Hilfe vom WG-Psychologen: Der Freund der Mitbewohnerin nervt

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Corbis

Streit in der WG: Was tun, wenn man den Liebsten der Mitbewohnerin nicht erträgt?

Sie waren befreundet, deswegen zogen sie zusammen - dann erst lernte Lena ihre Freundin richtig kennen: Ihre Macken und Neurosen hält sie irgendwie aus, nur ihren Freund erträgt sie nicht. Doch der ist quasi in die WG eingezogen. Was tun? WG-Psychologe Ludger Büter weiß Rat.

Wohngemeinschaften sind eine tolle Erfindung. Das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie spülen nicht ab, leeren fremde Nutella-Gläser, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Was tun?

WG-Krach ist für Ludger Büter Alltag. Der 59-jährige Psychologe schlichtet im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer der UniSPIEGEL-Leser. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Lena schreibt:

Seit vergangenem Jahr wohne ich mit drei Frauen und einem Mann zusammen, alle studieren noch, und wir kennen uns schon sehr lange. Eigentlich eine Wunsch-WG.

Mit der Zeit stellte sich aber heraus, dass Luisa (Name geändert) ein sehr sauberer und penibler Mensch ist. Sie verlangt beispielsweise, dass wir Putzschwämme alle drei Tage wechseln. Sie wäscht die komplette Wäsche nochmals, wenn die Türen zu Wohnzimmer und Küche offen standen - weil sonst alles nach Essen riechen würde. Deswegen duscht sie sich auch nach jedem Essen. Sie dreht auch gern die Heizung auf fünf und lässt die Fenster offenstehen. Natürlich müssen alle Mitbewohner die erhöhten Kosten mittragen. Soweit haben wir alles ertragen.

Jetzt kommt aber ihr Freund ins Spiel. Obwohl seine eigene WG etwa drei Minuten von uns entfernt liegt, übernachtet er fast jede Nacht bei uns. Er kocht bei uns (aber nicht für uns), benutzt Toilette und Dusche, schaut Fernsehen. Er ist sogar dann da, wenn Luisa weg ist.

Zwar beteiligt er sich am Essensgeld, jedoch nicht an Wasser-, Strom-, Müll- oder Mietkosten. Luisa scheint ihren Freund zu motivieren, bei uns zu leben - seine Mitbewohner beeinflussen ihn angeblich putztechnisch negativ. Kurzum: Ihr Freund erscheint uns wie ein unwillkommener fünfter Mitbewohner.

Nun möchte Luisa ihm auch noch einen Wohnungsschlüssel geben. Uns hat sie nicht um Erlaubnis gefragt. Wir möchten aber nicht, dass er vollends Zugriff auf die WG hat. Wir würden uns freuen, wenn sie auszöge, das aber will sie nicht. Was raten Sie mir?

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Doktor Ludger Büter antwortet:

Sie sind sehr tolerant im Hinblick auf Luisas verschwenderischen Umgang mit Wasser und Energie. Vielleicht veranlasste dieses Entgegenkommen Ihre Mitbewohnerin, weitere Grenzen auszutesten und einige zu überschreiten.

Natürlich darf Luisas Freund sie in Ihrer WG besuchen, nicht aber seinen Lebensmittelpunkt dorthin verlegen. Sein Problem in der eigenen WG vollziehe ich nicht nach. Dass er bei Ihnen lebt, müssen Sie nicht akzeptieren.

Es darf als guter Grundsatz gelten, sich als Gast in einer WG so unauffällig wie möglich zu bewegen und sich verabredeten Gepflogenheiten anzupassen. Wer etwas anderes will, lädt seine Freundin dorthin ein, wo er selbst zu Hause ist.

Wenn er bei Ihnen die Toilette, das Bad, die Küche benutzt, ist das allein noch kein Verstoß gegen gute Sitten. Das hängt zum Beispiel davon ab, in welchem Zustand er diese verlässt. Beansprucht er darüber hinaus Ihre Gastfreundschaft, als wäre er ein WG-Mitglied wie alle anderen, wehren Sie sich zu Recht dagegen.

