Kreative Studenten: Schau, Fensterkunst!

Schaufensterbummel de luxe: 14 Berliner Kunststudenten hatten keine Lust mehr auf öde Auslagen. Also möbelten sie die Vitrinen auf und schufen so große Alltagskunst. Studentin Maria Schwermer inszenierte sogar eine blutige Beziehungstat.

Schaufenster de luxe: Kunst mit Sauger, Krimi, Sonnenbank Fotos
Achim Hatzius

"Als wir wussten, dass wir ein Schaufenster gestalten sollen, sind wir ausgeschwärmt, um Ladenbesitzer anzusprechen. Ich bin nach Kreuzberg gegangen, ins Bergmannkiez. Ich wollte eigentlich das Fenster eines Eckladens für Scherzartikel gestalten, er war heruntergekommen und hätte es wirklich nötig gehabt. Doch der Laden machte bald dicht, das hätte sich nicht mehr gelohnt. In der Nähe habe ich die Krimibuchhandlung entdeckt.

Der Besitzer war sehr aufgeschlossen und hat mir gern sein Schaufenster überlassen. Ich habe damit angefangen, mir alte Schwarz-Weiß-Filme anzuschauen, zum Beispiel "M - Eine Stadt such einen Mörder". Er gehört zum Genre Film noir und das spielt sehr viel mit Licht und Schatten. Oft sieht man den Mörder nur als Silhouette an der Wand. Nach einem dieser Filme hatte ich die Idee für mein Projekt.

Ich wollte zuerst eine kitschige Spitzengardine ins Fenster hängen, aber fertige Gardinen sind teuer. Also habe ich weißen Stoff gekauft, ihn zurechtgeschnitten und eine Spitze drangenäht. Mit einem Laserschneider in der Uni habe ich aus einer Holzfaserplatte die Konturen von einer Frau und ihrem Mordopfer ausgeschnitten. Ich habe die Platte schwarz lackiert und mit einem Holzfuß hinter der Gardine aufgestellt.

Werbung irritiert Kunden: "Machst du dicht?"

In einem Bücherregal im Laden habe ich einen Diaprojektor versteckt und eine Zeitschaltuhr eingebaut. Der Projektor sollte automatisch angehen, wenn es dunkel wird, damit die Mordszene als Schatten auf die Gardine fällt. In der ersten Nacht war die Uhr nicht richtig eingestellt, da ist der Projektor durchgebrannt. Drei Projektoren sind in den zwei Wochen kaputtgegangen, in dem die Gardine im Schaufenster hing. Es waren alte Geräte, die ich im Internet ersteigert hatte.

Leider musste die Installation schon wieder weichen. Die abgehängte Scheibe hat wahrscheinlich den Verkauf gebremst. Außerdem fiel kaum Licht in den Laden. Manche Kunden haben den Besitzer gefragt: "Machst du dicht oder renovierst du nur?" Tagsüber sah man halt nur das Laken und nicht die Silhouette."

Fotostrecke: Hier geht es zu den 14 kunstvollen Berliner Schaufenstern. mehr...

Aufgezeichnet von Heike Sonnberger

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
harry_buttle 23.07.2012
Es sind ein paar lustige und pfiffige Kreationen dabei, dies sollte man von Kunststudenten allerdings auch erwarten können. Die Staubsaugernummer ist jedoch ein fake. Ich wurde als Kind verblüfft auf einer Haushaltsmesse, als der Staubsaugervertreter mit seinem Modell die dicken Monozellen (D) vom Teppich aufgesaugt hat. Zuhause an- und dem Messerummel entkommen wurde mir aber sogar als Kind schon klar, dass es ein Taschenspielertrick war. Die nächst kleineren Batterietypen Baby (C) oder gar Mignon (AA) hatte der Sauger nicht gepackt. Die Monozelle hatte idealerweise einen nur wenig geringeren Durchmesser als der Innendurchmesser des Saugrohres und somit war der Ansaugdruck optimal. Ich vermute mal, jeder Sauger dessen Verhältnis von Saugleistung und Eigengewicht das richtige ist, ist auch in der Lage sich an der Decke festzusaugen. Leid tun mir Kunden und Angestellte, wegen des Lärms ;-)
2. Anderswo gibt's das regelmäßig
quaz 23.07.2012
Zitat von sysopAchim HatziusSchaufesterbummel de luxe: 14 Berliner Kunststudenten hatten kein Lust mehr auf öde Auslagen. Also möbelten sie die Vitrinen auf und schufen so große Alltagskunst. Studentin Maria Schwermer inszenierte sogar eine blutige Beziehungstat. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,844638,00.html
Durchaus zum Teil sehr schön gemacht, zum Teil aber auch etwas langweilig. Hier im kleinen Göttingen gibt's das auf jeden Fall regelmäßig bei einem kleinen Trödelladen ("Zeitzeug"), wo im Schaufenster alle paar Wochen wechselnd wahlweise Bauhaus-Utensilien zu Raumschiffen werden, zur Bankenkrise Inflationsgeld aus maroden Registrierkassen wuillt oder an Weihnachten alle Steiff-Tiere gemeinsam "Animal Farm" im Kino gucken. Vielleicht sollte die Autorin mal die echte Kunst im Alltag suchen :)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Kunst
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
Fotostrecke
Studenten lernen Protestieren: Wir sind die Schaumstoff-Guerilla
Zur Person
  • Raphael Guillou
    Maria Schwermer, 26, stammt aus Bremen und studiert seit 2007 an der Berliner Universität der Künste Industriedesign. Sie ist mit dem Studium fast fertig und schreibt bald ihre Diplomarbeit. Zum Lesen kommt sie derzeit selten.

Fotostrecke
Geschäftsidee: Student vermietet Gesicht

Fotostrecke
Geld mit Mehrwert: Werbung für jeden Geldbeutel