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Hausarbeiten schreiben bei Nacht: Mach sie fertig!

Nachts in der Bibliothek: Schreib jetzt! Fotos
DPA

Sie wissen einfach nicht, wie sie anfangen sollen - und plötzlich ist es zu spät: Die "Lange Nacht der Hausarbeiten" hilft Studenten, ihre chronische Aufschieberitis zu bewältigen.

Im Foyer lockt Kaffeegeruch, Wegweiser leiten Studenten an der Heinrich-Heine-Universität (HHU) in Düsseldorf zum Beratungsmarathon. Es gibt Workshops zu den Themen Prokrastination und Zeitmanagement, sie sollen Studenten helfen, endlich ihre Hausarbeiten zu schreiben und sie nicht länger aufzuschieben.

Auch Dulce Gorigoitia muss eine Hausarbeit schreiben: Sie soll spanische Sonette auf zehn bis 15 Seiten analysieren. "Passt das Thema Liebe überhaupt in 14 Zeilen mit jeweils elf rhythmischen Silben?" - so lautet die Aufgabe. Zwei Monate Zeit hätte die Romanistikstudentin gehabt, doch die Klausuren gingen vor. Der Countdown läuft aber weiter, drei Wochen bleiben noch und bisher steht nur die Einleitung. "Es ist meine erste Hausarbeit, ich wusste nicht, wo ich anfangen soll", sagt die 23-Jährige.

Sie weiß, wie leicht man sich ablenken lässt: Einkaufen gehen, kochen, putzen - alles machte sie lieber, um sich nicht an den Schreibtisch setzen zu müssen. Bei der "Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" geht sie ihren inneren Widerständen nun auf den Grund.

Bei der internationalen Schreibnacht, die seit einigen Jahren in Deutschland stattfindet und an der von Donnerstag auf Freitag rund 20 Hochschulen teilnahmen, sollten die Studenten mit ihren aufgeschobenen Hausarbeiten beginnen und nützliche Tipps für die Bekämpfung der Prokrastination erhalten. Einige Bibliotheken waren bis zum Morgengrauen geöffnet.

Auch auf Twitter dokumentierten Studenten, ihr Vorankommen. Mitten in der Nacht schickten sie unter dem Hashtag #Indah Fotos und Tweets von ihrem Arbeitsplatz.

Einige Studenten waren besonders motiviert und reservierten sogar ihre Sitze mit Handtüchern. Andere kommentierten die Herausforderung auf kreativem Wege und zitierten aus Robert Frosts Gedicht "Stopping by Woods on a Snowy Evening".

Allein an der Düsseldorfer HHU besuchten rund 200 Studenten Vorträge zu autogenem Training, darüber, wie man richtig zitiert und, wie man mit Quellen umgeht. In Einzelgesprächen wurde den Aufschiebern bei Selbstorganisation, Struktur, Recherche und Formatierung geholfen.

Prokrastination ist das Vor-Sich-Hin-Schieben wichtiger Aufgaben. Laut Diplom-Psychologin Angelika Wuttke führt das zu innerem Konflikt, Ärger und Selbstvorwürfen. Wuttke organisiert die Aktion zum dritten Mal an der HHU und bietet psychologische Beratung an. Das häufigste Problem: "Die Studenten wollen beginnen, aber wissen nicht wie", sagt sie. Aufschieberitis erforscht Wuttke seit 25 Jahren. "Verstärkt kommt das Thema seit etwa sieben Jahren vor", sagt sie. Das hänge mit der Studienreform zusammen: Während man früher so lange studieren konnte, wie man wollte, gibt es bei Bachelor und Master Zeitgrenzen. "Jetzt kommen die Studenten unter Druck, das wird zum Problem".

Dulce Gorigoitia findet die "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" nützlich: "Die Schreibberatung hat mir beim Gliedern geholfen", sagt sie. Ihre Ideen weiß sie nun in Form zu bringen. Bei der Literatureinweisung wurde ihr erklärt, wie man recherchiert. Als sie für die Zeitmanagementberatung ansteht, quält sie die letzte Frage: Wie viel Zeit muss sie sich wofür nehmen? Im Gespräch kramt Beraterin Sabine Müller einen Wochenplan raus, der Gorigoitia helfen soll, die Zeit besser einzuteilen. Rohfassung, Freizeit, Überarbeiten. "Wenn ich das so mache, habe ich noch zwei Tage am Schluss Zeit".

