Medizinstudenten im PJ: "Das hätte auch schiefgehen können"
Denn sie dürfen oft nicht, was sie tun: Medizinstudenten im Lehrkrankenhaus müssen immer wieder Aufgaben erledigen, die ihre Fähigkeiten übersteigen. Vier angehende Ärzte berichten von grenzwertigen Einsätzen am Krankenbett.
Für angehende Mediziner zieht sich ein Problem durch ihre gesamte Ausbildung. Vom ersten Pflegepraktikum an, über die medizinischen Praktika, Famulaturen genannt, bis zum Praktischen Jahr (PJ) fragen sich die unfertigen Nachwuchsärzte: Was kann ich schon, was darf ich schon mit den Patienten anstellen? Darf ich diese Medikamente geben? Wann muss ich das Pflegepersonal rufen, wann den Stationsarzt - und wo und wie darf ich selbst Hand anlegen?
In großen und kleinen Kliniken passiert es Tag für Tag: Ärzte, Pflegepersonal und Studenten lassen zu, dass Medizinstudenten Aufklärungsgespräche vor Operationen führen, Blut abnehmen, Medikamente austeilen, obwohl das rechtlich mindestens heikel ist.
Mitunter drängen Pfleger und Ärzte die noch nicht fertig ausgebildeten Mediziner sogar zu diesen Aufgaben. Mancher traut sich dann schlicht nicht, nein zu sagen, oder überschätzt die eigenen Fähigkeiten. Passiert ihm ein grober Fehler oder ist ihm Fahrlässigkeit nachzuweisen, muss er mit einer Strafe rechnen - wie der Fall des jungen Mediziners zeigt, der nach dem Tod eines Babys wegen fahrlässiger Tötung verurteilt wurde.
Vier Medizinstudenten im praktischen Teil ihrer Ausbildung haben SPIEGEL ONLINE von ihren grenzwertigen Erlebnissen im klinischen Alltag erzählt. Nach diesen Tätigkeiten befragt, antworteten ihre Lehrkrankenhäuser ausweichend: Alle Kliniken hielten sich an die "allgemeinen Rechtsgrundsätze" für die Ausbildung. Die beschriebenen Szenen halte man für "nahezu ausgeschlossen". Weil die vier Studenten juristische und disziplinarische Konsequenzen und Karrierenachteile fürchten, wollen sie anonym bleiben.
"Ohne einen Arzt im Raum"

Aufklärungsgespräch vom Studenten: Der Arzt unterschreibt nur
"Ich schwor mir, es nie wieder zu tun"

Student legt Infusion: "Hängst du das eben an?"
"Zum Glück hat es geklappt"

Blutentnahme aus der Vene: Arteriell und am Handgelenk gefährlicher
"Ich habe nicht nachgefragt"

"Schnäpschen" gegen Schmerzen: "Gib das mal dem Patienten"
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