Medizinstudium trotz mäßigen Abis: Hier geht's zum Noteingang

Arztwerden geht nur mit Einser-Abi oder nach langer Wartezeit? Falsch! Es führen auch andere Wege ins Medizin-Studium. Wer den Numerus Clausus umgehen will, muss allerdings ordentlich zahlen, die Heimat verlassen oder als Soldat dienen.

Medizinstudenten in Hannover: Mit einem Zweier-Abi wird es schwer Zur Großansicht
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Medizinstudenten in Hannover: Mit einem Zweier-Abi wird es schwer

Kranke heilen - was für einen erfüllenderen Beruf könnte es geben? Noch dazu führen bei den Gehaltsaussichten von Akademikern nicht selten Mediziner. Und Ärzte haben glänzende Berufsaussichten: Wer heute als Mediziner die Universität verlässt, kann sich oft aussuchen, wo er anfängt. Denn auf dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen Ärzte. Für viele also ein Traumjob.

Doch der Traum erfüllt sich nur für wenige. "Wer derzeit einen Studienplatz in Medizin bekommen will, braucht beim Abiturzeugnis eine Eins vorm Komma", sagt Bernhard Scheer von der Stiftung für Hochschulzulassung, die aus der ZVS hervorgegangen ist. Sonst müsse man zurzeit sechs Jahre warten.

Denn derzeit ist das Vergabesystem so: Ein Fünftel der Studienplätze wird über die Abiturnote vergeben, der Numerus Clausus lag im vergangenen Jahr zwischen 1,0 und 1,1. Weitere 20 Prozent werden über die Wartezeit vergeben. Diese lag im letzten Jahr bei zwölf Semestern, die das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht im vergangenen Jahr als verfassungsrechtlich bedenklich beurteilt hatte. Schließlich werden weitere 60 Prozent der Studienplätze über die Hochschulen selbst vergeben.

Drei Alternativen für Abiturienten, die Ärzte werden wollen

Dort, an den Universitäten, variieren die Vergabesysteme. Neben der Abiturnote gibt es hier zum Teil Bonuspunkte für eine abgeschlossene Berufsausbildung oder für ein gutes Ergebnis im Medizinertest TMS. "Das Vergabesystem an den Universitäten ist bunt und unterschiedlich", sagt Scheer. "Im Einzelfall mag da auch noch einmal ein Abiturzeugnis mit 1,9 zum gewünschten Studienplatz führen." Mit einer Zwei vor dem Komma habe man in der Regel jedoch keine Chance mehr.

Wer dennoch unbedingt Arzt werden möchte, hat drei Optionen:

  • Da ist zunächst die Möglichkeit, an der privaten Universität in Witten/Herdecke zu studieren. Die Hochschule im Ruhrgebiet ist die einzige, deren Medizinstudienplätze nicht über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden. "42 Studienplätze vergeben wir pro Jahr", sagt Petra Stammnitz vom Studierendensekretariat der Universität. Im letzten Jahr bewarben sich 950 Abiturienten. Die Chancen sind also relativ klein. Dafür hat man auch mit einem durchschnittlichen Abitur eine Chance. "Wir nehmen immer wieder auch Leute mit einem Abischnitt von 2,8", sagt Stammnitz. Wichtiger als die Schulnoten sind der Auswahlkommission die Motivation und Eignung der Bewerber. Die Ausbildung an der Privatuni ist jedoch teuer: "Das Studium kostet rund 41.000 Euro", sagt sie.
  • Eine andere Möglichkeit: bei der Bundeswehr studieren. Die hatte im vergangenen Jahr rund 250 Studienplätze zur Verfügung und rund 1300 Bewerbungen. Genommen wurde also immerhin jeder Fünfte. "In diesem Jahr haben wir aber bereits jetzt schon deutlich mehr Bewerbungen", sagt Herbert Rühle von der Offizierbewerberprüfzentrale der Bundeswehr. Ein Studium bei der Bundeswehr unterscheidet sich jedoch in vielerlei Hinsicht von einem regulären Studium. Wer sich dafür entscheidet, absolviert vor und nach dem Studium die militärische Ausbildung zum Offizier. Vor Aufnahme des Studiums verpflichtet man sich außerdem, mindestens 17 Jahre für die Bundeswehr zu arbeiten. Nach dem Studium sind mehrmonatige Auslandseinsätze zu erwarten. Dafür wird man vom ersten Monat an bezahlt, am Anfang rund 1600 Euro netto. Doch auch beim Auswahlverfahren für die Sanitätsoffizieranwärter spielt der Abischnitt eine wesentliche Rolle. Bei besonders gutem Abschneiden in den übrigen Testverfahren kann im Einzelfall eine Zulassung auch noch mit einem Abiturschnitt von 2,7 erlangt werden.
  • Als drittes lässt sich versuchen, einen Studienplatz im Ausland zu bekommen. Sehr populär ist etwa die Semmelweis-Universität in Budapest. Dort kann in deutscher Sprache Medizin studiert werden. Der Abschluss sowie die Scheine werden problemlos in Deutschland anerkannt. Das Studium ist allerdings auch dort teuer. "70.000 Euro Studiengebühren kostet das komplette Medizinstudium in Ungarn", sagt Jörg Weidenhammer von der Asklepios Medical School in Hamburg, einer Außenstelle der Semmelweis-Universität Budapest. Auch in Budapest ist es inzwischen jedoch schwierig, einen Studienplatz zu bekommen. "Wir hatten im letzten Jahr 230 Plätze in Budapest, auf die sich 1400 Menschen beworben haben", sagt Weidenhammer. Die Chancen genommen zu werden, stehen damit ähnlich wie bei der Bundeswehr, nämlich bei eins zu sechs.

