Lerntipps: So werden Studenten fit für die Klausur

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Corbis

Verzweifelt überm Angabenblatt: Das weiß ich doch...?!

Die Klausuren nahen, der Stress beginnt. Was also tun? Literweise Kaffee und nächtelanges Lernen bringen wenig. Hier erfahren Studenten, wie sie sich sinnvoll auf die Prüfungen vorbereiten: Zehn Lektionen auf dem Weg zur guten Note.

Faulenzen in den Semesterferien? Von wegen! Bei vielen der 2,5 Millionen Studenten in Deutschland steht dann die nächste Klausurenphase an. Lernstress oder Panik lassen sich in dieser Phase aber vermeiden. Nur wie?

Der UniSPIEGEL gibt Rat: Zehn Tipps, wie sich besser lernen lässt. Manches liegt nah, auf anderes muss man erstmal kommen.

  • Jeder weiß es, viele machen es trotzdem nicht: rechtzeitig anzufangen. "Im Zweifel also jetzt", sagt Martin Schuster, Psychologe und Autor des Buches "Besser lernen". Der erste Schritt: den Stoff zu sichten. Dabei am besten nicht nur den Dozenten zum abgeprüften Stoff befragen. Gute Ratschläge geben auch ältere Kommilitonen, die die Klausur schon hinter sich haben.
  • Einen Lernplan machen: Nachdem der Lernstoff eingegrenzt ist, sollte man ihn portionieren. Am besten orientieren sich Studentent dabei an inhaltlichen Blöcken - in Geschichte zum Beispiel lässt sich der Stoff zum Römischen Reich in einzelne Epochen unterteilen. "Dann schaue ich mir an: Wie viele Tage habe ich Zeit zum Lernen - Feiertage am besten schon mal herausstreichen", empfiehlt Nina Zimmermann, Lernberaterin an der Uni Regensburg. Die Lern-Häppchen verteilt man dann gleichmäßig auf die einzelnen Tage und hält sie im Kalender fest. Etwa zehn Prozent der Lernzeit sollte man als Puffer für unerwartete Ereignisse einplanen.
  • Texte zusammenfassen: Aufzeichnungen aus Vorlesungen kann man zur Not von Kommilitonen kopieren. Texte selbst zusammenzufassen, steigert aber den Lerneffekt. "Den Text einmal komplett durchlesen und dann festhalten: Was sind die Hauptaussagen?", empfiehlt Gerald Hüther, Hirnforscher an der Universität Göttingen. "Dann den Text noch einmal durchlesen und die Details themengebunden in verschiedenen Farben herausschreiben." Infos zum Römischen Reich bis Christi Geburt notiert man zum Beispiel in Blau, Infos für die Zeit danach in Rot.
  • Merkhilfen schaffen: Der Lernstoff lässt sich leichter merken, wenn er mit Emotionen verbunden wird. Das lässt sich zum Beispiel erreichen, indem man ihn in einen persönlichen Kontext setzt: Wo begegnet mir zum Beispiel diese chemische Verbindung im Alltag? Und welchen Zusammenhang hat sie zu Verbindungen, über die ich bereits viel gelernt habe? Für Sprachen taugen bildliche Eselsbrücken: "Süt" (türkisch: "Milch") klingt so ähnlich wie "Süß" - und süße Kekse schmecken mit Milch besonders gut.
