stattdessen bedürfe es laut Gesetzestext einer "zustimmenden, bewussten und freiwilligen Übereinkunft" beider Sexualpartner. Studenten, die betrunken oder bewusstlos sind, schlafen oder unter Drogen stehen, können diese Zustimmung nicht geben. Dagegen gelte ein Nicken ebenso als Einwilligung wie ein Näherrücken an den Partner.

Der kalifornische Senator Kevin de Leon, der das Gesetz maßgeblich vorangetrieben hatte, lobte die Entscheidung des Gouverneurs: "Der kalifornische Staat wird nicht zulassen, dass Hochschulen Vergewaltigungsfälle unter den Tisch kehren." Künftig gehe es bei dem Thema in erster Linie um Vorbeugung und Gerechtigkeit.

Lob von Studenten, Kritik vom Männerbund

Auch Studentenvertreter lobten die Entscheidung. "Die neuen Standards werden helfen, dass Betroffene nicht zum zweiten Mal Opfer werden und erleichtert es Studenten Hilfe zu suchen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen", sagte Meghan Warner von der University of California.

Die "National Coalition for Men" verurteilte das neue Gesetz dagegen als männerfeindlich. Die Regelung mache den Weg frei für falsche Beschuldigungen und könne dabei helfen, unschuldige Leben zu ruinieren.

Das Gesetz verpflichtet die Universitäten in Kalifornien außerdem dazu, ihr Personal im Umgang mit Vergewaltigungsopfern zu schulen. So soll verhindert werden, dass sie sich unangebrachten Fragen stellen müssen.

Von Seiten der Republikaner hatte es zunächst Protest gegen die Initiative gegeben. Sie fürchteten rechtliche Probleme für die Hochschulen. Schließlich gaben sie ihren Widerstand im Senat von Sacramento aber auf.

Laut Schätzungen wird in den Vereinigten Staaten jede fünfte Studentin Opfer eines sexuellen Übergriffs. Zuletzt hatte der Fall der Emma Sulkowicz für Aufsehen gesorgt. Ein Kommilitone soll die Studentin der New Yorker Columbia-Universität auf ihrem College-Bett vergewaltigt haben. Sie warf der Hochschule vor, von ihr keine Unterstützung erhalten zu haben. Die Kunststudentin trug daraufhin ihre Matratze tagelang mit sich herum. Ihre Aktion "Carry that Weight" fand bald zahlreiche Nachahmer und trug zu der Gesetzesverschärfung in Kalifornien bei.

syd/AP

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insgesamt 115 Beiträge
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1. sehr luschtig...
Marc Anton 29.09.2014
....wenns nur nicht so traurig wär. Ein praxisuntaugliches und lebensfremdes Gesetz, wie viele us-amerikanischer Verordnungen. So, nun drückt der Partner seinen Beischlafwillen nicht oder gänzlich anders aus - ich befürchte nach den Grundsätzen amerikanischer Justiz wäre dieses eine Vergewaltigung. Aber wer vergewaltigt dann wen? Die Unis sollten Vordrucke entwerfen: "Willst Du mit mir schlafen? Kreuze an: ja nein vielleicht später.
2. Empfehlung
Tante_Frieda 29.09.2014
Ich möchte sexuelle Übergriffe nicht kleinreden,deshalb meine Empfehlung:Zum Date immer ein juristisch wasserdichtes Vertragswerk mitnehmen,das von beiden Teilnehmern vor dem Sex unterschrieben werden muss.Wetten,in zwei bis drei Jahren kommt so etwas auch über den Atlantik nach Europa :-)
3. Wenn man sich nicht wehrt
hemtech 29.09.2014
galt es als Zustimmung. Na dann Prost. Wenn mir ein Gorilla mein Geld abnimmt und ich mich angesichts der aussichtslosen Kräfteverhältnisse nicht wehre, habe ich also meine Zustimmung zu diesem Raub gegeben. Darauf muß man erst kommen....und es zeigt, wie verquer und völlig menschenfremd Richter urteilen.
4. Wie romantisch
AusVersehen 29.09.2014
MMmhhhh, Romantik liegt in der Luft. Noch besser wäre es doch einen Vertrag aufzusetzen, in dem man sich die Bereitschaft zusichert. Dann könnten auch gleich einige Klauseln aufgenommen werden, welche Leistungen man zu erbringen hat. Schöne neue Welt. Heute behaupten die Vergewaltiger "Sie wollte es doch auch" und morgen behaupten sie "Sie hat ja gesagt". Macht das wirklich einen Unterschied? Liegt das Problem denn nicht eher in dem Schweigen und unter dem Tisch kehren der Gesellschaft? Wie bei der Dame mit der Matraze, wo die Uni ihr durch Auflagen einen Knebel verpassen wollte. Das Problem ist doch also eher, dass es da nicht nur den eigentlichen Täter gibt, sondern auch noch die Schreibtischtäter. Mit einem deutlichen "Ja" sind die eigentlichen Probleme jedenfalls nicht aus der Welt geschafft.
5.
marthaimschnee 29.09.2014
Ich hab schon vor 15 Jahren damals für übertrieben gehaltenen Erzählungen gelauscht, nachdem in den Uni-Bibliotheken in Kalifornien Formulare auslägen, auf denen sich die Partner bescheinigen können, daß eine Beziehung in beiderlei Interesse geschlossen wird. Muß das jetzt auch noch notariell beglaubigt werden?
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