Klagelied der Jungschauspieler: Vergesst den Applaus, wir brauchen Geld!

Von Alexander Linden

5. Teil: "Ich musste mich begrabbeln lassen" - Raúl Richter, 23, Soapstar und Tänzer

Soapstar Raúl, 23: Von "Let's dance" zum Generalstreik? Zur Großansicht
Ailine Liefeld

Soapstar Raúl, 23: Von "Let's dance" zum Generalstreik?

Ähnlich wie Jörn sieht das auch sein Serienkollege Raúl Richter. Dass Soap-Schauspieler per se schlechter seien, will er nicht gelten lassen. Auch er spielt in GZSZ mit und ist noch eine Spur bekannter als Jörn Schlönvoigt. Vor kurzem tanzte er bei der RTL-Show "Let's dance". Raúl ist ein echtes Boulevardprodukt und sagt gern Triviales wie: "Ich möchte mit meinen Rollen einfach meine Fans glücklich machen."

Er ist einer jener Nachwuchspromis, die gut aussehen, immer lächeln und von Agenten und Produzenten so weichgespült wurden, dass die wahre Persönlichkeit kaum noch erkennbar ist. Dabei hat Raúl in Wirklichkeit einiges zu sagen, zum Beispiel, dass mal alle Schauspieler für ihre Rechte in einen Generalstreik treten sollten, etwa so wie die Drehbuchautoren vor einiger Zeit halb Hollywood lahm legten, um bessere Bedingungen zu erkämpfen. Wenn alle zusammenhielten, könnten die Sender doch gar nichts ausrichten. "Aber das macht keiner, hier sind alle so satt und so neidisch", schimpft Raúl. Darum würde auch nie offen über Gagen geredet und darum könne auch keine Verbesserung eintreten.

An Raúl Richter zeigt sich, was jungen Schauspielern so passieren kann auf ihrem Weg nach oben. Dass sogar scheinbar erfahrene Kräfte bei der Jagd nach guten Rollen auf dubiose Gestalten hereinfallen. Im vergangenen Jahr bekam Raúl ein Drehbuch geschickt, das ihn reizte. Absender: ein vermeintlicher Caster aus Berlin. "Ich bin da hingegangen, weil das Buch echt gut war", erzählt der 23-Jährige. Jahrelang fing er sich Absage über Absage ein. Nun glaubte er, an einen Profi geraten zu sein.

"Ich sollte mich auf den Fußboden legen"

Doch statt vorzusprechen wurde der Teenieschwarm in einen dunklen Hinterraum mit Bett geführt. "Ich sollte mich plötzlich auf den Fußboden legen. Der Typ sagte, er wolle meine Atmung überprüfen und meine Muskeln abtasten." Zwischendurch habe sich der Mann immer wieder schnell weggedreht und das Zimmer verlassen. Dann wurde weitergetastet. "Es war furchtbar", erinnert sich Raúl. "Ich lag da auf dem Boden ein- und ausatmend in einem runtergekommenen Zimmer und musste mich von diesem alten Herren begrabbeln lassen."

Erst später habe er herausgefunden, dass der Berliner Senat dem Mann schon längst die Genehmigung zum Führen einer Schauspielschule entzogen hatte, und schon etliche andere Schauspieler Erfahrungen mit den obskuren Atem- und Abtastübungen des selbsternannten Schauspiellehrers gemacht hatten - darunter offenbar auch einige bekannte Namen. Doch die schweigen aus Scham.

Da dämmerte ihm, dass Schauspielerei nicht alles ist, dass es schnell vorbei sein kann. Auch Raúl sieht sich nun für den Fall der Fälle nach Alternativen um. Trotz regelmäßigem Einkommen beginnt er demnächst eine Ausbildung zum Immobilienhändler. Häuser zu vermitteln sei doch auch toll.

