Mail vom Uni-Präsidenten: Professoren, spendet für eure Studenten!

Die Idee des Präsidenten der Uni Hannover klingt sympathisch: In einer Mail bat er seine Professoren um eine jährliche Spende von 1000 Euro. Damit will er bedürftige Studenten entlasten. Potentielle Spender zeigen sich wenig begeistert - und nicht einmal die Studenten sind auf seiner Seite.

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Leibniz Universität Hannover

Erich Barke, Präsident der Uni Hannover: Finanzhilfe aus Prof-Vermögen

Der Präsident der Leibniz-Universität in Hannover, Erich Barke, erfindet derzeit das System der Studiengebühren neu: Ginge es nach ihm, zahlen in Zukunft nicht mehr nur die Studenten, sondern auch die Professoren - zumindest indirekt. Das Geld könnten die Hochschullehrer aus ihrem Privatvermögen abzweigen. Und ein fester Betrag schwebt Barke auch schon vor: Die Professoren sollen jährlich 1000 Euro spenden und damit für einen bedürftigen Studenten die Studiengebühren übernehmen. Dafür warb er in einer Mail, die er am Montag an alle rund 340 Professoren der Uni schickte.

"Ich würde mir wünschen, dass wir uns gemeinsam für die Studierenden einsetzen", schreibt er in der Mail, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Deswegen bittet er die Professoren 1000 Euro pro Jahr zu spenden, um die Studenten finanziell zu entlasten. Barke selbst würde sogar zwei Stipendien übernehmen, schreibt er. Damit wären die Studiengebühren gedeckt, die ein Student in Niedersachsen jährlich zahlen muss. Das Geld sollen jene Studenten erhalten, die in der Regelstudienzeit studieren, den Bafög-Höchstsatz erhalten, aber keinen Anspruch auf Kindergeld mehr haben, weil sie älter als 25 Jahre sind. Das wäre ein schönes Zeichen, schreibt er weiter. "Ganz abgesehen davon, dass die Aktion auch in der Außendarstellung sicherlich zum guten Bild der Leibniz Universität beitragen würde." In der Mail kritisiert Barke, dass es bundesweit kein wirksames Stipendiensystem gebe. Auch das Deutschlandstipendium überzeugt ihn nicht.

"Idee muss erst intern diskutiert werden"

Mit dem nationalen Stipendienprogramm sollen rund 10.000 Studenten im Laufe des Jahres 2011 gefördert werden. Besonders gute Studenten erhalten demnach 300 Euro monatlich, unabhängig vom eigenen Einkommen und dem der Eltern. Der Staat finanziert die eine Hälfte, private Finanziers die andere. Organisieren und Einwerben müssen das allerdings die Unis - ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Im Wintersemester 2011/12 will auch die Uni Hannover bis zu 90 Deutschlandstipendien vergeben. Das sei allerdings viel zu wenig, schreibt der Uni-Präsident an seine Professoren.

Barke will sich zu seiner Idee nicht äußern. "Die Idee muss erst intern diskutiert werden", sagte eine Sprecherin der Universität. Er dürfte aber nicht alle Professoren davon begeistern: Einem kommt es "merkwürdig vor, dass wir unseren Arbeitgeber bezuschussen sollen", schreibt die "Hannoversche Allgemeine".

Aber nicht einmal die Studenten hat er bedingungslos auf seiner Seite: "Das ist zwar ein netter Gedanke", sagt Kristian Kröger, Asta-Sozialreferent an der Uni. Er sollte aber nicht die Professoren um Geld bitten, sondern lieber das Land Niedersachsen. "Die Studis müssen bezahlen, und jetzt sollen die Professoren auch noch für eine öffentliche Einrichtung bezahlen - da kann man sich gleich privat organisieren."

Um Studenten zu entlasten, könnte Barke auch dafür plädieren, die Studiengebühren ganz abzuschaffen. Schließlich wird Niedersachsen bald neben Bayern das einzige Land sein, das überhaupt noch Studiengebühren erhebt. Aber darauf will der Uni-Präsident nicht verzichten. "Die deutschen Hochschulen sind nach wie vor unterfinanziert", sagte Barke der Tageszeitung "Die Welt". "Durch Studiengebühren wird die Situation für Studierende eindeutig verbessert."

Auch in Niedersachsen könnten die Gebühren allerdings fallen, schreibt Barke in der Mail: "Wenn Bayern verzichtet, ist damit zu rechnen, dass es bald auch in Niedersachsen keine Studienbeiträge mehr geben wird." Eine entsprechende Diskussion war Mitte Juli kurz aber heftig geführt worden, erst ein Machtwort des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) beendete die Debatte. "Niedersachsen würde es wohl nicht als einziges Bundesland durchstehen", sagte Barke in der "Welt".

fln

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