Die junge Frau aus dem Seminar schlief aufgrund ihres Lernpensums kaum länger als vier Stunden pro Nacht. Das ist viel zu wenig, denn Lernen findet im Schlaf statt - nicht umsonst heißt es oft: Schlaf erst mal eine Nacht drüber.
Denn im Schlaf festigt das Gehirn die Gedächtnisinhalte und führt sie in den Langzeitspeicher über. Es benötigt dabei jene neuronalen Netzwerke, die tagsüber eingehende Informationen verarbeiten, das konnten Forscher in vielen Experimenten zeigen. Die Signale würden sich also in die Quere kommen, wenn beides gleichzeitig ablaufen würde.
Der Schlafforscher Jan Born, Direktor am Institut für Neuroendokrinologie an der Universität Lübeck, hat zusammen mit seinen Kollegen Probanden Vokabeln lernen lassen. Ein Teil der Versuchsteilnehmer durfte danach schlafen, die anderen mussten wach bleiben. Die Schläfer merkten sich die Vokabeln besser und behielten sie länger im Gedächtnis als die Vergleichsgruppe. Im Magnetresonanztomografen zeigte sich zudem, dass bestimmte Areale der Großhirnrinde beim Abfragen der Vokabeln bei ihnen aktiver waren als bei den Unausgeruhten.
Besser: Gehen Sie rechtzeitig ins Bett und gönnen sich ausreichend Schlaf, besonders am Tag vor der Prüfung. Wie viel ausreichend ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Der Wert schwankt - zum Teil erheblich - um acht Stunden herum. Schlafmangel hat einen ähnlich verheerenden Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit wie Alkohol.
Zahlreiche Experimente belegen, dass ein kurzer Mittagsschlaf eine positive Wirkung auf die Gesundheit und die geistige Leistungsfähigkeit hat. 10 bis 20 Minuten reichen aus; länger wäre sogar schädlich, denn es beeinflusst den Nachtschlaf negativ. Fast alle Menschen fallen am frühen Nachmittag, ungefähr zwischen 13 und 15 Uhr, in ein Leistungstief - es wäre also besser, in diesem Zeitraum keine geistig herausfordernden Aufgaben lösen zu müssen.
Da das Gehirn während des Schlafs für diese Schwerarbeit Energie benötigt, greift es auf den Glukosespeicher in der Leber zurück. Dieser leert sich über Nacht. Sie sollten ihn durch ein Frühstück aus Obst und kohlenhydratreicher Kost wieder auffüllen, denn ohne eine ausreichende Glukoseversorgung können sie am Morgen keine geistigen Hochleistungen vollbringen.
Genau genommen hat die junge Frau noch einen vierten Fehler begangen. Einem ähnlichen Fehler erliegen viele Studierende, wenn sie an einem schönen Tag ins Schwimmbad gehen und dort für eine Prüfung lernen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass man sich in der Umgebung, in der das Wissen abgespeichert wurde, leichter an dieses Wissen erinnert. Forscher hatten dazu in einem Experiment Probanden gebeten, Wortlisten beim Tauchen auswendig zu lernen. Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer sich später unter Wasser an mehr Wörter erinnern konnten als an Land. Im Schwimmbad zu lernen, bietet sich also nur an, wenn man die Schwimmmeister-Prüfung pauken will.
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