"Als wir wussten, dass wir ein Schaufenster gestalten sollen, sind wir ausgeschwärmt, um Ladenbesitzer anzusprechen. Ich bin nach Kreuzberg gegangen, ins Bergmannkiez. Ich wollte eigentlich das Fenster eines Eckladens für Scherzartikel gestalten, er war heruntergekommen und hätte es wirklich nötig gehabt. Doch der Laden machte bald dicht, das hätte sich nicht mehr gelohnt. In der Nähe habe ich die Krimibuchhandlung entdeckt.
Der Besitzer war sehr aufgeschlossen und hat mir gern sein Schaufenster überlassen. Ich habe damit angefangen, mir alte Schwarz-Weiß-Filme anzuschauen, zum Beispiel "M - Eine Stadt such einen Mörder". Er gehört zum Genre Film noir und das spielt sehr viel mit Licht und Schatten. Oft sieht man den Mörder nur als Silhouette an der Wand. Nach einem dieser Filme hatte ich die Idee für mein Projekt.
Ich wollte zuerst eine kitschige Spitzengardine ins Fenster hängen, aber fertige Gardinen sind teuer. Also habe ich weißen Stoff gekauft, ihn zurechtgeschnitten und eine Spitze drangenäht. Mit einem Laserschneider in der Uni habe ich aus einer Holzfaserplatte die Konturen von einer Frau und ihrem Mordopfer ausgeschnitten. Ich habe die Platte schwarz lackiert und mit einem Holzfuß hinter der Gardine aufgestellt.
Werbung irritiert Kunden: "Machst du dicht?"
In einem Bücherregal im Laden habe ich einen Diaprojektor versteckt und eine Zeitschaltuhr eingebaut. Der Projektor sollte automatisch angehen, wenn es dunkel wird, damit die Mordszene als Schatten auf die Gardine fällt. In der ersten Nacht war die Uhr nicht richtig eingestellt, da ist der Projektor durchgebrannt. Drei Projektoren sind in den zwei Wochen kaputtgegangen, in dem die Gardine im Schaufenster hing. Es waren alte Geräte, die ich im Internet ersteigert hatte.
Leider musste die Installation schon wieder weichen. Die abgehängte Scheibe hat wahrscheinlich den Verkauf gebremst. Außerdem fiel kaum Licht in den Laden. Manche Kunden haben den Besitzer gefragt: "Machst du dicht oder renovierst du nur?" Tagsüber sah man halt nur das Laken und nicht die Silhouette."
Fotostrecke: Hier geht es zu den 14 kunstvollen Berliner Schaufenstern. mehr...
Aufgezeichnet von Heike Sonnberger
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