Wer in Budapest oder anderswo im Ausland studieren möchte, sollte sich das jedoch gut überlegen. "In einem ersten Schritt sollte man schauen: Kann das überhaupt finanziert werden?", sagt Richard Seubert, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Schwäbisch Hall. Sei das der Fall, sollten angehende Medizinstudenten darauf achten, dass die erworbenen Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. Schließlich sollte man die Universität im Ausland unbedingt vorher besuchen. Denn erst, wenn man vor Ort sei, bekomme man ein Gefühl dafür, ob man sich ein Studium im Ausland mit 17 oder 18 Jahren überhaupt vorstellen könne.

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Inzwischen gibt es neben Budapest einige weitere Orte im Osten Europas, in denen auf Deutsch oder auf Englisch Medizin studiert werden kann und an denen die Studiengebühren möglicherweise etwas günstiger sind. Dazu zählen etwa die Universitäten in den Städten Pécs und Szeged in Ungarn, sagt Arbeitsagentur-Mann Seubert. Weitere Möglichkeiten seien die Hochschulen in Riga in Lettland, Martin in der Slowakei, Hradec Králové in Tschechien sowie Split in Kroatien.

Von Kristin Kruthaup, dpa/otr

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insgesamt 46 Beiträge
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1.
bumbu1 01.05.2012
Diese Frage muss man sich genau stellen. Auch wenn man einen Platzt kriegt, scheiden viele Studenten in den ersten Semestern aus. Auch wenn man das Studium abschliesst, halten viele das Klinikleben nicht aus und suchen sich einen Job in anderen Bereichen. Ich muss gestehen, dass ich Medizin studiert habe und arbeite im Ausland weil ich die deutschen Arbeitsbedingungen nicht optimal fand. Ich komme vorwaerts, weil ich 6 Jahre nach dem Studium immer noch fleissig lerne oder zusaetzliche Schichten mache (alles fast an jedem Wochenende). Medizin ist ein Beruf fuer Leute die gerne lernen und das die ganze Zeit. Deswegen finde ich es gerecht Leute mit einer 1 Abinote zu nehmen. Gleichzetig muss man einfuehlsam, kommunikationsfaehig und ein team player sein. Nur das gesamte Packet ist fuer dieses Berufsleben geeignet.
2. Seltsam
ron_ben_david 01.05.2012
Auf der einen Seite werden dringend Mediziner gesucht, auf der anderen Seite braucht man diesen sehr niedrigen NC um überhaupt genommen zu werden. Was macht man? Anstatt die nötigen Kapazitäten bereitzustellen, wirbt man Mediziner aus dem Ausland ab. Erkläre mir das mal jemand.
3. Arzt nur mit Bestnoten?
ritotschka 01.05.2012
Ein junger Mensch, der Medizin studieren will muss die Liebe zum Beruf mitbringen und entsprechendes Engagement. Ob er da auf seinem Abiturzeugnis nur Einsen hat ist für mich belanglos. Ein praktisches Jahr vor dem Studium in einem Krankenhaus sagt viel mehr über die Qualifikation aus, als eine 1 in Musik. Wir brauchen keine gut betuchten Ärzte, die an Privatuniversitäten studieren um sich dann als Privatarzt niederzulassen.
4.
janne2109 01.05.2012
der ist aber verdammt klein, der Noteingang....
5. Aerzte gibt es genug in Deutschland!
bumbu1 01.05.2012
Deutschland produziert Aerzte ohne Ende aber am Ende wollen nur einige als Arzt in Deutschland arbeiten. Das Medizinstudium ist auch teuer und man muss Leute auswaehlen, die es es wenigstens zu Ende bringen werden. Das Medizinstudium hat viel mit auswendig lernen zu tun, da man sich viel Wissen aneignen muss. Auch wenn man sehr einfuehlsam und kommunikationsfaehig ist, muss er auch die entsprechenden wichtigen klinischen Entscheidungen treffen. Dafuer muss man regelmaessig selbststaendig lernen, die neue Literatur lesen und viele Kurse besuchen. Und all dies ein Leben lang. Sonst bleibt man irgendwo haengen, frustriert und man gibt mit dem ganzen irgenwann auf.
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