Ich empfehle Ihnen unbedingt, sich auf eine Besucherregelung zu einigen, wenn Sie das aufgrund des freundschaftlichen Einvernehmens vor Ihrer WG-Zeit versäumt haben. Stellen Sie sich dabei einfach vor, Sie alle hätten einen Partner, der Sie zwar besuchen darf, aber nicht bei Ihnen wohnen soll.

Ob dabei auch der Schlüssel weitergegeben werden darf? Das ist eine Sache des Vertrauens, deswegen sollten Sie gemeinsam darüber entscheiden. Luisas Freund hat darauf keinesfalls Anspruch.

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
HuFu 08.03.2013
Dazu braucht es keinen Psychologen, um Ratschläge zu geben. Klare Ansage machen an die Dame mit Freund. Klare Regeln müssen her - inklusive Frist bei Verstoß. Sollte das nicht reichen, dann in der WG gemeinsam beschliessen, ob Dame gehen darf aufgrund des Nichteinhaltens diverser Regeln. Punkt aus. So. Und wozu braucht es nun einen Psychologen? ;)
2. optional
Forenleser 08.03.2013
Wofür ein Artikel? Sie soll ausziehen und sich ne eigene Wohnung suchen und ne neue Freundin.
3. Schnorrer
maniak 08.03.2013
Luisa testet nicht nur ihre Grenzen aus, sie ist eine Schnorrerin, wenn sie ihre "Empfindlichkeiten" auf Kosten der WG auslebt. Doppelt und dreifach Wäsche waschen und duschen? Fenster auf mit Heizung? Würde sie nicht machen, wenn sie die Kosten allein tragen müsste. Egozentrisch und egoistisch. Ihr Freund wird dazu mitererzogen. Kenne das auch aus meiner WG. Immer teuer einkaufen auf Kosten der WG, weil man zu faul ist, 50 m weiter in den Discounter zu gehen. Heizen beim offenen Fenstern. mindestens drei Lampen im Zimmer an, ohne selbst stundenlang im Zimmer zu sein. Resistent auf Kritik, man will sich ja nicht in seiner Lebensqualität einschränken. Solange die Kosten von den anderen mitbezahlt werden, ist der Schnorrer verschwenderisch. Aber allein, dann sind diese Personen nach anfänglicher Verschwendung und den Schock bei der Nachzahlung plötzlich so geizig, dass sie gar keine Heizung mehr anmachen in ihrer Wohnung. Mehrkosten die verursacht werden ausrechnen und bezahlen lassen. Jedes Schnorrertum von vornherein unterbinden. Was kostet eine Dusche? Ein Euro? Und was wenn der Freund täglich duscht? Ausrechnen und präsentieren. So schnell wie die beiden ausziehen kann man gar nicht mehr gucken.
4.
insel-äffchen 08.03.2013
Das kenne ich auch aus meiner letzten WG. Ein Mitbewohner hat von Anfang an immer jemanden da gehabt. Zuerst eine Freundin, dann seine Freundin, dann seinen Bruder. Einem neuen Mitbewohner wurde das zu bunt und er hat sich beim Vermieter beschwert, als persönliche Gespräche nicht gefruchtet haben. Ende vom Lied: Niemand durfte mehr ohne Zustimmung der anderen Mitbewohner Besuch haben, weder über Nacht noch sonst wie. Außerdem "durfte" der Besucherliebende Mitbewohner die extra Kosten bei Strom, Gas und Wasser alleine tragen.
5. optional
grindwinder 08.03.2013
@ HuFu & Forenleser Und wozu braucht es nun Ihrer Kommentare hier? Um darüber zu poltern, dass es den Artikel gibt? Dann ignorieren Sie ihn doch einfach! Eine unerträgliche Unsitte dieser Tage, dass ob virtueller Anonymität über alles und über jeden gemeckert werden muss. Ich nehme mich mit diesem Kommentar übrigens ausdrücklich nicht aus.
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    Ludger Büter, 62, ist Diplom-Psychologe und arbeitete über 30 Jahre für das Kölner Studentenwerk. Fünf Jahre hat er WG-Bewohner beraten, die ihre Konflikte nicht mehr selbst lösen können.

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