Managerschmiede EBS: Umstrittener Präsident lässt Amt ruhen

Von Armin Himmelrath und Markus Verbeet

Zuletzt kämpfte er mit allen Mitteln, doch auf verlorenem Posten: Christopher Jahns, Chef der European Business School, lässt sein Präsidentenamt ruhen. Im Machtkampf an der Eliteschmiede wurden schwere Anschuldigungen erhoben, Anwälte eingeschaltet und angeblich Dokumente gefälscht.

Leiter der Privat-Uni EBS: Jahns, ein unehrbarer Kaufmann? Fotos
EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Die European Business School gilt als eine der besten Managerschmieden des Landes. Rund 1000 Euro Studiengebühren pro Monat zahlen die Studenten in der Regel, für die wissenschaftliche Theorie und vermutlich auch fürs praktische Netzwerk, das sich dort im Rheingau knüpfen lässt.

"Engagiertes Unternehmertum leben wir als Pionier der deutschen Business Schools seit 1971 vor", so beschreibt die Hochschule ihre Mission. Und auf der Website verkündet der Präsident: "Unser Ziel ist es, Menschen zu inspirieren und Persönlichkeiten zu entwickeln, die nachhaltig und werteorientiert das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland und der Welt gestalten."

Doch der Präsident arbeitet derzeit nicht als Präsident: Christopher Jahns lässt dieses Amt vorerst ruhen. Er steht unter dem Verdacht, als Unternehmer allzu engagiert und nicht gerade werteorientiert gehandelt zu haben. Seit der SPIEGEL im Januar aufgedeckt hat, dass Jahns seine Tätigkeiten als Hochschulpräsident und Geschäftsmann nicht immer sauber getrennt hat, steht Jahns in der Kritik.

Jahns vermutet "Machenschaften" gegen seine Hochschule

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden und das hessische Landeskriminalamt ermitteln unter anderem wegen möglicher Untreue; Jahns hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. An seiner Hochschule eskalierten derweil die Auseinandersetzungen, in den vergangenen Tagen ging es an der Eliteschmiede drunter und drüber. Im Machtkampf um den großen Macher Jahns wurden schwere Anschuldigungen und falsche Behauptungen erhoben, Anwälte eingeschaltet und angeblich Dokumente gefälscht.

Am Donnerstagmorgen hatte der Streit einen neuen Höhepunkt erreicht. Ein ehemaliger Mitarbeiter, den Jahns öffentlich des Verrats bezichtigt hatte, wehrte sich mit einer Rundmail an mehrere hundert Ex-Kollegen. An Jahns' Hochschulinstitut sei er "verschiedentlich auf Dinge gestoßen, die ich mir nicht erklären konnte"; er habe "das Gefühl, es seien Machenschaften zum Nachteil der European Business School im Gange".

In seiner E-Mail erhebt der Ex-Mitarbeiter einen ganz konkreten Vorwurf: Jahns habe versucht, Zahlungen in Höhe von einer halben Million Euro an die Beratungsgruppe BrainNet zu veranlassen. Davon würde Jahns selbst profitieren, er ist an dem Unternehmen beteiligt und sitzt im Verwaltungsrat. Jahns antwortete ebenfalls per Rundmail und wies die Vorwürfe als "infam und unerträglich" zurück. Er behalte sich rechtliche Schritte vor.

Der CEO gibt erstmal Ruhe

Am späten Nachmittag teilte dann der Aufsichtsrat der Hochschule mit, dass Jahns angeboten habe, seine Ämter als Präsident und Chief Executive Officer der Hochschule ruhen zu lassen, bis die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgeschlossen seien. Der Aufsichtsrat habe dieses Angebot angenommen. Nur sein Hochschulinstitut werde Jahns weiterhin leiten, heißt es in der Erklärung. Zugleich verkündete der Aufsichtsrat, dass er "Strafanzeige gegen Unbekannt wegen unbefugter Herausgabe von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen" erstatten werde.

