Leuphana Uni Lüneburg: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vizepräsidenten

  Geplanter Libeskind-Bau: " Anhaltspunkte für den Vorwurf der Untreue"    Zur Großansicht
Leuphana / DPA

Geplanter Libeskind-Bau: "Anhaltspunkte für den Vorwurf der Untreue"

Gegen den Vizepräsidenten der Leuphana Uni Lüneburg wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet: Ein Bericht der europäischen Anti-Betrugsbehörde enthält laut Staatsanwaltschaft "zureichende Anhaltspunkte für den Vorwurf der Untreue" - es geht um den prestigeträchtigen Libeskind-Bau.

Die Leuphana Universität Lüneburg gerät wegen des umstrittenen Libeskind-Gebäudes stärker unter Druck: Die Staatsanwaltschaft Verden hat ein Ermittlungsverfahren gegen Holm Keller, den Vizepräsidenten der Leuphana, eingeleitet. Das Verfahren sei zur weiteren Bearbeitung an die zuständige Staatsanwaltschaft Stade abgegeben worden, teilte die Behörde in Verden am Mittwoch mit. Es geht dabei um mögliche Untreue.

Hintergrund sind Vorwürfe im Zusammenhang mit dem neuen Zentralgebäude der Uni, das der amerikanische Stararchitekt Daniel Libeskind für mehr als 60 Millionen Euro errichten soll. Der Libeskind-Bau ist ein Prestigeprojekt von Uni-Präsident Sascha Spounund seinem Stellvertreter Holm Keller.

Die europäische Anti-Betrugsbehörde Olaf hat kürzlich laut "Weser-Kurier" in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen die Hochschule erhoben: Die Universität soll demnach gegen Vergaberichtlinien verstoßen haben. Der Auftrag für den Neubau soll an Libeskind vergeben worden sein, ohne ihn vorher auszuschreiben. Libeskind ist nebenberuflich an der Leuphana Universität als Professor beschäftigt. Neben seinen Professorenbezügen hat der Stararchitekt mit der Uni einen Beratervertrag. Aus diesem ungewöhnlichen Anstellungs- und Bezahlungskonstrukt könnten sich - so die EU-Korruptionswächter - "Hinweise auf eine mögliche Vorteilsnahme im Amt oder auf Untreue ergeben".

Der Olaf-Abschlussbericht enthalte zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für den Vorwurf der Untreue, teilte ein Sprecher der Verdener Staatsanwaltschaft nun mit. Gegebenenfalls würde auch Hinweisen auf einen Subventionsbetrug nachgegangen. Es würden allerdings keine Ermittlungen wegen des Verdachts von Korruptions- oder Wettbewerbsdelikten im Zusammenhang mit dem Neubau des Zentralgebäudes aufgenommen.

Uni weist Vorwürfe zurück

Die Uni weiß nicht, was in dem EU-Bericht steht, der Anfang Juni an das niedersächsische Wissenschaftsministerium überstellt wurde. Ein Sprecher weist die Vorwürfe jedoch zurück: Nach Auffassung der Universität seien alle "wesentlichen Ausschreibungen zur Vergabe von Architekten- bzw. Fachplanerleistungen ordnungsgemäß durchgeführt, dokumentiert sowie in Abstimmung und nach Beratung mit einem erfahrenen Vergaberechtler vorgenommen" worden. "Aus Sicht der Universität ist es daher ausgeschlossen, dass es zu Verstößen gegen Vergabevorschriften gekommen ist. Die Leuphana geht folglich davon aus, dass ein strafrechtlich relevanter Vorwurf gegen Mitglieder der Universitätsleitung nicht erhoben werden kann", teilte die Leuphana am Mittwoch mit.

Seit Monaten wird bereits auf der großen Campus-Baustelle gewerkelt. Eigentlich sollte der Neubau Ostern 2014 fertig werden und knapp 60 Millionen Euro kosten. Nun hat die Uni bereits einen finanziellen Mehrbedarf von 7,5 Millionen Euro angemeldet und will eine achtmonatige Bauverlängerung beantragen. Die Leuphana ist eine Stiftungsuniversität und kann daher relativ selbständig agieren.

Ursprünglich war eine Mischfinanzierung für den neuen Prachtbau vorgesehen: 21 Millionen vom Land Niedersachsen, 10 Millionen Euro von der EU, 7 Millionen Euro von der Stadt und vom Landkreis Lüneburg, der Rest sollte vom Bund, Kirchen, Sponsoren und aus dem Uni-Etat finanziert werden. Was passiert, wenn die EU ihre Gelder aufgrund der Vorwürfe doch nicht auszahlt, ist derzeit offen.

lgr

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1. Unis sind oft korrupt
plagiatejäger 27.06.2013
Das beweisen auch bay. Unis nicht nur im Falle Guttenberg, sondern auch die Förderung von Lagiatoren in der Biophysik und quasi-Habilitation durch Plagiat.
2. Hochschule Hitzacker
movfaltin 27.06.2013
Tja, mal wieder die Hochschule Hitzacker in den Medien. Mal wieder negativ. Mal wieder selbstherrlich. Mal wieder kein neutrales oder gar einsichtiges Statement der Hochschulführung, sondern verklausuliertes Juristengeschwurbel im selbsterklärten Stiftungsleuchtturm. Es wird echt peinlich!
3.
plietsch 27.06.2013
Zitat von movfaltinTja, mal wieder die Hochschule Hitzacker in den Medien. Mal wieder negativ. Mal wieder selbstherrlich. Mal wieder kein neutrales oder gar einsichtiges Statement der Hochschulführung, sondern verklausuliertes Juristengeschwurbel im selbsterklärten Stiftungsleuchtturm. Es wird echt peinlich!
Allerdings. Wobei all diese Verflechtungen ja schon seit Ewigkeiten bekannt sind. Dafür erreicht die Heide-FH regelmäßig eine Aufmerksamkeit, die die wenigsten Massenunis kriegen. Zumindest seitens der Medien. In der Hochschullandschaft bzw. im Uni-Betrieb spielt diese Hochschule ja gar keine Rolle und auch die Absolventen haben es aufgrund der Lehrbedingungen nicht einfach. Aber nun gut, sowas verkauft sich halt besser als innovative Lehrmethoden, Forschungserfolge oder Fragen zu Drittelmittelprojekten. Vielleicht verplempert ja ein AStA in Wanne-Eickel mal etwas Geld. Dann gibt's wieder neue Artikel zum Lesen.
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