Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Auslaufende Studiengänge in NRW: Tausende Lehramtsstudenten fürchten um Abschluss

Von

Student in Köln (Archiv): "Studenten sollen nicht ins Bodenlose fallen" Zur Großansicht
DPA

Student in Köln (Archiv): "Studenten sollen nicht ins Bodenlose fallen"

Ab nächstem Jahr laufen die alten Lehramtsstudiengänge in NRW aus. Mehrere Tausend angehende Lehrer müssen bis dahin fertig werden - oder auf einen anderen Abschluss wechseln. Studentenvertreter und Unis kämpfen nun für einen Aufschub.

Sie studieren schon seit mehreren Jahren, und ihre Semesterzahl ist zweistellig: Nun bekommen Tausende Lehramtsstudenten in Nordrhein-Westfalen Probleme. Viele von ihnen können ihr Fach womöglich nicht so abschließen, wie sie sich das vorgestellt haben. Denn sie studieren noch nach dem alten Modell, das mit einem Staatsexamen abschließt. Und dieses läuft bald aus.

Diejenigen, die auf Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule studieren, können dies nur noch bis Ende des Sommersemesters 2016 tun. Für die angehenden Lehrer aller anderen Schulformen laufen die Studiengänge im Frühjahr 2017 aus.

An der Uni Köln sind nach eigenen Angaben rund 6000 Studenten vom Auslaufen der Abschlüsse betroffen, die Uni Münster geht von 600 Studenten aus. Laut der studentischen Dachorganisation fzs sollen in ganz NRW 13.000 Studenten vom Auslaufen der Abschlüsse betroffen sein. Sie alle haben mit dem Lehramtsstudium vor 2011 begonnen. Damals haben alle nordrhein-westfälischen Hochschulen ihre Lehramtsstudiengänge auf ein Bachelor-Master-Abschlüsse umgestellt.

Patrick Honecker, Sprecher der Uni Köln, sagt, die Studenten seien ausreichend über die Fristen informiert worden. Die Hochschule habe ihnen die Regelstudienzeit plus vier Semester gegeben, um das Studium zu absolvieren. Vorwürfe macht er den Studenten aber nicht. Das Studium könne sich eben länger hinziehen, wenn man ein Kind bekäme, krank werde oder man Angehörige pflegen müsse. "Wir versuchen, jeden dazu zu bringen, es zu schaffen", sagt er. Die Uni Köln will den betroffenen Studenten daher vorrangig Seminarplätze anbieten und hat eine zentrale Stelle eingerichtet, in der sie sich beraten lassen können.

Weichere Härtefallregelung

Auch die Universität Duisburg-Essen setzt sich für die angehenden Lehrer ein: "Die Härtefallregelung muss weicher gestaltet werden", sagt Sprecherin Beate Kostka.

Der fzs fordert, die Auslauffristen der alten Abschlüsse abzuschaffen. Die Bildung mündiger Persönlichkeiten werde durch "Hetze und Konformitätsdruck erschwert", heißt es in einer am Mittwoch gestarteten Unterschriftenkampagne. Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt den fzs. "Wir dürfen die Studenten nicht ins Bodenlose fallen lassen", sagt Berthold Paschert, der bei der GEW in Nordrhein-Westfalen für Hochschule und Wissenschaft zuständig ist.

Die GEW schickte am Donnerstag einen Brief an das Wissenschafts- und Schulministerium von NRW. Darin fordert die Gewerkschaft, die Auslauffristen zu verlängern. Zudem sollen "alle Ressourcen zur Beratung und Unterstützung" mobilisiert werden, damit die Studenten das Lehramtsstudium nach der alten Prüfungsordnung erfolgreich abschließen können. Bei den Härtefallregelungen sollen unter anderem Betreuungs- und Erziehungszeiten berücksichtigt werden, längere und chronische Krankheiten sowie studentisches Engagement.

Mit Material von dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Sorry, aber NRW hat ja nun wohl lange genug das alte System aufrecht erhalten...
politik-nein-danke 23.04.2015
Wer in der Regelstudienzeit +4 Semester nicht zum Abschluss kommt, der hat doch gar kein Interesse am Abschluss sondern nur am Lotterleben...
2. Alles Härtefälle?
lemmy01 23.04.2015
13.000 Studenten sollen in NRW betroffen sein? Und wie viele Studentinnen? Es handelt sich wahrscheinlich um 13.000 Studierende. Seit wann ist man denn bei SPON so politisch inkorrekt? Und wahrscheinlich sind das alles Härtefälle? Da könnte man fast auf die Idee kommen Lehramtstudierende wäre grundsätzlich Härtefälle...
3.
DocMitchell 23.04.2015
@politik-nein-danke: genau...keine Unterstützung von den Eltern, kein Bafög, schlechtbezahlte Studentenjobs, unbezahlte Praktika ( Usus bei Lehramtsstudenten) undeine Wohnung die bezahlt und im Zweifel ein Kind das versorgt werden will; eine Online-Vergabe von Seminarplätzen (KLIPS) die seit Jahren mehr Probleme bereitet, als sie zu lösen, und folglich wenige oder ungünstige, meist überlaufene Seminare. Aber Sie haben natürlich Recht, Studenten sind faul und tun nix, sitzen rum, haben nichts besseres zu tun als auf Spiegelonline Kommentare zu verfassen. Ach ne, das letzte war ja jemand anderes... ...Warum muss man denn dieses Studienformat auslaufen lassen? So lange keine neuen zugelassen werden, wird sich das Problem mit der Zeit doch von selbstlösen. Bürokratisch kein großer Akt, in 10 Jahren sind es dann nicht mehr so viele, denen man auf den Schlips treten muss.
4. Nicht alle sind faul
jorgos 23.04.2015
Zitat von DocMitchell@politik-nein-danke: genau...keine Unterstützung von den Eltern, kein Bafög, schlechtbezahlte Studentenjobs, unbezahlte Praktika ( Usus bei Lehramtsstudenten) undeine Wohnung die bezahlt und im Zweifel ein Kind das versorgt werden will; eine Online-Vergabe von Seminarplätzen (KLIPS) die seit Jahren mehr Probleme bereitet, als sie zu lösen, und folglich wenige oder ungünstige, meist überlaufene Seminare. Aber Sie haben natürlich Recht, Studenten sind faul und tun nix, sitzen rum, haben nichts besseres zu tun als auf Spiegelonline Kommentare zu verfassen. Ach ne, das letzte war ja jemand anderes... ...Warum muss man denn dieses Studienformat auslaufen lassen? So lange keine neuen zugelassen werden, wird sich das Problem mit der Zeit doch von selbstlösen. Bürokratisch kein großer Akt, in 10 Jahren sind es dann nicht mehr so viele, denen man auf den Schlips treten muss.
Wer sein Studium nicht unter einer zweistelligen Semesterzahl hinbekommt, ist entweder faul oder zu dumm. Selbst für den Lehrerberuf. Aber wahrscheinlich sammeln sich in diesem Bereich überproportional viele Weicheier. In meinem Fachbereich war das jedenfalls anders.
5. Arroganz
cherrypicker 23.04.2015
Die versammelte Arroganz in drei der ersten vier Kommentare lässt tief blicken. Ich wünsche den Kommentatoren zahlreiche Kinder, die sie ja dann alle auf Privatschulen schicken müssen, weil unsere angehenden Lehrer so dumm sind. Hoffentlich verdienen die Betreffenden dann genug Geld, um die Privatschulen auch bezahlen zu können. Aber das wird schon, scheinen ja echte Leistungsträger zu sein, die sind schlau und fleißig und schaffen das schon.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH