Australiens Vize-Premierministerin Julia Gillard und der Oppositionschef Malcolm Turnbull haben zugegeben, früher einmal Marihuana geraucht zu haben. "Hab's an der Universität probiert, mochte es nicht", sagte Gillard, die Stellvertreterin von Regierungschef Kevin Rudd, am Freitag.
Die Bildungsministerin der sozialdemokratischen Labor Party zeigte sich nicht sonderlich zerknirscht. "Ich glaube, dass wahrscheinlich viele australische Erwachsene dasselbe sagen könnten, also glaube ich nicht, dass es eine große Rolle spielt", sagte Gillard.
Reue zeigte hingegen Malcom Turnbull, der neue Chef der konservativen Liberalen Partei. "Ja, ich habe Hasch geraucht", sagte er am Donnerstagabend in einer Fernsehshow unter dem Gelächter des Publikums im Studio. Er würde nicht mehr zum Joint greifen und rät von Rauschmitteln ab. Marihuana sei "eine ernstzunehmende Droge". Die Gesellschaft solle "jeden dringend davon abhalten".
Turnbull und Gillard reihten sich mit ihren Aussagen in eine Reihe von Politikern ein, die sich jüngst zu Erfahrungen mit Drogen bekannt hatten. Finanzminister Wayne Swan und Umweltminister Peter Garrett, Ex-Frontmann der Band Midnight Oil, gaben zu, während ihres Studiums Cannabis geraucht zu haben.
Auch der Oppositionsabgeordnete Tony Abbott gestand die Jugendsünde. Abbott schränkte ein, es habe sich bei ihm nur um einen "halbherzigen Zug" gehandelt, schreibt die Tageszeitung "The Australian". In dem Blatt heißt es weiter, statistisch konsumierten 300.000 Australier täglich Cannabis, 750.000 Landsleute griffen einmal pro Woche zu der illegalen Droge.
Egal ob reuiger Sünder oder Überzeugungstäter: Cannabis ist auch in Australien illegal. Während sich die australischen Politiker gerade parteiübergreifend freimütig geben, sind solche öffentlichen Bekenntnisse in Deutschland nicht gerade üblich. Außerdem kann ein Bekenntnis hierzulande etwa für Juristen unangenehme Folgen haben. Sind Vergehen erst im Bundeszentralregister eingetragen, bleiben sie dort fünf Jahre stehen und können eine Karriere als Richter oder Anwalt ausbremsen.
cht/AFP
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