Klage gegen US-Uni Princeton: Spender wollen 750 Millionen Dollar zurück
Wie streng müssen sich Universitäten nach den Vorgaben von Spendern richten? Princeton heimste einst eine gigantische Summe der Familie Robertson ein, die mit der Verwendung aber unzufrieden ist und das Geld zurück verlangt. Der Zwist könnte zum Präzedenzfall werden.
Familie Robertson wollte in die zukünftigen Repräsentanten ihres Landes investieren: Diplomaten, Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes, Geheimdienstler – Karrieren im öffentlichen Dienst eben. Zu diesem Zweck spendeten Charles S. und Marie Robertson 1961 eine der bis dato größten Geldsummen in der Uni-Geschichte der USA: Die Woodrow Wilson School of Public and International Affairs an der noblen Universität Princeton durfte sich über 35 Millionen Dollar freuen.
Campus in Princeton: Großspender verlangen gewaltigen Batzen Geld zurück
Die Woodrow Wilson School ist eine namhafte Adresse: Nach dem 11. September half sie beispielsweise, afghanische Politiker auf die Demokratie vorzubereiten. Regelmäßig lädt die Schule renommierte Gastredner ein – an diesem Dienstag zum Beispiel UN-Generalsekretär Kofi Annan. In diesem Semester erklärt Ex-Außenminister Joschka Fischer hier die Welt der Diplomatie in einer Veranstaltungsreihe. Die Nachkommen der Geldgeber finden aber, dass die Uni nicht genug hochkarätige Diplomaten und Staatsbedienstete hervorgebracht und große Mengen des gespendeten Geldes zweckentfremdet habe, so ihr Vorwurf.
Für wen und für was war das Geschenk?
Im Juli 2002 verklagten die Robertsons die Princeton University zunächst auf 200 Millionen Dollar, weil diese Summe für andere Projekte der Uni verwendet worden sei. Seit Dienstag loten beide Parteien am Mercer County Superior Court ihre Chancen bei einer möglichen Gerichtsverhandlung aus, zu der es frühestens in einigen Monaten kommen wird. Der Rechtsstreit hat beide Seiten zusammen bisher schon über sieben Millionen Dollar gekostet.
Die Universität beharrt darauf, ein guter Verwalter der Robertsonschen Interessen zu sein. Vor allem kommt es ihr darauf an, alleinige Begünstige zu bleiben. Das Geld wird von der Robertson-Stiftung verwaltet, die getrennt ist von der Universität, bisher aber nur Princeton finanziert. Kläger-Anwalt Seth Lapidow kritisiert: "Princeton vertritt die Ansicht, das Geld sei ein Geschenk an die Universität gewesen. Aber die Kläger sagen, Princeton sollte nur ein Instrument sein. Das Geschenk war eigentlich fürs amerikanische Volk gedacht."
Sollte das Gericht entscheiden, dass Princeton das Geld zurückgeben muss, fürchtet die Uni einen generellen Verlust an Entscheidungsfreiheit von Universitäten. Die Entwicklung in der Sache Robertson gegen Princeton wird landesweit gespannt beobachtet. Das liegt einerseits sicher an der beträchtlichen Streitsumme. Andererseits könnte hier ein Präzedenzfall entstehen, der relevant ist für viele Schulen, Kirchen und Wohltätigkeitsorganisationen, die ebenfalls auf Spenden angewiesen sind.
smv/AP
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