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1. wie sand am meer
iosono3 14.10.2010
es gibt einfach zu viele davon und jeder kann schauspieler werden-nicht beim theater aber sonst....... ausserem braucht unsere gesellschaft mehr ''vordenker'' statt ''nach-quatscher''.
2. ....
wkaiser 14.10.2010
Zitat von sysopAngst vor der Pleite, dubiose Angebote, dauernde Unsicherheit: Von ihrem Beruf können Jungschauspieler kaum leben. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,723127,00.html
Das ist ja nun nichts Neues, sondern war schon immer so.... Wer sich so einen potentiell brotlosen Beruf aussucht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Zudem gibt es auch eine ganze Reihe von Jungschauspielern, die anscheinend gut von ihrem Beruf Leben können. Es ist nun mal überall so: man bekommt nicht das gezahlt, was man zum Leben braucht, sondern das, was jemand bereit ist, für eine Leistung zu zahlen. Anscheinend gibt es zu viele Schauspieler, sonst wären die Gagen höher. Was soll also das Gejammer?
3. Feuerschlucker
Wolfgang Jung 14.10.2010
Zitat von sysopAngst vor der Pleite, dubiose Angebote, dauernde Unsicherheit: Von ihrem Beruf können Jungschauspieler kaum leben. Auf SPIEGEL ONLINE berichten sechs Darsteller von Dumping-Gagen, Anzüglichkeiten und dem ewigen Kampf um die nächste Rolle. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,723127,00.html
Wieviele Schauspieler, Mediengestalter, Sozialpädagogen, Kunsthistoriker und Feuerschlucker gibt es eigentlich in Deutschland? Oder andersherum gefragt: Wieviele Arbeitnehmer in diesem Land haben noch einen "normalen Arbeitsvertrag" mit "gleichbleibendem Netto-X" am Monatende? Deutschland hat 82 Millionen Einwohner. Kennt jemand zufällig die Zahl dieser spezifischen Art von Arbeitnehmern?
4. Sehe ich auch so...
juergw. 14.10.2010
Zitat von wkaiserDas ist ja nun nichts Neues, sondern war schon immer so.... Wer sich so einen potentiell brotlosen Beruf aussucht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Zudem gibt es auch eine ganze Reihe von Jungschauspielern, die anscheinend gut von ihrem Beruf Leben können. Es ist nun mal überall so: man bekommt nicht das gezahlt, was man zum Leben braucht, sondern das, was jemand bereit ist, für eine Leistung zu zahlen. Anscheinend gibt es zu viele Schauspieler, sonst wären die Gagen höher. Was soll also das Gejammer?
Und wenn denn einer mal richtig Geld verdient ,drehen die Künstler durch und enden im Drogendesaster. Auf der einen Seite sieht man immer die gleichen Gestalten in den Fersehfilmen bei ARD und ZDF !Öde ,da spielen dann 70zigjährige feurige Liebhaber.Traumschiffkapitän wird man mit 80zig Jahren etc. Jeder der in der Seifenoper mitspielt hofft auf den Oskar!
5. Ferkelei
dasky 14.10.2010
Zitat von daskyDie Jungschauspieler packen es nur falsch an. Sie sollten wie Frau Kekilli Filme mit Titeln und Inhalt wie in 'Die Verfickte Praxis', '2002 wilde Sex-Nächte', 'Casa Rosso', 'Die Megageile Küken-Farm', 'Ein Sommertagstraum', 'Hotel Fickmichgut' oder auch 'Süsse Teeny-Träume' zum Sprungbrett für eine preisgekrönte Schauspielerkarriere machen.
....stöhn...ich mache alles (http://www.youtube.com/watch?v=PEZMtXcsOcg)....bei den Preisverleihungen schaut dann sogar Frau Ferkel (https://www.titanic-magazin.de/shop/images/default_shop/Aufkleb-Merkelferkel_PK.jpg) voll Begeisterung, Respekt und Anerkennung zu ....
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  • Donnerstag, 14.10.2010 – 13:28 Uhr
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Wie viele gibt es?
Etwa 20.000 Schauspieler gibt es in Deutschland schätzungsweise, gesicherte Daten existieren nicht. Die Zahl derer, die regelmäßig arbeiten können, liege bei höchstens 5000, vermutet Vorstand Hans-Werner Meyer. Und von denen könne nur ein Bruchteil von der Bezahlung gut leben. Einen klassischen Mindestlohn lehnt der BFFS jedoch ab. "Eine Mindestgage könnte sehr schnell zu einer Normalgage werden", fürchtet Meyer.
Warum fallen sie durchs soziale Netz?
Arbeitslosengeld I gibt es für die meisten Schauspieler nicht, weil sie im Regelfall eben keine zwei Jahre dauerhaft angestellt sind. Auf der anderen Seite argumentieren die Sozialbehörden gern, dass Hartz IV auch nicht infrage komme, weil die Künstler dem Arbeitsmarkt ja nicht zur Verfügung stünden, falls gerade mal wieder ein Engagement kommt. Die Schauspieler fallen durchs soziale Netz. Sie sind jung, sie sind schön, sie sind pleite.
Wer leidet unter schlechten Gagen?
Der rapide Verdienstverfall trifft die gesamte Branche. "Selbst etablierte Namen haben es im Moment schwer", sagt Hans-Werner Meyer vom Schauspielerverband. Auch bei ihnen gebe es Einkommenseinbußen von bis zu 50 Prozent. Die Wirtschaftskrise habe ihre Spuren bei den Budgets hinterlassen.

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