  • Den Lernstoff wiedergeben: Viele nehmen beim Lernen den Stoff nur auf. Sie üben aber nicht, ihn wiederzugeben. "Ich muss mich innerlich immer wieder abfragen: Was habe ich da gerade gelernt?", betont Schuster. Der Klassiker: Karteikarten mit Fragen. Ebenfalls hilfreich sind große Plakate in der Wohnung, auf die man die Fragen zum Lernstoff schreibt. Sieht man die Frage im Vorbeigehen, versucht man sie unbewusst zu beantworten. "Besonders effektiv ist es, wenn man kurz vorm Schlafengehen das am Tag Gelernte noch einmal komplett aufsagt", empfiehlt Neurobiologe Hüther. "So bleibt der Stoff im Langzeitgedächtnis."
  • Den Lerntag strukturieren: Den ganzen Tag in der Bibliothek alleine vor sich hinzulernen, ist selten effektiv. Die ideale Aufteilung eines Lerntags geht so: Vormittags alleine lernen, am späten Mittag mit Freunden in der Mensa essen und nachmittags das Gelernte gegenseitig abprüfen, rät Zimmermann. "Abends kann man dann alleine weiterlernen, wenn man gemerkt hat, dass man noch Stoff aufholen muss - oder man kann sich eine Pause bis zum nächsten Morgen gönnen, wenn man gut vorangekommen ist."
  • Pausen machen: Manche Studenten können den ganzen Tag durchlernen. "In der Regel sollte man aber nach ein bis zwei Stunden intensiven Lernens eine Pause von rund zwanzig Minuten einlegen", sagt Zimmermann. Schlechte Pausenbeschäftigungen sind fernsehen, im Internet surfen oder Videospiele. "Die Reizüberflutung kann das Gelernte schnell überschreiben", warnt Hüther.
  • Schokolade als Belohnung: Die ideale Ernährung zum Lernen sei bisher noch nicht gefunden, sagt Psychologe Schuster. "Kaffee wird als Wachmacher geschätzt - das Koffein kann aber bei ängstlichen Personen die Nervosität verstärken." Schokolade beruhigt die Nerven, macht aber dick. Gegen ein kleines Stück Schokolade als Belohnung für zwei Stunden Lernerei spricht aber eigentlich nichts.
  • Letzter Tag vor der Klausur: An diesem Tag sollten Studenten nichts Neues mehr lernen, sondern den bisherigen Stoff wiederholen. Gute Methode dafür: Einen oder mehrere kleine Spickzettel schreiben. "Wenn man in kleiner Schrift schreibt, muss man sich besonders auf das Rekapitulierte konzentrieren", so Schuster. Den Spicker lässt man anschließend aber zu Hause - nicht, dass man sich zu einem Täuschungsversuch verleiten lässt.
  • Ausreichend Schlaf: Vor der Prüfung sollte man sich rund sieben Stunden Schlaf gönnen. "Wenn es etwas weniger ist, sorgt das Adrenalin dafür, dass man wach bleibt", beruhigt Zimmermann. Eine komplette Nachtschicht vor der Prüfung ist aber wenig ratsam: 24 Stunden ohne Schlaf schwächen den Körper wie 1,0 Promille Alkohol im Blut. Stattdessen lieber ausgeschlafen und rechtzeitig zur Uni fahren, um sich in Ruhe einen Platz im Prüfungsraum zu suchen. Bevor man das Aufgabenblatt bekommt, sollte man sich überlegen: "Gehe ich die Fragen der Reihe nach durch, oder fange ich mit einem bestimmten Themenbereich an?", sagt Zimmermann.