Gorigoitia ist nach der Beratung hochmotiviert, fühlt sich bereit, endlich zu beginnen. Ein letzter Kaffee. "Ich kann jetzt anfangen zu schreiben", sagt sie. Anderen geht es ähnlich. In den frühen Morgenstunden lesen sie und tippen auf den Tastaturen. Was passieren kann, wenn man zu lange dabei bleibt?

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Larissa Lee Beck/dpa/kha

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1. Lächerlich
Harry143 07.03.2015
"Studenten wollen anfangen, wissen aber nicht wie" Was für ein Unfug. Das ist reine Faulheit und sonst gar nichts. Ich spreche aus Erfahrung. Für ne mini Hausarbeit von 15 Seiten reicht es in Zeiten von google books und online katalogen mit e-books in den universitäten locker aus 24 Stunden vor Abgabe anzufangen. Bei größerem dann halt entsprechend 2 Tage bis zu ner Woche vorher für ne Abschlussarbeit. Es geht hier nicht um Doktorarbeiten, so ne normale Hausarbeit hat kaum echten Anspruch. Und weil die Studenten das wissen und faul sind schieben sie die Arbeiten halt immer weiter auf bis es nicht mehr geht.
2. Einfach machen!
pharmer 07.03.2015
Ich persönliche finde ja, dass der Sinn in Hausarbeiten nicht im dafür angeeigneten Stoff liegt sondern darin, den Studierenden Selbstkontrolle, eigenständiges Arbeiten und Ehrgeiz näher zu bringen. Ungeachtet dessen, welche Note bei der Hausarbeit raus kommt, wer diese Eigenschaften nicht erfüllt, hat sowieso in einem Leben nach dem Studium schon verloren.
3. Aufschieben
claus.w.grunow 07.03.2015
Darum werden sie alle Politiker. Nichts passiert und wenn, dann nur durch nächtelange Sitzungen und das dann alle 3-Monate.
4.
TS_Alien 07.03.2015
Zitat von Harry143"Studenten wollen anfangen, wissen aber nicht wie" Was für ein Unfug. Das ist reine Faulheit und sonst gar nichts. Ich spreche aus Erfahrung. Für ne mini Hausarbeit von 15 Seiten reicht es in Zeiten von google books und online katalogen mit e-books in den universitäten locker aus 24 Stunden vor Abgabe anzufangen. Bei größerem dann halt entsprechend 2 Tage bis zu ner Woche vorher für ne Abschlussarbeit. Es geht hier nicht um Doktorarbeiten, so ne normale Hausarbeit hat kaum echten Anspruch. Und weil die Studenten das wissen und faul sind schieben sie die Arbeiten halt immer weiter auf bis es nicht mehr geht.
Wenn ich eine Hausarbeit stellen würde, für die man zwei Monate Zeit hätte, wäre die Hausarbeit anspruchsvoll. Eine solche Hausarbeit könnte man nicht in einer Woche erfolgreich bearbeiten. Zu meinen Studentenzeiten hat man offensichtlich mehr verlangt. Ich erinnere mich noch an Seminare, da hat man Wochen gebraucht, bis man das Paper wirklich verstanden hat. Und dann hat man einen Vortrag zu diesem Paper ausgearbeitet und gehalten. Den Kerninhalt der Seminarpapers könnte ich heute noch wiedergeben. Das Niveau-Limbo an den Unis wird sich irgendwann rächen. Weder die Arbeitgeber noch die Pseudoakademiker dürften auf Dauer damit glücklich werden.
5. Arroganz
Shany 07.03.2015
Dieses ewige Studenten-Bashing hier im Forum ist absolut ätzend! Wie gut, dass Sie alle so herausragende Studenten waren, die NIEMALS Fehler gemacht haben, durchgefallen sind oder - Gott bewahre! - etwas vor sich hergeschobene haben. Glückwunsch! Für alle anderen: es ist lächerlich zu behaupten, eine wissenschaftliche Arbeit, egal ob 10 oder 20 Seiten, könnte man innerhalb einer Woche fertig stellen. Wenn Sie das geschafft haben, wird dabei nichts qualitatives herausgekommen sein. Und übrigens gibt nutzen Ihnen google und ebooks nur bedingt, denn wissenschaftliche Literatur (z.B. Fachjournale) bekommen Sie meist nur über den Zugang an Ihren Unis. Aber egal, Sie haben hier ja sowieso alle die Weisheit mit Löffeln gefressen und die heutige Studentengeneration sind nur lauter faule Nichtsnutze.
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