Die Querelen an der Hochschule, die ihren Sitz nach Wiesbaden verlegt hat und zur Universität aufsteigen möchte, dürften daher weitergehen. Es ist kaum zu erwarten, dass nun Ruhe einkehrt, nur weil der Präsident sein Amt ruhen lässt. Zu tief scheint der Graben zwischen Jahns und etlichen Mitarbeitern. Mindestens zwei haben bereits die European Business School verlassen, anderen soll mit Kündigung gedroht worden sein. Und schon eine einfache Frage kannte in den letzten Tagen viele Antworten: Wer ist für Jahns, wer gegen ihn? Der Präsident selbst verbreitete dazu etliche Versionen.

"Jahns hat nach wie vor das Vertrauen aller", hatte eine Hochschulsprecherin kürzlich einer Regionalzeitung gesagt. Dann berichtete der SPIEGEL von einem Brief, in dem neun Professoren und ein Prorektor den Rücktritt fordern. Die Unterzeichner bilden rund ein Drittel der Lehrstuhlinhaber der kleinen Hochschule, zu ihnen zählt Jahns' Vorgänger als Rektor.

Die Professoren sehen es, wie sie schreiben, "als unsere Pflicht an, Dich zum unverzüglichen Verzicht auf das Präsidentenamt aufzufordern". Am Montag, dem Erscheinungstag des SPIEGEL, dementierte Jahns unverzüglich: Die Mehrheit der abtrünnigen Professoren sei von ihrer Forderung abgerückt, auch der Vorgänger verlange nicht mehr den Rücktritt, sagte er dem "Wiesbadener Kurier". War der SPIEGEL nicht auf dem aktuellen Stand? Nun ja, am nächsten Tag klang Jahns schon wieder anders.

Professoren blieben bei ihrer Rücktrittsforderung

Der Vorgänger sei sehr wohl bei seiner Rücktrittsforderung geblieben, bekannte Jahns in der Regionalausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", aber nichtsdestoweniger verlangten nur noch insgesamt drei Professoren seinen Rückzug. Auch diese Äußerung könnte freilich nicht der Wahrheit entsprochen haben, angeblich standen die Unterzeichner zu ihrer Rücktrittsforderung.

"Die Professoren sollen Jahns und dem EBS-Aufsichtsrat ein Ultimatum gesetzt haben", berichtete die "Frankfurter Rundschau". "Wenn er seine unwahren Behauptungen in der lokalen Presse nicht schleunigst richtigstelle, wolle man Interna der Hochschule nach außen tragen." Diesem Ansinnen hatte der Aufsichtsrat eine Absage erteilt. Die Aufseher hatten zuvor auf Anfrage des SPIEGEL mitgeteilt, dass Jahns "das volle Vertrauen des Aufsichtsrates" genieße. Im Übrigen sei der Aufsichtsrat nicht bereit, "öffentlich zu internen Vorgängen" Stellung zu nehmen.

Die Aufseher versuchten dann aber doch, das Blatt gegen die Kritiker zu wenden: Interne Unterlagen seien nicht nur unrechtmäßig weitergegeben worden, sondern "teilweise absichtlich verändert wurden", heißt es in der Stellungnahme. Der Vorwurf der Dokumentenfälschung bezieht sich offenbar auf eine Rechnung, die in der "Bild-Zeitung" abgedruckt war. "So schrieb sich Jahns selbst eine Rechnung und genehmigte sie auch", lautete die Überschrift dazu. Tatsächlich entspricht die abgedruckte Fassung nicht dem Dokument, wie es in der Hochschule vorhanden ist.