Dann kommt der große Moment: Die Klausur beginnt. Viel Erfolg.

Samuel Acker/dpa/otr

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insgesamt 12 Beiträge
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1. optional
atropin 21.01.2013
Gut, dass ich diese Tipps vor meiner Klausurphase studiert habe. Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen.
2. Nichts Neues - schade!
Rollvieh 21.01.2013
Richtig hilfreich wären ja Tipps dazu, wie man eine Klausur auch dann besteht, wenn man leider doch zu spät mit dem Lernen angefangen hat, nur noch ein Notprogramm fahren kann und also zwangsläufig suboptimal vorbereitet in die Klausur geht...
3. ...
onkelbenz,derechte 21.01.2013
Zitat von sysopCorbisDie Klausuren nahen, der Stress beginnt. Was also tun? Literweise Kaffee und nächtelanges Lernen bringen wenig. Hier erfahren Studenten, wie sie sich sinnvoll auf die Prüfungen vorbereiten: Zehn Lektionen auf dem Weg zur guten Note. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/lerntipps-fuer-studenten-wie-man-sich-auf-klausuren-vorbereitet-a-878395.html
Danke für die Tips. Wer eine Mutti hat(te), die es interessiert hat, wie man in der Klassenarbeit abschneidet, hätte sich die Ratschläge schon in der sechsten klasse abholen können. Ferner: Wieviele Leute studieren ein Fach, meinethalber etwas mit Linguistik, in dem man wissen sollte, was Milch auf türkisch heißt?! Ich lasse schon extra Kreuzbergbesuche fallen, werde ich hier auch nur noch zugespamt?!
4.
hemithea 21.01.2013
Zitat von onkelbenz,derechteDanke für die Tips. Wer eine Mutti hat(te), die es interessiert hat, wie man in der Klassenarbeit abschneidet, hätte sich die Ratschläge schon in der sechsten klasse abholen können. Ferner: Wieviele Leute studieren ein Fach, meinethalber etwas mit Linguistik, in dem man wissen sollte, was Milch auf türkisch heißt?! Ich lasse schon extra Kreuzbergbesuche fallen, werde ich hier auch nur noch zugespamt?!
Und wie viele Schüler haben diese Ratschläge befolgt? Und nicht auf den letzten Drücker gelernt?
5. der wichtigste Tip fehlt leider
tip087 21.01.2013
Finden Sie so viel wie irgend moeglich ueber vorige Pruefungen bei dem selben Dozenten heraus!! Oft gibt es Fragensammlungen in der Fachschaft o.ae. (wenn nicht, fangen sie damit an, so eine Sammlung anzulegen!!!), fragen sie Komilitonen!! (nicht Dozenten, das bringt nicht viel) Warum? Jeder hat sein Lieblingsgebiet, seinen Lieblingsstil, und seine Lieblingsfragen. Und zu jedem Gebiet gibt es auch nur eine begrenzte Zahl sinnvoller, anspruchsvoller und beantwortbarer Fragen. Daher wird eine Pruefung jeweils der vorigen aehneln, und spaetestens nach einigen Jahren wiederholen sich die Fragen (oft gibt es sogar schon bei der naechsten Pruefung starke Ueberlappungen, die einen aus dem groebsten retten koennen). Das gilt natuerlich nur, wenn der Dozent derselbe bleibt. Also: - was ist der Stil der Pruefung (auswendig gelerntes abfragen, Transferfragen, multiple choice, Texte, Berechnungen)? - zu welchen Gebieten wird konkret gefragt - welche Fragen werden gestellt? Wenn sie die Fragen aus vorigen Pruefungen beantworten koennen (ohne auf die Loesung zu schauen! am besten ohne die gelesen zu haben) dann koennen sie schon fast nicht mehr durchfallen - was sind Kniffe bei den Fragen (z.B. Schemata bei multible choice?)? - fragen sie sich dann: kann man denselben Fragenstil auch zu anderen Begriffen/Bereichen (aus dem Fachgebiet natuerlich) stellen? DAS sollten die Fragen sein, die sie dann in der Lerngruppe (oder auch alleine) bearbeiten - fuer muendliche Pruefungen: ueben sie die Fragen muendlich (laut!) zu beantworten! Falls der Dozent das macht: Bereiten sie etwas fuer die Frage vor 'worueber moechten sie denn gerne reden' - das ist IHRE Zeit! Es kann nichts mehr gefragt werden, was sie NICHT wissen. - fuer schriftliche Pruefungen: ueben sie das schriftliche Beantworten der Fragen/Aufgaben, so wie es verlangt wird (Stichpunkte, durchformulierte Texte etc.) Sie SOLLTEN frueh genug mit dem Lernen anfangen, und dann von vorigen Pruefungen aus den Stoff MIT Verstaendnis erarbeiten. Wenn es doch knapp werden sollte: an die Fragen halten, und die beantworten koennen! (notfalls ohne Sinn und Verstand). Viel Glueck! .... und nicht vergessen: gleich nach oder sogar waehrend der Pruefung (nur wenn sie genug Zeit haben) einen Fragenkatalog fuer ihre Nachfolger erstellen. (Zusammenfassung aus Erfahrung als Schueler, Student, Dozent und Prof!!)
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