Es fehlen unter anderem Stempel und Kürzel, die zeigen, dass die Rechnung den normalen Gang durch die Hochschulverwaltung genommen und Jahns nicht alleine die Freizeichnung vorgenommen hat. Da kann man auch vermuten, dass die "Bild-Zeitung" das Dokument schlicht in einem früheren Stadium zeigt und auf dieser Grundlage möglicherweise vorschnell ihren Vorwurf formuliert hat. Aber ist das Dokument deshalb "absichtlich verändert" worden, wie es der Aufsichtsrat darstellt? Das dürften Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt klären.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Ihr letzter Besuch war: Heute um 07:26 Uhr
mattbarna 17.03.2011
Tja, und so wird der Ruf der Hochschule ramponiert und die Studenten, die teures Geld zahlen (viele auch auf Kredit und nicht vom Vati), ärgern sich. Nun muss man dazu sagen, dass sich die Medien in solchen Fällen auch nicht gerade objektiv verhalten, denn mögliche Häme über die teuren "Bonzenschulen" versprechen viele Klicks/Leser. Persönliche Interessen, Geltungsdrang und verletzte Gefühle spielen sicher schulintern auch eine Rolle. Na dann frohes Schaffen alle Miteinander!
2. Managerschmiede EBS
hage47 17.03.2011
Bravo, Spiegel! Blattschuss! Nun habt Ihr einen honorigen, ambitionierten, sehr kultivierten, sehr dynamischen und sehr sympatischen Menschen aus seinem mit großem Erfolg geführten Amt gedrängt. Kennt jemand den Professor Jahns persönlich? Oder geht es nur um die effekthaschende Jagd wie bei Guttenberg und manchen anderen vor ihm - widerlich! Alles, was an der EBS geleistet wurde in den zurückliegenden Jahren wird durch diese klischeehafte Berichterstattung ("Manager-schmiede") mit in den Schmutz gezogen. Wann wird soviel Häme einmal durch aufbauende Kritik oder gar anerkennende Berichterstattung ersetzt?
3. Leverage-Effekt
Zaphod 18.03.2011
Die EBSler, die auf Kredit studieren, sind vielleicht nicht zu beneiden. Aber immerhin lernen sie nun wahrscheinlich mehr als in manchen Vorlesungen: Sie lernen, dass Chance und Risiko korrelieren. Wer sich hoch verschuldet, um seinen eigenen Profit als Berater oder Investmentbanker zu steigern, geht eben ein hohes Risiko ein. Wenn diese Lektion von der zukünftigen "Elite" verstanden würde, könnten wir wohl zuversichtlich sein über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Tatsächlich sind Einrichtungen wie die EBS vollkommen überflüssig. Sie fördern ein Beziehungsgeflecht, das dann dazu führt, dass nur EBSler oder WHUler bei den großen Consulting-Unternehmen aberwitziger Summen für aberwitzige Erkenntnisse kassieren, so lange nur die Power Point Präsentationen in Ordnung sind. Im Optimalsfall waren die Auftraggeber auch schon Berater und Elitestudenten, so dass man sich kennt und gegenseitig die Vorteile gewährt. Wem das nützt ist unklar: Sicherlich nicht den Arbeitnehmern (aber Stakeholder sind ja sowieso unwesentlich), vielleicht den Aktionären und ganz sicher den jeweiligen Vorständen und Partnern der Beratungsfirmen. Wenn dieser Sumpf ausgetrocknet wird, wird niemand, der vernünftig ist, große Tränen vergießen!
4. @hage47
hellsguenni 18.03.2011
Zitat von Ihnen: Oder geht es nur um die effekthaschende Jagd wie bei Guttenberg und manchen anderen vor ihm - widerlich! Zitatende Bleiben wir doch bei den Fakten. Guttenberg hat nachweislich gelogen und betrogen. Was hat das mit Effekthascherei zu tun? Und bei Jahns ist wohl auch nicht alles in Ordnung, sonst würde die Staatsanwaltschaft kaum ermitteln. Gerade wenn ein Vorbild für zukünftige Führungskräfte sich nicht an die Spielregeln unserer Gesellschaft hält, gehört derjenige seines Amtes enthoben. Dafür haben wir glücklicherweise ein funktionierendes Rechtssystem.
5. Wieso...
RDetzer 18.03.2011
sitzt der Mann gleichzeitig in mehreren Aufsichtsräten, wohin dann alles Geld fließt. Ich sehe da wenig Ausgewogenheit und Neutralität. Zu den Studenten muß man annehmen, sie wissen worauf sie sich einlassen. Dort scheinen Ausgewogenheit und neutrale Standpunkte von Beginn an keine Chancen zu haben. Von einem Bildungsmarketing, welches sich unterhalb der Gürtellinie abspielt, eine Elite abzuleiten, halte ich nicht viel.
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